Erfahrener Jungspund: Julien Bender, 28, neuer Kreisvorstand der SPD Freiburg

Christina Fortwängler

Seit zwei Wochen ist der 28-jährige Julien Bender neuer Kreisvorstand der Freiburger SPD - der jüngste seit Gernot Erler Ende der 70er Jahre. fudder-Autorin Christina Fortwängler stellt ihn uns vor:



Die Sonne scheint durch die großen Fenster des SPD Regionalzentrums in der Merzhauserstraße, die hier im sechsten Stock den Blick über weite Teile Freiburgs freigeben. Julien Bender sitzt an seinem Schreibtisch und kümmert sich gerade um die Facebook-Seite des Freiburger Bundestagsabgeordneten Gernot Erler. Er ist erleichtert, dass er vor zwei Tagen, am Dienstag, seine mündliche Examensprüfung in Geschichte hinter sich gebracht hat. Es ist gut gelaufen, und jetzt kann er ganz ohne Unistress einer neuen politischen Tätigkeit nachgehen. Denn: Julien wurde am 12. Oktober 2013 zum Kreisvorstand der SPD Freiburg gewählt – und ist gerade mal 28 Jahre alt.


Dass Freiburg einen so jungen SPD-Kreisvorstand hatte, ist schon eine Weile her. Zuletzt in den späten 70ern, als Gernot Erler bereits in jungen Jahren in das Amt gewählt wurde. Die halbe Stelle hier im Bürgerbüro des Bundestagsabgeordneten, bei der Julien hauptsächlich für den Social-Media-Bereich und die Pflege der Korrespondenzen zuständig ist, lässt sich mit dem zeitintensiven Ehrenamt als Kreisvorstand gut vereinbaren. Zumindest so lange ersteres noch 19,5 Stunden pro Woche in Anspruch nimmt, was sich jetzt nach seinem Studium wahrscheinlich ändern wird.

Bei allen politischen Schnittmengen, wichtig sei eine Trennung der beiden Tätigkeiten. „Das eine ist mein Beruf, da habe ich eine andere Rolle und einen Chef, mit dem ich arbeite“, sagt Julien. „Als Kreisvorsitzender habe ich die Aufgabe, die Partei nach vorne zu bringen, zu organisieren und auch mal den Abgeordneten zu sagen, was wir von ihrem Handeln halten“. Das zu trennen, gelinge aber ganz gut.

Der 28-Jährige ist längst ein erfahrener Politiker

Gerade am Ende seines Lehramtsstudiums in Politikwissenschaft, Geschichte und Deutsch angelangt, hat sich Julien lange überlegt, ob er für das Amt des Kreisvorstands kandidieren soll. „Aber nachdem klar war, dass ich hier in Freiburg meine berufliche Perspektive für die nächsten Jahre habe, war es eine Herausforderung“, sagt er.

In der SPD ist der 28-jährige längst ein erfahrener Politiker, war vier Jahre lang Kreisvorsitzender der Jusos, in der Landeskoordinierung der Juso-Hochschulgruppen tätig und darüber auch im Landesvorstand der SPD kooptiert, für die Pressearbeit der Freiburger SPD zuständig und im Kreisvorstand ein Delegierter für den Bundesparteitag. Auch in den Wahlkämpfen ist Julien bisher stark involviert gewesen. Aktuell ist er außerdem Mitglied im Landesvorstand der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Bildung.

Für das Amt des Kreisvorstands müsse man verschiedene Dinge mitbringen, im zwischenmenschlichen Bereich, aber auch was politisches Interesse und Erfahrung in der Partei angeht, sagt Julien. „Sowohl in die Landespartei hinein, weil ein Kreisvorsitzender auch immer dahingehend eine Vermittlungsfunktion hat, als auch in die Kommunal- und Bundespolitik“. Da sei er lange Jahre auf ganz verschiedenen Ebenen aktiv gewesen und weiterhin aktiv – daher das Selbstvertrauen, sich schon früh in das Amt zu wagen.

Vor allem die Bereiche Bildungspolitik und bezahlbarer Wohnraum sind Julien in Freiburg wichtig. Dazu gehöre das Herausstellen von Anknüpfungspunkten der Politik in andere gesellschaftliche Bereiche, um dann „die Leute dort abzuholen, wo sie sind, zu sensibilisieren für politische Themen und dafür, Dinge verändern zu wollen“. Das gelte insbesondere auch für den Bereich Jugendbeteiligung, was mit Blick auf die Kommunalwahl 2014, wo erstmals schon 16-Jährige wählen dürfen, noch größere Bedeutung habe.

"Es kann nicht sein, dass man um 3 Uhr nicht schlafen kann."

