Es gibt jetzt eine App, die dir anzeigt, wo die nächste "Zu Verschenken"-Kiste steht

Gina Kutkat

Eine App für Straßenschätze – so lautet die Idee von Manfred Szabo. Der Freiburger hat die Anwendung "Re-use" entwickelt, mit der die Fundorte von Bücher- und Krims-Krams-Kisten organisiert werden soll.

"Zu verschenken" steht in krakeliger Handschrift auf dem Schuhkarton in einer Seitenstraße in der Wiehre. Im Inneren befinden sich: Eine Tupperdose, ein bisschen Geschirr, zwei Bücher und eine alte Vase. In Freiburg sieht man solche Kisten seit ein paar Jahren überall. "Nur leider bekommen die wenigsten Menschen davon etwas mit", sagt Manfred Szabo, ein Freiburger Unternehmensberater.


Aus diesem Grund hat der 54-Jährige zusammen mit dem Programmierer Dominik Bährle eine App entwickelt, die Fundorte anzeigt, an denen Leute ihre Sachen an die Straße gestellt haben. "Eine App für Straßenschätze", sagt Szabo. Nutzerinnen und Nutzer können "Zu verschenken"-Kisten, die sie in der Nachbarschaft entdecken, fotografieren und die Bilder mit Ortsangabe in die App hochladen – oder selbst nach Kisten suchen. Nach einer Registrierung bekommt jeder Nutzer ein Profil, über das er posten und die Straßenkisten auch bewerten kann. "Je genauer man weiß, wo eine Kiste steht und was drin ist, desto besser", sagt Szabo.

"Es ist eine Hürde, Bücher einfach so wegzuschmeißen." Manfred Szabo

Die Anwendung, die am vergangenen Freitag unter dem Namen "Re-Use" freigeschaltet worden ist, ist eine Weiterentwicklung seines Vorgängerprojektes. 2014 hatte Szabo die Webseite Street-book.de gegründet, damit wollte er das Bücherkistenangebot organisieren. Die Idee krankte daran, dass die Besitzer der Bücherkisten meist keine Lust hatten, ihre eigenen Kisten zu fotografieren. "Die Leute haben sich damals registriert, weil sie Bücherkisten angezeigt bekommen wollten", sagt Szabo. Diesem Wunsch geht er jetzt mit seiner App nach. Die Crux: Bücherkisten haben eine kurze Verweildauer. Szabo hat sich dieser angepasst: Nach zwölf Stunden verschwindet ein Post in seiner App wieder.

Manfred Szabo ist großer Buchliebhaber und kennt das Bedürfnis, sich von bestimmten Exemplaren trennen zu wollen. "Es ist eine Hürde, Bücher einfach so wegzuschmeißen", sagt er. Der Weg über das Internet oder Flohmärkte sei den meisten zu mühsam. Deshalb seien Bücherschränke und -kisten so beliebt. "Man freut sich, dass die Bücher wieder in Umlauf gebracht wurden." Nicht nur in Freiburg gebe es dieses Phänomen, auch in Städten wie Wien habe sich daraus eine regelrechte Kultur entwickelt. "Re-use" ist deshalb nicht lokal begrenzt. "Ein Anwender hat bereits einen öffentlichen Bücherschrank aus Mexiko gepostet", sagt Szabo.

Karmapunkte als Anreiz

Die Straßenschätze-App ist kostenlos und momentan nur für Android-Geräte erhältlich – das soll sich aber bald ändern. Szabo möchte die Anwendung noch erweitern, dafür hat er ein Crowdfunding gestartet. Nutzerinnen und Nutzern, die Bilder von Kisten hochladen, werden mit Karmapunkten belohnt – was sie dafür bekommen, steht noch nicht fest. "Sie werden dann für ein bestimmtes Feature freigeschaltet", sagt Szabo. Schließlich brauchen sie einen Anreiz, wenn sie etwas zur Community beitragen.

Im April haben Szabo und sein Kollege mit der Bewerbung angefangen, 380 Registrierungen haben sie vorab gesammelt. Wie die App tatsächlich ankommen wird, zeigt sich erst in den kommenden Wochen. "Entweder wird es ein Erfolg oder ein Flop", so Szabo.

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