Eisbahn am Karlsbau auf der Kippe

Frank Zimmermann

Ob es im Dezember wieder Schlittschuhlaufen in der Innenstadt geben wird, ist fraglich. Die Agentur Endless Event möchte die Eisbahn sechs Wochen lang betreiben. Die Stadt sperrt sich.



Hinter den Kulissen rumort es: Endless Event will die Eisbahn nach den Erfahrungen des vergangenen Jahres nur betreiben, wenn die Fläche größer und die Betriebszeit länger sein darf. Die Stadtverwaltung aber kann sich fürs Eislaufen nicht erwärmen und will die Betriebserlaubnis nicht von vier auf sechs Wochen verlängern; gegen eine Vergrößerung der Eisfläche am Karlsplatz hat sie hingegen nichts einzuwenden. Eine endgültige Entscheidung steht noch aus.


Bei der Premiere der Eisbahn im vergangenen Winter wurde schnell deutlich: Die Fläche ist zu klein. Endless Event will die Fläche von 225 auf rund 370 Quadratmeter vergrößern. Das würde die Stadt auch genehmigen. Eine Verlängerung von vier auf sechs Wochen ist für Endless Event Voraussetzung, um die Bahn bei Gesamtkosten von 50.000 Euro wirtschaftlich zu betreiben. Die Verwaltung will dem nicht zustimmen – weder einer Verlängerung in die Weihnachtsferien hinein noch einem früheren Start Mitte November.

"Die Betriebszeit der Eisbahn ist gekoppelt an die Dauer des Weihnachtsmarktes", erklärt Rathaussprecherin Petra Zinthäfner. Für Bernd Dallmann, Chef der Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH, ist die Eisbahn fester Bestandteil des dezentralen Weihnachtsmarktkonzepts. Und Zinthäfner sagt: "Wenn man das bei einem verlängert, wollen andere das auch." Damit meint sie viele Standbetreiber, die sich einen längeren Weihnachtsmarkt zeitlich wünschen.

Schützenhilfe bei der Laufzeitverlängerung erhält der Eisbahnbetreiber von der Fraktion Junges Freiburg/Die Grünen. Allerdings nur, wenn Endless Event sich für eine umweltfreundliche Kunststoffbahn entscheidet, für die weder Eis noch Strom gebraucht wird. Obwohl die Kosten um geschätzte 30 Prozent niedriger wären, will Endless Event lieber eine Bahn aus Eis: "Das ist ein ganz anderes Fahrgefühl", findet Geschäftsführer Bela Gurath. "Zudem reden wir nicht von Unmengen von Strom. Dann müsste der Weihnachtsmarkt zwei Drittel seiner Beleuchtung abstellen." Endless Event kalkuliert die Stromkosten trotz größerer Fläche wie im vergangenen Jahr mit 2300 Euro, da es dieses Mal zwei Essensstände weniger geben soll.

Weitere Gründe für die ablehnende Haltung der Verwaltung: Die eigene, soeben für 2,6 Millionen Euro sanierte Eissporthalle soll nicht durch Konkurrenz zu sehr beeinträchtigt werden. Und es müsse auf die Anwohner Rücksicht genommen werden, die man nicht dem mit dem Betrieb der Bahn verbundenen Lärm aussetzen wolle. Kurzum: Die Stadt hält den Standort für ungeeignet.

Geschäftsführer Gurath kann diese Argumente nicht nachvollziehen. Die Stadt könne nicht die Eissporthalle protegieren, schließlich gelte Wettbewerbsfreiheit. Kurios ist: Der EHC Freiburg selbst, verantwortlich für den Publikumslauf in der Franz-Siegel-Halle, hat keine Bedenken gegen die Open-Air-Eisbahn, wie Pressesprecher Werner Karlin bestätigt. In der Saison 2008/2009 verzeichnete der EHC bei 24 000 Eisläufern zwar einen Einnahmenrückgang von 3000 Euro gegenüber dem Vorjahr. Der aber sei darauf zurückzuführen, dass die Saison frühzeitig beendet wurde. Sowohl Karlin als auch Gurath glauben, dass eine Eisbahn in der City Werbung fürs Pirouettendrehen in der Halle sein könnte.

Eine einzige Anwohnerbeschwerde ging vergangenen Winter im Rathaus ein. Gurath schwört, dass die laute Musik – dafür habe er Zeugen – in jenem Fall von einem der Reisebusse am Karlsplatz und nicht von der Eisbahn gekommen sei. Ohnehin hatte Endless Event schon im Vorfeld ein Lärmgutachten erstellen lassen. Das Ergebnis: Der Lautstärkepegel der bis 22 Uhr geöffneten Bahn ist deutlich unter dem Grenzwert; der liegt rund um den Karlsplatz werktags von 8 bis 20 Uhr bei 60 Dezibel, von 20 bis 22 Uhr bei 55 und nachts bei 45 Dezibel. Daneben legte der Eisbahnbetreiber ein Rechtsgutachten vor.

Die Verwaltung lässt nun die zeitliche Begrenzung des Bahnbetriebs rechtlich prüfen. Die Bahn steht zwar auf privatem Gelände, aber auf einer dem öffentlichen Gebrauch zustehenden Fläche, weshalb eine Sondernutzungsgenehmigung erforderlich ist; außerdem müssen die Behörden den Verkauf von Essen und Trinken genehmigen. Guraths Fazit: "Wenn die Rahmenbedingungen tatsächlich so eng gesetzt werden, kann man keine Eisbahn in Freiburg machen."

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[Foto: Benedikt Glockner; Dieser Text erschien heute ebenfalls in der Freiburger Ausgabe der Badischen Zeitung.]