Elitärer Ersti-Nachmittag

Philipp Aubreville

fudder-Mitarbeiter Philip steht Freitag Mittag vor der Mensa, als sein Handy klingelt. Sein Vater ist dran, und er hat gute Neuigkeiten: Aus Philips letzten Tag seiner Bachelor-Einführungswoche wird der erste Tag als Elite-Student.



Mir der unglaublichen Chance bewusst, die mir diese Tatsache als Erstsemester bietet, wanke ich wie in Trance ins Kollegiengebäude II. Dort findet der Markt der Möglichkeiten statt, eine Veranstaltung, die alle zugezogenen Erstsemester schon einmal auf die Pro-Kopf-Quadratdezimeter-Größe der hiesigen Kellerclubs vorbereitet.


Doch auch wenn ich mich fühle wie in einer Straßenbahn zum SC-Spiel – was auf diesem Basar geboten wird, ist teilweise recht spannend.

Vom u-asta bis zur Deutschen Bank sind diverse Gruppen und Unternehmen vertreten, die die Mitnahme ihrer Geschenkartikel aus der Welt des Büro- und Süßwarenbedarfs meist an Informationen koppeln. Da das Interesse an Bonbons jedoch nicht mit dem Interesse an einer Chor-Mitgliedschaft gleichzusetzen ist, kann ich immer wieder Versuche beobachten, sich lediglich erstere Anzueignen. Komme mir vor wie in der Privatvideothek eines Kaufhausdetektivs.



Ähnlich konspirativ fühlt sich vermutlich ein Mitglied des RCDS, als es sich beim Stand der Linkspartei mit Broschüren eindeckt. Die „mal neuen Argumente“, die zu lesen dem Jungkonservativen von den beiden Standbetreuern nahegelegt wird, gibt’s – je nach Perspektive – zu Hauf: Die Grünen verteilen Keks-Atomkraftwerke (siehe oben) und Flyer an jeden, der bei ihrem Dosenwurf-Spiel mitmacht. Auch die JUSOS und Jungliberalen sind mit Ständen vertreten.

Mögen deren Mutterparteien sich in ihren Debatten gegenseitig Realitätsferne vorwerfen – einer der in jedem Fall darunter leidet, ist ein Mitarbeiter der Dresdener Bank.

Zwar stellt sein Angebot, mir und meiner Mitbewohnerin fünf Euro zu zahlen, wenn wir beide ein Konto bei seinem Arbeitgeber einrichten, einen enormen Fortschritt gegenüber der Tüte Gummibärchen da, die mir selbiges Kreditinstitut dafür kürzlich in der Innenstadt in Aussicht stellte. Aber die Behauptung, von diesen fünf Euro könnten wir „zusammen essen, danach einen Sekt trinken und schließlich feiern gehen“ hat doch etwas von sicheren Renten.



Nach allerhand weiteren, teilweise auch weit vielversprechenderen Gesprächen und jeder Menge Kugelschreibern, Flyern und Schoko-Proben, endet die Veranstaltung schließlich für mich. Meine Eltern, die über 600 Kilometer entfernt wohnen, habe ich für diesen Erstsemester-Tag genauso wenig wie mich selbst angemeldet – der Begrüßung durch den Rektor kann ich also nicht mehr beiwohnen.

Stattdessen gehe ich ins Kollegiengebäude IV um festzustellen, dass mein Erstwunsch bei der Seminarwahl berücksichtigt wurde. Am Montag gehts dann endlich los – mit Spätantike und Konstantinischer Wende.