EUCOR: Wie man als Freiburger Student auch in Basel, Colmar, Straßburg und Karlsruhe studieren kann

Friederike Günter

Seit September fährt Sara Reiter jeden Freitag nach Straßburg und besucht dort eine Veranstaltung an der örtlichen Universität. Sie hat dieses Jahr ihren Master für Europäische Literatur und Kulturen an der Albert-Ludwigs-Universität begonnen. Dass sie dennoch gleichzeitig in Frankreich studieren kann, liegt an EUCOR. Bereits seit 1989 existiert dieser grenzübergreifende Verbund von Universitäten,der es seinen Studenten ermöglicht in allen der beteiligten Einrichtungen studieren zu können. Wie das funktioniert:

Neben Freiburg sind die französischen Universitäten Straßburg, Colmar/Mulhouse, die Schweizer Uni Basel (Bild unten) und die Universität in Karlsruhe an EUCOR beteiligt. Der Name steht für Europäische Konföderation der Oberrheinischen Universitäten und soll durch gemeinsame Projekte die Partnerschaft der fünf Bildungseinrichtungen fördern. Neben gemeinsamen Forschungen, Netzwerken und Kulturangeboten, gibt es für Studierende auch die Möglichkeit an allen Universitäten zu studieren.

„Jeder Freiburger Student ist auch ein potenzieller EUCOR-Student“, erläutert Dr. Jens Langer (Bild rechts), EUCOR-Beauftragter in Freiburg, das Prinzip. Er ist für alle sogenannten „outcomings“ -Studenten, die an eine der anderen EUCOR-Universitäten studieren möchten - und die allgemeine Organisation zuständig.


„EUCOR ist ein freiwilliges Angebot. Wer teilnehmen möchte, muss sich bei uns nur einmal einen EUCOR-Ausweis ausstellen lassen, den er für den Rest seines Studiums benutzen kann. Für den Ausweis brauchen wir ein Passfoto und den Studentenausweis. Danach haben die Ausweisträger freie Mobilität zwischen den beteiligen Universitäten und müssen keine gesonderten Gebühren für den Besuch an den anderen Universitäten entrichten. In Karlsruhe reicht oft nur der Freiburger Studentenausweis.“



Bevor sich Interessierte aber auf den Weg in eine Veranstaltung außerhalb machen, rät Herr Langer dazu, sich vorab bei den jeweiligen Universitätenzu informieren. „Die Organisation unterscheidet sich ein wenig von Uni zu Uni, daher ist es sinnvoll sich im Vorfeld zu informieren, welche Formulare oder Informationen jeweils verlangt werden.“ Zudem kann man einen Fahrtkostenzuschuss beantragen, um die Mehrkosten zu decken.

Insgesamt stellt die Uni bis zu 150 Ausweise jedes Semester aus. Daraus will Jens Langner aber keine Zahl für die gesamte Teilnahme ableiten. „Da es ein freiwilliges und damit nicht von uns kontrolliertes Angebot ist, kann ich schwer abschätzen, wie viele letztendlich das Angebot annehmen.“ Mehr Teilnehmer und einen höheren Bekanntheitsgrad würde er sich dennoch wünschen. „Leider wissen immer noch zu wenige über die Möglichkeiten bei EUCOR Bescheid und manche erfahren erst über Umwege über dieses Projekt.“

Das kann auch Sara Reiter bestätigen, die zufällig im Internet auf EUCOR stieß. „Wenn ich früher davon gewusst hätte, dann hätte ich schon im Bachelor-Studium die Möglichkeiten wahrgenommen.“ Zuerst hatte sie die zuständigen Studienberater in Straßburg angeschrieben, aber nicht immer oder nur unzureichend Antwort erhalten. „Prinzipiell ist es besser sich vor Ort zu erkundigen. Dann bekommt man alle nötigen Informationen.“ Weiter stört sie manchmal auch ihr Status in Straßburg. „Da es nur wenige von uns EUCOR-Studenten hier gibt, sind manche Fragen offen. Zum Beispiel ist unklar, ob ich auf alle Online-Angebote zugreifen kann. Das ist eigentlich schade und sollte geklärt werden.“

