Entscheidend ist, was hinten rauskommt

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, wie vielseitig Meerschweinchen sind? Die wuscheligen süßen Pflanzenfresser nehmen bis zu 80 kleine Mahlzeiten pro Tag zu sich, was der Haustierbesitzer auch meistens beobachten kann. Und diese ganze Biomasse muss natürlich auch wieder raus. Wer wissen will, wie sich dieser Input-Output-Vorgang bei dem potenziellen peruanischen Nationalgericht in einen Kreislauf verwandelt, sollte einfach

Die normalen trockenen schwarzen Kotwürstchen des Meerschweinchens kennt eigentlich jeder. Darin sind, wie sich das für Ausscheidungen gehört, keine verwertbaren Nährstoffe mehr enthalten.


Doch in seiner Ruhephase scheidet der Wutz hellere, schleimüberzogene Kotkügelchen aus, die er sofort vom Anus weg wieder auffrisst. Vom Beobachterposten aus scheint es so, als ob sich das kleine Tierchen nur die Hinterseite putzt. In Wirklichkeit nimmt das Meerschweinchen den sehr bakterien- und nährstoffreichen Blinddarmkot wieder zu sich, der circa 30 Prozent der Gesamtkotmenge ausmacht.

Der Sinn dieses auch Caecotrophie genannten Kotfressens ist die bessere Verwertung der pflanzlichen, zellulosehaltigen Nahrung. Wie für andere kleinere Säugetiere auch ersetzt dieses Verhalten das Wiederkäuen. In den kleinen Bällchen, die im Blinddarm gebildet werden, befinden sich viele Proteine, Vitamine, Fette und Kohlehydrate, die mit Hilfe von Bakterien über die Milchsäuregärung erst aus der grünen Nahrung herausgelöst wurden.

Durch die Wiederaufnahme dieses "Meerschweinchen-Raffaellos" kann der Wuschel die vielen Nährstoffe verwerten und gleichzeitig die so wichtigen Bakterien wieder zu sich nehmen. Tiere, die an diesem Verhalten gehindert wurden, verloren deutlich an Lebenserwartung.