Ermittlung gegen prügelnden Demo-Polizisten

David Weigend

Ein Polizist wird verdächtigt, beim linksautonomen Aufmarsch am vergangenen Freitag einen Demonstranten mehrmals grundlos ins Gesicht geschlagen zu haben. Die Freiburger Polizei ermittelt, Polizeisprecher Ulrich Brecht bezieht im folgenden Stellung.



Anlass der Ermittlung ist eine während der Demonstration entstandene "Situation, die uns überhaupt nicht gefällt", so Polizeipressesprecher Brecht gegenüber fudder. Intern werte man derzeit eigene Aufnahmen aus sowie die Aussagen der beteiligten Einsatzkräfte. Auch das Fotomaterial von Radio Dreyeckland und indymedia (Bild oben) wolle die Polizei sichten und verwerten.


Die indymedia-Fotos sind einem Videofilm entnommen und zeigen -über die Eindeutigkeit lässt sich bis dato streiten-, wie ein Polizist einen Demonstranten in der Bertoldstraße mehrmals ins Gesicht schlägt. "Ein Umstand, bei dem ein Demonstrant äußerst unsanft behandelt wurde", nennt es Brecht.

"Für uns ist dieser Einsatz, ohne diese Situation, von der die Einsatzleitung erst aus der BZ erfahren hat, recht ordentlich gelaufen, ohne nennenswerte Vorkommnisse", so Brecht. Er räumt ein: "Was da im Nachhinein rauskam, gefällt uns nicht." Gegen den oder die unsanften Behandler laufen die Ermittlungen. Sie zeigen, dass es keine Freiburger Einsatzkräfte waren.

Ein Kommentator auf indymedia mutmaßte heute: "Der blonde Schönling ist bereits während dem DIY Ende Juli bei Übergriffen aufgefallen und gehört wahrscheinlich der Bereitschaftbullerei Böblingen an."

Ein weiteres, auf indymedia erschienenes Video zeigt eine Szene, in der Polizisten einen Punk im Vorfeld der Freitagsdemo kontrollieren. Die Polizisten fordern den Punk auf, den Inhalt seines Rucksacks zu entleeren. Ein Polizist tituliert den Punk in diesem Zusammenhang als "Tier".



Brecht sagt dazu: "Wenn beleidigender Inhalt rüberkam und nicht eine Beleidigung auf der Stelle erwidert wurde, was von uns grundsätzlich nicht gemacht werden sollte, dann wird das geahndet. Die Untersuchungen laufen. Derjenige wird gegebenenfalls dafür geradestehen müssen. Es gäbe ein Strafverfahren, eine Anzeige an die Staatsanwaltschaft. Die könnte dann eine Disziplinarermittlung einleiten."

Unabhängig davon kündigt die Antifa Freiburg auf ihrer Homepage für Samstag weitere Aktionen in der Innenstadt an: "Für alle Weihnachtsmuffel und natürlich die liebe Polizei gibt es am Samstag, den 23. Dezember, um 13 Uhr Aktionen gegen die jüngste Repression. Das Motto diesmal: „Bargeldlos und einfach: Proletarisch einkaufen!“

Der Begriff "proletarisch einkaufen" stammt aus Italien, wo autonome Jugendliche in den 70er und 80er Jahren durch Mailand und Rom zogen, Schaufenster einschlugen und Geschäfte plünderten. Es ist schwer einzuschätzen, ob solch eine Drohung in Freiburg wirklich ernst zu nehmen ist. Nicht auszuschließen ist, dass es sich bei dem Aufruf um einen Bluff der linken Szene handelt und die Polizei am Samstag vergeblich auf gewaltbereites Klientel  in der Innenstadt wartet - so geschehen zum Beispiel im Dezember 2005.

Mehr dazu:

Was: Polizeisprecher Ulrich Brecht im Interview über die Demo
Wann: Freitag, 22. Dezember, 9.20 Uhr
Wo: Radio Dreyeckland, 102,3 Mhz