EM 2008: Meine dreizehn Minuten als Pixman

Felix Herkenrath

Vergangenen Samstag startete in Basel die Fußball Europameisterschaft mit der Partie der Schweiz gegen Tschechien. Zuvor gab es eine 13-minütige Eröffnungsfeier, bei der die Pixmen tanzten. In einem der rot-weißen Bausche-Kostüme steckte fudder-Mitarbeiter Felix.



Prolog

Knapp zwei Monate ist es jetzt schon her, da habe ich auf fudder gelesen, dass freiwillige Helfer für die Eröffnungsfeier der EM gesuchtwurden. Umgehend landete meine Bewerbung beim Badischen Turnerbund. Keine 20 Minuten nach meiner Online-Bewerbung gab es Gewissheit: Ich bin dabei.

Bis es dann aber mal mit den Proben losging, belagerte die Uefa aber erstmal ordentlich mein E-mail Postfach: Familienstand, Beruf und Ausweisnummer musste ich preisgeben, um dabei zu sein.

Um die Anreise nach Basel kümmerte sich der Badische Turnerbund mit extra gemieteten Bussen, mit denen man als Teilnehmer kostenlos nach Basel und zurück fahren konnte. Geld bekamen für die investierte Zeit zwar keins, dafür winkten 13 Minuten Ruhm und Ehre vor internationalem Publikum.

Proben für den Ernstfall

Treffpunkt war die Eishalle des EHC Basel. Gegen halb 11 betraten wir das Innere, nun wurde es langsam ernst. Gespannt saß ich mit einigen Freiburger Mitstreitern in einem Meer von attraktiven Schweizerinnen. Mit dabei war auch unsere Trainerin, eine Art weibliche Ausgabe von Popstars Dance Coach Detlef D. Soost. Durchtrainierter Körper und kräftige Stimme waren ihre Markenzeichen. In einer Präsentation bekamen wir dann auch das erste Mal unsere Arbeitsgeräte für die kommenden Wochen zu Gesicht: sechsfarbige, einen Kubikmeter große Würfel, mit denen wir später Schweizer Landschaften auf den Rasen zaubern sollten. Geübt wurden die Koordination auf dem Rasen, die genauen Laufwege und das kontrollierte Händeln der "Cubes".

Die Proben dauerten übrigens keineswegs Monate, wie es ZDF Kommentator Béla Réthy und der Bericht der Tagesschau am Samstag verkündeten. Insgesamt trafen wir uns an neun verschiedenen Tagen, um die komplette Choreographie zu üben.





Was zur Hölle ist eigentlich ein Pixman?

Immer wieder fiel am ersten Probenwochenende der Begriff Pixman, und von Wochenende zu Wochenende wurde klarer, was damit gemeint war. Alle Teilnehmer stellten mit ihrem Würfel einen Pixel im großen Gesamtbild dar.

Zum kompletten Outfit von uns Pixmen gehörte dann noch ein rot-weißer aufblasbarer Anzug, der selbst den schmalsten Zeitgenossen in ein Michelin Männchen verwandelte. Er wurde mittels eines kleinen integrierten Ventilators am Hintern aufgeblasen und sollte dafür sorgen, dass wir alle möglichst dick, geschlechtsneutral und gleich wirkten.






Der große Tag

Das Eröffnungsspiel begann zwar erst um 18 Uhr, für alle Freiburger startete der Tag allerdings schon um 9:30 Uhr mit der Abfahrt des Busses am Hauptbahnhof. Gegen elf Uhr trafen wir dann in Basel ein. Bis wir beim vereinbarten Treffpunkt neben dem Stadion waren, verging allerdings noch ein Weilchen. Erst mussten wir auf die Polizeieskorte warten. Wir durften uns wichtig fühlen.

In den Katakomben des Stadions fand jeder Pixman anhand einer Nummer seinen Würfel für die Show. Nun war bei allen Beteiligten das Adrenalin und die Anspannung langsam zu merken. Der Sicherheitsdienst schrie sofort, wenn wir nicht so hörten, wie es ihm gefiel.

Aber auch die Pixmen begannen sich immer mehr auf das bevorstehende Ereignis einzustimmen. An unserem Warteplatz musste jedes VIP-Auto vorbei und egal ob es der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy, Fifa Präsident Blatter oder Günther Netzer war, jeder wurde mit einer Laola  oder stürmischen Applaus begrüßt.



Nun ging es in immer größeren Schritten auf die Show zu, und so kurz vor unserem großen Auftritt wurden auch die vermeintlich coolsten Pixmen nervös. Zigaretten im Minutentakt, Konzentration, angespanntes Schweigen. Um Punkt 17:39 Uhr war es endlich soweit: 650 Pixelmännchen setzten sich in Bewegung und bahnten sich mit ihren Würfeln den Weg aufs Spielfeld.

Schon beim Einlauf formierten wir uns zum ersten Bild, dem Bodensee. Um ihn fürs zweite Bild in eine Wiese zu verwandeln, wurden einfach die Würfel von der blauen auf die grüne Seite gedreht - eine Aktion, die in den Proben allein schon für reichlich Verwirrung bei manchen Pixmen gesorgt hatte. Am schwierigsten war die Bildung von Tanzflächen: Hierfür mussten wir jeweils in eine uns zugewiesene 25er Gruppe, die im Gleichtakt die Würfel zum Walzer wiegen musste. Nach allgemeiner Orientierungslosigkeit bei den Proben klappte diese Formation überhaupt zum ersten Mal.

Zum großen Finale positionierten wir uns alle zum Logo der Europameisterschaft. Der Abgang verlief geordnet, kleinere Stürze und Tumulte blieben von der Kamera unbeobachtet. Viel zu schnell waren meine 13 Minuten im Rampenlicht vergangen.

Immerhin: Die Anzüge durften wir behalten.





Mehr dazu:

Web: Die Eröffnungsfeier als Video in der ZDF Mediathek