Experten-Tipps: So schreibst Du einfach besser in Vorlesungen mit

Leonie Möck

Vorlesungen sind im Studialltag die zentrale Art der Wissensvermittlung. Findest du in deinen Aufzeichnungen fast nur Gekritzel am Seitenrand? Vier Experten geben Tipps, wie Du Deine Mitschreiben optimieren kannst.

In Vorlesungen das Wichtigste mitschreiben ist leichter gesagt als getan. Vier Expertinnen und Experten für Lernstrategien verraten ihre Tipps zum effektiven Mitschreiben in Vorlesungen. In zwei Punkten sind sich alle einig: Die Einstellung der Studierenden und die Nachbereitung der Mitschriebe sind essentiell für den Lernerfolg.


Geh’ mit der richtigen Einstellung in die Vorlesung

  • Klingt zunächst trivial, ist es aber nicht: Konsequent hingehen und mitschreiben! Nicole Becker, Professorin für Erziehungswissenschaft an der PH Freiburg meint: "Vorlesungen werden von Studierenden gestrichen, wenn der Zeitdruck zu groß wird." Das hält sie für falsch: "Vorlesungen bieten, wenn Sie gut aufgebaut sind, einen systematischen und inhaltlich dichten Überblick."
  • Matthias Nückles, Professor für Lehr- und Lernforschung an der Uni Freiburg empfiehlt, vorher Lernziele zu bestimmen. "Es ist wichtig, Fragen an den Lernstoff zu richten." Das helfe dabei, beim Mitschreiben zwischen Wichtigem und Unwichtigem zu unterscheiden. Falls die Ziele unklar sind: Sprich die Dozierenden direkt darauf an.
  • Setz Dich nach vorne. "Viele Studierende sitzen hinten und reden", sagt Rolf Plötzner, Professor für Mediendidaktik an der PH Freiburg. Sich bewusst dagegen zu entscheiden, helfe dabei, die Aufmerksamkeit auf die Vorlesung zu lenken.

Sei vorbereitet und habe ein System

  • "Schreib nur Stichworte mit." Brigitte Knelangen ist Expertin für Lern- und Arbeitstechnik und lehrt an der Volkshochschule Freiburg. Sie findet es wichtig, der Vorlesungen zu folgen, um den Lernstoff zu verarbeiten. Viele Studierende seien durchgehend am Schreiben – für aktives Mitdenken bleibe da kein Raum.
  • Um beim Mitschreiben Zeit zu sparen, helfen Abkürzungen. Wichtig: "Man sollte sie danach noch entschlüsseln können", sagt Rolf Plötzner. Dafür könne man eine Tabelle mit den wichtigsten Abkürzungen anfertigen.
  • Tipp fürs Tablet: Brigitte Knelangen schlägt das Programm Evernote vor. Mithilfe der Stiftfunktion des Tablets kann man sich Notizen machen, Bilder einfügen und vieles mehr. Knelangen fügt jedoch hinzu: "Man macht sich von der Hardware abhängig." Außerdem müsse man sich einarbeiten; Knelangen empfiehlt es deshalb nur Studierenden, die fit im Umgang mit dem Programm sind.

Strukturier Deine Mitschriften

  • Als Organisationshilfe empfiehlt Rolf Plötzner die Cornell-Strategie. Dabei wird das Mitgeschriebene optisch strukturiert: Unterteile Dein Blatt in vier Bereiche: Oben einen Kopf für die Überschrift, darunter zwei große Bereiche, einmal für Notizen zur Vorlesung und daneben für Anmerkungen und Fragen. Unten solltest du Platz für eine Zusammenfassung der Vorlesung lassen. Die visuelle Trennung hilft Dir dabei, Ordnung in Deine Mitschriebe zu bringen.
  • Mindmaps und Concept Maps: Mindmaps kennen die meisten aus der Schule. Ein Oberbegriff steht in der Mitte, von ihm gehen Pfeile ab zu Unterbegriffen. Bei der Concept Map werden die wichtigsten Begriffe der Vorlesung hierarchisch verknüpft. Beide Formen können handschriftlich, aber auch digital, erstellt werden. Für digitale Mindmaps dominiere das kostenpflichtige Programm Mindmanager. Allerdings gibt es zahlreiche kostenlose Alternativen. Rolf Plötzner schlägt das Programm Mindnote vor; Matthias Nückles empfiehlt für digitale Concept Maps das kostenlose Programm Cmap. Der Lernerfolg durch Concept Maps sei zwar wissenschaftlich fundiert, trotzdem: "Man muss den Umgang mit den Programmen üben." Außerdem gelte: "Das ist nicht für jeden etwas."

