Falsche Information

Ermordete Studentin: Dreisamuferweg war nicht beleuchtet

Frank Zimmermann (aktualisiert um 15.30 Uhr)

Der Dreisamuferweg war in der Tatnacht nicht beleuchtet – anders als die Polizei zunächst mitgeteilt hatte. Die Lampen werden in dem Bereich jede Nacht abgestellt.

Anders als die Polizei behauptet, ist auf dem Dreisamuferradweg nachts keine Beleuchtung an – auch nicht am Wochenende. "Zwischen Sandfangwegbrücke und Nepomukbrücke am Ortseingang von Ebnet wird die Wegbeleuchtung um 0.30 Uhr ausgeschaltet", sagt Rathaussprecherin Martina Schickle nach Rücksprache mit dem zuständigen städtischen Garten- und Tiefbauamt.


Dass der Weg in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch beleuchtet war, als die Polizei am Fundort der Leiche von Dienstagabend, 23 Uhr, bis Mittwochmorgen Passanten und Radfahrer befragte, sei ein Sonderfall gewesen.

Polizei hofft auf verwertbare DNA-Spuren

Alle gesicherten Spuren an der Leiche und am Tatort werden derzeit ausgewertet. Ob auch Genmaterial darunter ist, steht noch nicht fest. Neben der eigenen DNA haben Menschen oft von anderen Menschen Genmaterial an sich, sei es durch Händedruck oder sonstige Kontakte. "Wir warten und hoffen natürlich auch auf DNA", sagt Polizeisprecherin Laura Riske. Wenn Genmaterial gefunden wird, ist die Frage, ob darunter auch Genmaterial von einem oder mehreren Personen ist, die mit der Tat zu tun haben. Man habe alle Spuren vollumfänglich gesichert, sagt Riske. Allerdings ist Wasser für DNA-Spuren schädlich, die Tote wurde in der Dreisam gefunden; wie lange sie dort lag, ist unklar. "Umwelt- und Witterungseinflüsse beeinträchtigen die Spurenlage immer", sagt Horst Haug vom Landeskriminalamt Stuttgart. Das heißt aber nicht, dass Wasser sämtliche Spuren vernichtet. Haug nennt als Beispiel eine in einem Gewässer versenkte Schusswaffe, auf der man nach deren Bergung DNA gesichert habe.

Wann Ergebnisse vorliegen, kann die Freiburger Sonderkommission noch nicht sagen.
Wenn die Polizei auf der Suche nach Tätern ist, kann jede Spur entscheidend sein – auch im Fall Armani. Wie man mit Hilfe von DNA-Spuren Täter ermitteln kann, erklärt ein Experte im Interview

Auch im noch ungelösten Fall "Armani" vor gut zwei Jahren gab es Probleme mit DNA: Die Leiche des Jungen hatte im Mühlbach im Freiburger Stadtteil Betzenhausen gelegen. Im Gegensatz zum aktuellen Fall waren die Ermittlungen damals allerdings durch einen hohen Wasserstand und zusätzlichen starken Regen beeinträchtigt worden. Der Wasserstand der Dreisam war am vergangenen Wochenende jedoch sehr niedrig und betrug nur etwa 20 Zentimeter.

Ermittler befragen Mitarbeiter der "Big Medi Night"

Weiterhin arbeiten 40 Ermittlerinnen und Ermittler an dem Fall. Unter anderem werden Angestellte, Thekenpersonal und Türsteher, die bei der Fachschaftsparty "Big Medi Night" in der Mensa Institutsviertel gearbeitet haben, befragt, außerdem Freunde und Bekannte der Medizinstudentin.

Die 19-Jährige hatte die Party am frühen Sonntagmorgen um 2.40 Uhr mit ihrem weißen Damenrad verlassen und sich auf den Heimweg im Freiburger Osten gemacht, dabei hatte sie wie üblich den Dreisamuferradweg benutzt. Man arbeite nach dem sogenannten Schneeballprinzip, sagt Riske. Für Befragungen in Frage kommen mehrere hundert Menschen – auch Menschen, die nicht unmittelbar mit dem Opfer in Kontakt standen.

Polizei ermittelt weiterhin an der Dreisam

Zudem ist die Polizei weiterhin mit Kontrollen an der Dreisam unterwegs, sie sucht Hinweise und Zeugen, die Verdächtiges am Sonntagfrüh zwischen 2.40 und 8.20 Uhr (dem Zeitpunkt, als eine Joggerin die Tote fand) wahrgenommen haben. Und sie arbeitet an einem Plakat und an einem zweiten Flyer, um potenzielle Zeugen zu erreichen (Flyer als pdf-Datei zum Ausdrucken).

Weiterhin im Dunkeln liegt, wie die Medizinstudentin genau zu Tode kam. Klar ist, dass sie vergewaltigt wurde. Klar ist außerdem, dass sie ertrunken ist, aber nicht eines natürlichen Todes starb. Ob sie nun aber bewusstlos ins Wasser gerollt oder gelegt wurde oder direkt im Wasser der Dreisam ertränkt wurde, ist nicht geklärt.
Die Ermittler haben folgende Fragen:

  • Wer hat am frühen Sonntagmorgen zwischen 2:40 und 8:20 Uhr ungewöhnliche Beobachtungen an der Dreisam gemacht?
  • Wer kann sachdienliche Angaben zur Herkunft oder zu einem möglichen Eigentümer des lilafarbenen Damenrads machen?
  • Wem sind an ihm bekannten Personen im Nachgang zur Tat ungewöhnliche Kratzer aufgefallen?
  • Die Polizei bittet Zeugen, sich unter 0761-882 5777 bei der Kriminalpolizei zu melden.

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