Grundsätzlich überwiegen für sie aber die Vorteile. „Ich habe Einblick in ein anderes Uni-System und es ist relativ unkompliziert Kurse zu belegen. Verglichen mit dem Aufwand, lohnt sich eine Teilnahme auf jeden Fall.“

Einen gänzlich anderen Weg hat Kilian Martzog genommen. Er studiert dieses Jahr fast ausschließlich in Straßburg. Mit Erasmus war er davor schon in Spanien gewesen, wollte aber zusätzliche Auslandserfahrungen und organisierte sich diesen durch EUCOR einfach selbst. „Da ich Lehramt studiere, kann ich meine Veranstaltungen relativ frei auswählen, in einem der neueren Studiengängen wäre das sicherlich schwieriger.“ Verglichen mit  Sara waren seine Erfahrungen mit den Straßburgern positiver. „Als ich sagte, dass ich gerne einige Kurse in Straßburg machen würde, sagten sie: , Unsere Freiburger Freunde sind hier immer willkommen'.“ Zusätzlich nimmt er noch an ein paar Blockseminaren in Freiburg teil. Die Anbindungen nach Freiburg findet er ausreichend. „Es gibt spezielle Europatickets, die sehr günstig sind, und über Offenburg dauert die Fahrt gerade einmal eineinhalb Stunden.“

Ebenfalls in Straßburg studiert Till Neumann. Anders als bei Kilian, ist das aber ein festgeschriebener Teil seines Studiums. Till ist in Freiburg im Masterprogramm Deutsch-Französische Journalistik eingeschrieben. Dieses spezielle Programm ist eine von mehreren universitätsübergreifenden EUCOR-Studiengängen und besteht in Kooperation zwischen der Albert-Ludwigs-Universität und der Straßburger Journalistenschule, die der örtlichen Universität angehört. Insgesamt gibt es 12 Plätze pro Semester. Davon sind sechs für Freiburger Bewerber reserviert und sechs für Straßburger.

Das erste Jahr studierte Till in Freiburg, das Zweite verbringt er nun in Straßburg. Für ihn ist vor allem der interkulturelle Austausch wichtig. „Ich spreche hier non-stop französisch und habe einen ganz anderen Einblick in unser Nachbarland, als in Freiburg. Hier im Dreiländereck ist dieses zusätzliche Wissen für die spätere Karriere sicher von Vorteil.“



Dass er überhaupt unter EUCOR studiert, hat er aber erst spät gemerkt. „Ich wusste das lange nicht, bis mir auffiel, dass es auf meinen Scheinen vermerkt war.“

Dass es auch sehr pragmatische Gründe für ein Studium an einer der anderen Universitäten gibt, zeigt der Fall von Felix Schiller. Der Lehramtsstudent auf Deutsch, Geschichte und Philosophie besucht dieses Semester jeden Donnerstag vier Veranstaltungen in Basel. Ihm kamen die unterschiedlichen Semesterzeiten sehr gelegen. „Es kann ein Nachteil sein, dass das Semester in der Schweiz zeitlich anders liegt, als in Deutschland, aber für mich ist es ideal.“

Das Semester endet in Basel schon vor Weihnachten, in Freiburg erst Ende Februar. Da er im Januar ein Praktikum beginnt, passt es. „Ich hätte sonst ein ganzes Semester aussetzen müssen und so verliere ich keine Zeit.“

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Mehr dazu:

Wer mehr über EUCOR, seine Projekte und Möglichkeiten wissen möchte, findet mehr Informationen auf der EUCOR-Seite der Uni Freiburg. Dort gibt es Broschüren zum herunterladen und alle wichtigen Kontaktadressen.

Außerdem bietet das International Office, Fahnenbergplatz (EG und 1.OG) jeden Dienstag von 9 - 11:30 Uhr spezielle EUCOR-Sprechstunden an. Auch über eucor@io.uni-freiburg.de kann man Anfragen stellen oder individuelle Termine ausmachen.