Erobique - flauschige Bonbon-Beats mit Nichtfrisur

Xifan Yang

Erobique in Freiburg, wir waren neugierig! Xifan hat sich den Elektroniker von International Pony deshalb am Samstag im Drifters angehört. In ihrer Party-Review erklärt sie euch, warum Erobique mit einem gemütlichen Bäuchlein, Sockendisco und housigen Bonbon-Beats großartiges Club-Entertainment bot.



“Gebt mir den Schlüssel zu eurer Stadt!” Mit diesen Worten buhlte Carsten Meyer alias Erobique, das pummelige Drittel der Elektro Funk-Formation International Pony, Samstagnacht um die Gunst des Partypublikums im Drifters. Sein Mantra trug er wahlweise nöhlend oder säuselnd vor - reine Koketterie, denn zu dieser Zeit war das Schloss bereits längst geknackt, er selbst frenetisch bejubelt, seine Sprüche (“Wer hat jetzt gewonnen? Pocken, Narbe oder Rocker?”) mit Lachanfällen quittiert.


In vielen Clubs gilt eine simple Faustregel: Je stampfiger die Bassdrum, je kalkulierter die Breaks, umso stärker läuft das Publikum auf physischem Autopilot. Erobique jedoch war mehr als einfach nur Plattenaufleger und Knöpfchendreher, nämlich Musiker, Spaßkanone und Geschichtenerzähler zugleich. Erobiques Selbstbeschreibung: “Deutschland sucht den Superman - ich bin alle Kandidaten in einer Person.” Optisch genau das Gegenteil der gängigen Hipsternorm erinnerte er mit seinem gemütlichen Bauch, den dicken Koteletten, der Nichtfrisur und dem verballert bunt gemusterten Halstuch an den kartenspielenden Vorsitzende einer freiwilligen Feuerwehreinheit. Extrem sympathisch und unterhaltsam gab er zu Improvisationen auf dem Keyboard schulterklopfend Stories wie von “der ersten Disko in einem Loft, wo eine LSD-Bowle gab” zum Besten.

“Wir verlegen Freiburrrch nach New York” schnurrte es in schönstem Hamburgerisch von seiner Musikantenkanzel herab und man folgte nur allzu gerne. Musikalisch nicht zwingend tanzflächenorientiert, habe ich dennoch während Erobiques 2-stündigen Liveset kaum jemanden gefunden, der zu flauschigem, leichtfüßigen und bonbonigem Funk-House nicht mit einem permanenten Schmunzeln selbstvergessen auf der Tanzfläche geturnt hätte. “Wollt ihr Sockendisko?” JA! Zum kollektiven Treter-in-Luft-schmeißen und anschließend auf-Socken-weiterhüpfen kam es dann leider doch nicht. Aber dann beim nächsten Mal, versprochen!