Auch Power-Point-Folien müssen bearbeitet werden

Vielleicht kommt Dir die Einstellung bekannt vor: "Ich hab die Folien ausgedruckt, das ist doch schon die halbe Miete." "Mitnichten," meint Nicole Becker. Die Folien bilden nicht den gesamten Inhalt ab. Deshalb: Trotzdem mitschreiben. Diese Tipps helfen dabei:
  • Matthias Nückles empfiehlt: Immer drei Folien auf eine Seite drucken lassen, Power Point fügt dann automatisch leere Zeilen für Notizen hinzu. So kann man zu jeder Folie etwas ergänzen.
  • Für alle, die die Folien auf dem PC mitbringen, hat Nückles den Tipp: Power Point hat eine Notizfunktion. So kannst Du auch digital Ergänzungen einfügen.
  • Rolf Plötzner empfiehlt fürs Tablet das Programm Goodreader. Power Point-Präsentationen können damit nach Belieben bearbeitet werden.

Vorlesungen nacharbeiten, auch wenn’s nervt

Sich nach der Vorlesung noch mal hinsetzen und die Mitschriebe überarbeiten: "Das passiert meistens nicht," sagt Nückles. Dabei sei die Nachbereitung besonders wichtig für den Lernerfolg – darin sind sich alle Experten einig.
  • Nicole Becker empfiehlt: "Nimm Dir die Zeit, aus Deinen Stichworten möglichst zeitnah einen kurzen Text zu machen, wenigstens eine Abfolge von Gedanken, die die Inhalte der Vorlesung wiedergibt. Um später mit Deinen Mitschriften auf die Prüfung zu lernen, sollten sie möglichst verständlich sein."
  • Was fällt mir zusätzlich zum Thema ein? "Der Lernstoff muss verknüpft werden, um langfristig gespeichert zu werden," sagt Brigitte Knelangen.
  • Offene Fragen klären, empfiehlt Matthias Nückles. Wenn Du etwas nicht verstanden hast, recherchiere es nach. Dabei helfen oft auch die Literaturverweise in der Vorlesung.
  • Stichwort Teamwork: Tausche Dich mit anderen aus. Nicole Becker warnt aber: "Missverständnisse können sich übertragen. Mach Dir bei Unklarheiten eigene Gedanken und übernimm nicht die Meinung von anderen."

Lohnt sich die Audio-Aufzeichnung von Vorlesungen?

Rolf Plötzner sieht im Aufnehmen von Vorlesungen keinen Sinn: "Dann muss ich mir Zuhause alles noch mal in voller Länge anhören." Brigitte Knelangen sagt: "Vorlesungen aufzunehmen bringt nichts und kostet viel zu viel Zeit." Ihre Alternative: In der Vorlesung dem roten Faden folgen. "Wenn ich aktiv mitgedacht habe, kann ich das Wissen danach abrufen."
Die Tippgeber
  • Nicole Becker ist Professorin für Allgemeine Erziehungswissenschaft an der PH und hat mit Studierenden Seminare zu Techniken wissenschaftlichen Arbeitens konzipiert.
  • Matthias Nückles ist Professor für Lehr- und Lernforschung am Institut für Erziehungswissenschaft der Uni Freiburg.
  • Brigitte Knelangen ist systemische Organisationsberaterin mit dem Schwerpunkt Lern- und Arbeitsmethodik und gibt Seminare an der VHS.
  • Rolf Plötzner ist Professor für Mediendidaktik an der PH Freiburg.