Erstsemester-Begrüßungsnachmittag: Mit Mama und Papa in der Uni

Christina Hofmann

Einmal durften sie noch mit, die Eltern: beim Erstsemester-Begrüßungsnachmittag der Albert-Ludwigs-Universität waren auch Mamas und Papas willkommen. Neugierde, wo der Sohn oder die Tochter die nächsten Jahre verbringen wird oder auch wehmütige Gedanken an die eigene Studentenzeit hatten die Eltern nach Freiburg und am Freitagnachmittag in die Uni gebracht. Doch es gab auch Erstis, die den Tag ohne elterliche Unterstützung meisterten. Christina war für fudder dabei:

Ein Infostand reiht sich im Kollegiengebäude I der Uni an den nächsten. Dazwischen drängen sich die Erstis, zum Teil mit ihren Eltern. Von der Treppe aus beobachtet, hat man das Gefühl, es gibt etwas umsonst. In der Tat, das gibt es auch und zwar Mengen an Informationen. Unter anderem vom Rechenzentrum, von der Uni-Bibliothek und vom Studentenwerk. Die Menschen hintern den Ständen locken mit Süßigkeiten und Geschenktüten.


Inmitten des Durcheinanders versucht sich die 19-jährige Elisa Belgardt mit ihrer Familie zurecht zu finden. Sie empfindet den Tag mit den Eltern als anstrengend: „Aber trotzdem nett, dass sie mitgekommen sind“, sagt die Zahnmedizinstudentin. Das Problem: ständig laufen alle zu verschiedenen Ständen, jeder will sich etwas anderes ansehen. Dass ihre Eltern mitkommen würden, war gleich beschlossene Sache. „Aber hier diskutieren wir schon den ganzen Tag“, sagt Papa Belgardt und lacht.


Viel gelassener wirken da die Psychologiestudentin Annika Konrad und ihre Mutter Kathrin. Sie sitzen auf der untersten Treppenstufe und blättern in den Broschüren, die sie bekommen haben. Für die 19-Jährige  ist es „ok“, dass ihre Mutter mitgekommen ist. Die beiden sind aus der Nähe von Karlsruhe angereist. Kathrin Konrad will ihrer Tochter helfen in der neuen Stadt anzukommen. „Aber aus Hamburg beispielsweise wäre ich nicht extra hergefahren“, sagt sie.

Dazu war die  52-jährige Olivia Wilckens bereit. Die Hamburgerin wandelt schon den ganzen Tag auf alten Spuren, denn sie hat selbst in Freiburg Medizin studiert. Ihre Tochter Franziska hat hier einen Studienplatz für Psychologie bekommen. Beide überblicken von der Treppe aus das bunte Treiben. Ob es der 20-jährigen peinlich ist, dass ihre Mutter mitgekommen ist? Sie zieht die Augenbrauen hoch und schaut fragend zu ihrer Mutter. „Du darfst schon ehrlich antworten“, sagt Olivia lachend. „Nein“, Franziska schüttelt entschieden den Kopf.

Eine ähnliche Geschichte findet sich keine zehn Meter entfernt. Auf einer Fensterbank hat es sich die 19-jährige Franziska Krampe mit ihre Mutter Bettina bequem gemacht hat. Die 44-jährige ist gebürtige Freiburgerin und hat auch an der Albert-Ludwigs-Universität studiert: Germanistik und Musikwissenschaft. Mit ihrer Familie lebt sie in der Nähe von Wien. „Meine Tochter hat in Österreich keinen Studienplatz für Medizin bekommen, dafür aber zufällig hier in Freiburg, das ist so super“, sprudelt es aus ihr heraus, als könnte sie es immer noch nicht fassen. Für die 44-jährige war klar, dass sie zum Begrüßungsnachmittag mit in ihre alte Heimat kommt.

Auffällig am Ersti-Tag ist: Es finden sich viel mehr Mütter als Väter. Mit Frauen-Power wird Dennis Scheu gleich doppelt unterstützt. Nicht nur Mama Monika ist mitgekommen, sondern auch Oma Waltraud. „ Ich finde es super und ganz wichtig, dass sie beide als Stärkung für den neuen Lebensabschnitt mitgekommen sind“, erklärt der 21-Jährige. Er fängt in Freiburg an Deutsch und Spanisch auf Lehramt zu studieren. Mama Monika braucht den Tag um loslassen zu können und für Oma Waltraud ist alles einfach nur: „Viel zu viel!“

Doch, zwischen alle den  ganzen Familien finden sich auch immer wieder Ersti-Gruppen, die sich ohne Eltern ins Getümmel stürzen. Die Gründe, die am häufigsten zu hören sind: „Die hatten keine Zeit“, „Freiburg ist zu weit weg“, „Die brauch ich nicht dabei“. Die 20-jährige Jennifer Schulz  (Bild oben links) sieht das nüchtern: „Die können mich fragen wie es war, aber müssen nicht extra herfahren.“ Sie steht bei drei anderen Mädels. „Ich hätte gar nicht gedacht, dass wirklich so viele Eltern mitkommen“, sagt die gleichaltrige Lena Usländer. Vor einer Woche haben die Studentinnen sich kennen gelernt und beschlossen: Zu viert allein zum Begrüßungsnachmittag zu kommen.

 

Was Eltern sich für ihre Erstis wünschen

   


Karl-Martin Zipp (55) und seine Tochter Charlotte (19, Lehramt: Latein, Religion und Biologie)


Er wünscht sich für seine Tochter: "Ihr soll es hier in Freiburg gefallen."



Dennis Scheu (21, Lehramt Deutsch und Spanisch), Oma Waltraud und Mutter Monika

Sie wünscht sich für ihren Sohn: "Dennis soll sich hier gut einleben und ein neues zu Hause finden. Ihm soll es gut gefallen, dass er loslassen kann."



Franziska Krampe (19, Medizin) und Mutter Bettina Mattig-Krampe (44)

Sie wünscht sich für ihre Tochter: "Ich wünsche meiner Tochter, dass ihr großer Lebenstraum gelingt und nicht nur Erfolg, sondern auch Freude und Zufriedenheit."

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