Auch den Bereich Lärmentwicklung in der Innenstadt findet Julien ein wichtiges Thema. Der erste Punkt sei hier, dass man sich mit den Menschen zusammensetze. „Es wird nur gemeinsame und nie eine ideale Lösung geben“, sagt er. „Weder wollen wir eine Innenstadt haben, die um 10 Uhr komplett ruhig ist, noch kann es sein, dass man unter der Woche um 3 Uhr nicht schlafen kann.“ Einen Ansatz sieht Julien unter anderem in einer höheren Frequentierung der Nachtverkehrsmittel, um das Problem nächtlicher Stoßzeiten und lärmender Menschenansammlungen zu mindern.

Schon 2004 ist Julien in die SPD eingetreten, politisch tätig war er bereits in seiner Heimatstadt Esslingen. Damals noch als Vorsitzender der Juso-Arbeitsgemeinschaft. Politik hat für ihn seither etwas mit Mitgestaltung zu tun: „Ich rege mich unheimlich gerne über Missstände auf, oder wenn mir was nicht passt, und dann gibt’s nur eine Möglichkeit: Man nimmt’s selbst in die Hand und versucht, was zu verändern.“ Ausschlaggebend für die Wahl der SPD war dann der Punkt, Sozialpolitik zu machen. „Es war mir immer wichtig, Leuten eine Chance zu geben, für sie zu kämpfen, sich weiterzuentwickeln. Darauf liegt bei der SPD der Schwerpunkt.“



Auf Bundesebene werden aktuell wichtige Entscheidungen für die Zukunft der Partei getroffen. Die Sondierungsgespräche nach der Bundestagswahl 2013 dauern an, aller Wahrscheinlichkeit nach wird es jedoch eine Große Koalition aus Union und SPD werden. Julien bereitet diese Vorstellung Bauchschmerzen. Das hat auch mit dem starken Übergewicht der Koalitionsparteien und der damit sehr kleinen Opposition zu tun. „Da werden viele Schutzfunktionen ausgehebelt. Das heißt nicht, dass die missbraucht werden, aber aus politiktheoretischer Sicht halte ich diesen Punkt für sehr problematisch.“

Auch von der thematischen Warte aus sieht Julien Einigungsschwierigkeiten mit der CDU. Gerade was die Bereiche Gleichstellungspolitik, Regulierung von Waffenexporten und Flüchtlingspolitik angeht. „Man muss Kompromisse eingehen, wenn man eine große Koalition will, und es gibt Kompromisse, die ich nicht bereit bin, einzugehen.“ Das sei die Schnittmenge mit der CDU einfach sehr klein.

Kernforderungen der SPD wie Mindestlohn oder eine Steuererhöhung zur Finanzierung von mehr Bildung und Abbau der Schulden müssten berücksichtigt werden, da sei man sich auch in Freiburg einig. „Wenn die Inhalte nicht stimmen, wenn wir das Gefühl haben, wir können sie nicht umsetzen, dann gibt es für uns immer noch die Option, nein zu sagen. Mit dem Risiko Neuwahlen zu machen“, sagt Julien.

Angeln - um zur Ruhe zu kommen

Einige Stunden ist Julien jeden Tag im Bürgerbüro, seine politische Arbeit läuft meistens an den Abenden und am Wochenende. Zeitintensiv ist das sehr. Manchmal sei es deshalb schwierig, alles unter einen Hut zu bekommen, und am Wochenende auch mal Platz zum Feierngehen, für Freunde oder Hobbys zu haben. Finde er mal die Zeit, gehe er gern Snowboarden, und auch mal Angeln – um zur Ruhe zu kommen. Trotz allem Zeitaufwand: Julien brennt für seine Arbeit und sollten sich weitere Möglichkeiten in der Politik ergeben, mache er gerne weiter.

Was seine Zukunft angeht, möchte er sich jedoch nicht verbissen auf eine Zielsetzung im Politikbetrieb festlegen. „Wenn man nur damit Politik macht, wird man sehr einseitig und abhängig von allem. Man braucht das zweite Standbein, deshalb habe ich Lehramt studiert, weil es mir Spaß macht.“ Das hat für Julien auch etwas mit Charakter zu tun. „Das heißt nicht, dass man unheimlich lange in einem anderen Beruf gearbeitet haben muss. Man kann auch in der Politik einen Charakter entwickeln, aber da eine gewisse Selbstständigkeit zu bewahren ist wichtig.“

Zur Person

Julien Bender, 28, ist seit dem 12. Oktober 2013 Kreisvorstand der SPD Freiburg und löste damit Walter Krögner ab. Er befindet sich in den letzten Zügen seines Lehramtsstudiums in Politikwissenschaft, Geschichte und Deutsch und arbeitet momentan im Umfang einer halben Stelle für Gernot Erler in dessen Bürgerbüro. Er ist außerdem Mitglied im Landesvorstand der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Bildung und engagiert sich in mehreren Ehrenämtern, unter anderem für das Artik und den Förderverein Kinder- und Jugendzentrum Weingarten.

Mehr dazu:

  • fudder: OB-Wahlkampfhelfer (1): Julien Bender
    (April 2010)
  • fudder: http://fudder.de titel="">Lächeln und Schweigen: Auf Kneipentour mit Frank-Walter Steinmeier (2013)