Erste Bewerber um die Stelle als Popbeauftragter melden sich – wie geht es weiter?

Jens Kitzler (Der Sonntag)

Bewerber auf Posten als Amtsleiter muss die Stadt aufwendig suchen, für die Stelle des Popbeauftragten dagegen laufen schon Bewerbungen ein, bevor sie überhaupt ausgeschrieben ist.

Freiburger Bands bekamen in den vergangenen Tagen auf ihren Facebook-Accounts Likes spendiert von jemand, der unter "Thema Popbeauftragter Freiburg" firmiert. "Ja, meine Überlegung, mich auf die Popbeauftragten-Stelle bewerben zu wollen, sofern die Stellenbeschreibung mich dann auch tatsächlich überzeugt, ist ernst gemeint", schreibt er auf seiner Seite.


Als Namen gibt er ein Pseudonym an, unter dem er als DJ unterwegs ist: Peter Polaris. Auf eine Anfrage via Facebook bekam die Redaktion in den vergangenen Tagen keine Antwort. Noch ein zweiter "Popbeauftragter Freiburg" ist auf Facebook unterwegs, die Seite enthält aber keine sichtbaren Beiträge.

Initiativbewerbungen eingetroffen

Es sind nicht die Einzigen, die sich schon für die Stelle anbieten. Ja, erzählt Annika Reinke, Pressesprecherin der Wirtschaftsförderungsgesellschaft FWTM auf Anfrage des Sonntag , ein paar Initiativbewerbungen von Leuten, die Popbeauftragter werden wollen, seien auch bei ihnen schon eingetroffen. Das ging schnell – denn dass es diese Stelle überhaupt einmal geben wird, ist erst seit der Gemeinderatssitzung am 2. Mai bekannt.

Dort hatte ein in in den ersten Sitzungen zum Haushalt bereits abgeschmetterter Antrag der Fraktion JPG plötzlich doch noch eine Mehrheit gefunden. Er sieht vor, für zunächst zwei Jahre jährlich 25.000 Euro für die Stelle eines Beauftragten für Popkultur einzustellen, die 50-Prozent-Stelle sei bei der FWTM (Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe) anzusiedeln. In den nächsten Tagen soll ein erstes Meeting zwischen Kulturamt und FWTM stattfinden, bei dem man über die Ausgestaltung der Ausschreibung der Stelle reden will.

"Nach diesem ersten Gespräch werden sich die Leute vom Kulturamt und FWTM dann mit Leuten der Szene zusammensetzen, um das Weitere zu besprechen, sagt Rathaus-Sprecherin Martina Schickle. Nach Ende des Denkprozesses wird dann eine Stellenausschreibung formuliert.

Was soll der Popbeauftragte bewirken?

"Beispielsweise Fördergelder akquirieren", sagt Simon Waldenspuhl, der für "Die Partei" im Stadtrat sitzt und somit für das "P" in JPG steht. "Von Bund und EU gibt es immer wieder Fördertöpfe", sagt Waldenspuhl. "Deren Inhalt geht an Freiburg bisher immer vorbei." Weiter ginge es um Nachwuchsförderung und um die Professionalisierung der lokalen Musikszene. Natürlich müsste sich der Popbeauftragte um das Problem fehlender Proberäume kümmern.

Die Augen aufhalten, wenn Gebäude leer stünden oder aufgegeben würden. Konzepte zur Zwischennutzung entwickeln, den Kontakt zwischen Musikern, Stadt und Wirtschaft herstellen. Und das Wissen um die örtliche Clubszene an die Bauverwaltung oder das Ordnungsamt weitergeben, wenn dort entsprechende Entscheidungen anstünden.

Welches Profil sollte ein Bewerber mitbringen?

"Meine persönliche Meinung ist: Es sollte jemand sein, der in Freiburg schon sozialisiert ist, die lokalen Leute und ihre Probleme kennt", sagt Simon Waldenspuhl. "Er müsste gut netzwerken können und Lust auf Bürokratie haben."

Popbeauftragte gibt es in anderen Städten schon, Mannheim wird gerne genannt, das schon 1999 eine entsprechende Stelle eingerichtet hat. Gleichzeitig hat Mannheim die vielleicht am wenigsten mit Freiburg vergleichbaren Rahmenbedingungen, denn ausgehend von der dortigen Popakademie ist über die Jahre hinweg eine große institutionalisierte Struktur rund um die lokale Popmusik entstanden.

Bislang eher zögerlich

In Freiburg dagegen waren die ersten Anläufe zu zögerlich, um Wirkung zu zeigen. Im Jahr 2010 konstatierte ein Gemeinderatsbericht, ein Popbeauftragter sei für Freiburg derzeit nicht das richtige Modell, man denke mehr an einen Verein. Mit Unterstützung des Kulturamts bildete sich dann 2013 der Verein Pop-Frequenz, der aber unauffällig blieb. Zweimal bat er im Rahmen der Haushaltsberatungen um Fördergelder, eine Mehrheit bekam das Ansinnen nie.
Der Artikel ist am 21. Mai 2017 in unserer Wochenzeitung "Der Sonntag" erschienen.

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