fudder-Interview

Ermir Blum aus Umkirch wird Dritter bei der Mr.-Gay-Germany-Wahl

Anika Maldacker

Er wollte Mr. Gay Germany werden und mit seiner Kampagne anderen Mut für’s Coming-Out machen: Ermir Blum. Am Ende wurde er Drittplatzierter. Seine Kampagne ist trotzdem nicht gestorben.

Ermir, du bist Dritter bei der Mr.-Gay-Germany-Wahl geworden. Bist du zufrieden?

Ich bin einerseits froh, dass ich bei so vielen Bewerbern den dritten Platz gemacht habe. Andererseits bin ich nicht so zufrieden. Wenn man das Gefühl hat, was Gutes zu tun, wie ich mit meiner Kampagne, dann will man dafür auch so viel wie möglich erreichen. Ich will mit meiner Kampagne anderen Mut machen, zu sich selbst und zur eigenen Sexualität zu stehen. Aber natürlich gönne ich dem Erstplatzierten (Marcel Danner aus Berlin, Anmerkung der Redaktion) seinen Sieg.

Wie war das Finale am Samstag in Köln?

Wir mussten Interviews geben und die Show proben. Das Finale fand auf der Heavenue, dem Gay Christmas Market in Köln, statt. Der ganze Platz war voller Publikum und viele haben mir zugejubelt und mich beklatscht. Das fand ich schön und das hat mir ein gutes Gefühl gegeben. Von meiner leiblichen und meiner Adoptiv-Familie war niemand da. Das war schade, aber ich dachte, dass ich auch stolz auf mich sein könnte, weil ich so viel allein geschafft habe. Wir mussten verschiedene Looks präsentieren. Ich war super nervös, als die Entscheidung anstand. Aber ich habe mich über den dritten Platz auch gefreut. Danach gab es eine After-Show-Party. Dort habe ich bis fünf Uhr gefeiert.

Wie hat dich die Teilnahme bei der Wahl beeinflusst?

Es war eine sehr gute Entscheidung. Ich habe mehr Selbstbewusstsein erlangt, neue Freunde in der Community gefunden und bin über mich hinaus gewachsen. Mich haben auf Instagram auch einige Leute angeschrieben, weil sie meinen Rat beispielsweise für das Coming-Out wollten. Das hat mich bestärkt.

Wie geht es mit deiner Kampagne #TheFamilysBlackSheep jetzt weiter?

Mein Arbeitgeber, die Commerzbank, will mich bei meiner Kampagne unterstützen. Als ich einem Kollegen von Mr. Gay Germany erzählt habe, war der gleich begeistert. Im Konzern gibt es ein breites LGBT-Mitarbeiternetzwerk. Zusammen mit zwei Experten für Marketing und Kundenkommunikation habe ich meine Kampagne überarbeitet und sie in #pinksheep umgetauft, weil wir der Meinung waren, dass sich Black Sheep zu negativ anhört. Nun will ich weitere Unterstützer finden und meine Geschichte in einem Video erzählen. Ich hoffe, dass sich die Geschichte dann mit dem Hashtah #pinksheep im Netz verbreitet und anderen Mut macht. Ich will von meinem Coming-Out berichten und davon, wie sich das Leben als schwuler Mann anfühlt.
Ermir Blum, 23, ist in Umkirch aufgewachsen und lebt nun in Frankfurt.



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