Amtsgericht

Einem Freiburger Polizisten wird Kokainhandel vorgeworfen

Stefan Mertlik

Mit einem Komplizen aus dem Rocker-Milieu soll der Polizist versucht haben, Testosteron zu vertreiben. Am zweiten Verhandlungstag kam noch der Vorwurf des versuchten Verkaufs von Kokain hinzu.

Das Amtsgericht verhandelt derzeit gegen einen Freiburger Polizisten, dem Handel mit Dopingmitteln, Strafvereitelung im Amt, Vorteilsnahme, Diebstahl von Polizeieigentum und Verstöße gegen das Landesdatenschutzgesetz in 190 Fällen vorgeworfen wird. Am zweiten Verhandlungstag kam nun noch der Vorwurf des versuchten Verkaufs von Kokain hinzu.


Im Mittelpunkt dieses Prozesstags standen die Aussagen verschiedener Zeugen, unter ihnen auch die Hauptkommissarin, die die Ermittlungen geführt hat. Sie berichtete in einer mehrstündigen Zeugenvernehmung von den Ermittlungen gegen den Angeklagten.

Gemeinsam mit einem Komplizen aus dem Rocker-Milieu soll er versucht haben, Testosteron gewerbsmäßig zu vertreiben. Hierfür soll der Angeklagte die finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt und mögliche Abnehmer kontaktiert haben. Auf den Polizisten, der von Vorgesetzten als fähiger Beamter beschrieben wird, wurden die Ermittler erst durch die Observation des einschlägig bekannten Komplizen aufmerksam.

Dem Gericht lagen Abschriften von Telefonaten vor, die der Angeklagte mit seinem mutmaßlichen Komplizen und anderen mutmaßlichen Mittätern führte. Darin wurde zwar nicht direkt von Dopingmitteln gesprochen, doch die Hauptkommissarin sei sich sicher, dass gefallene Begriffe wie "Weinfläschchen" als Codename für Testosteron dienten. Der Angeklagte, der für die Telefonate mit seinem Komplizen ein separates Mobiltelefon mit Prepaidkarte nutzte, habe sich so im Falle einer möglichen Abhörung schützen wollen.

Bei der Wohnungsdurchsuchung des Angeklagten wurden auch zwei kleine Tütchen mit Kokain sichergestellt. Diese habe der Zeuge, so die Hauptkommissarin vor Gericht, nicht von seinem Komplizen erhalten, sondern schon länger besessen. Den Lieferanten habe er jedoch nicht nennen wollen.

Zeugin wollte nichts für den Angeklagten verkaufen

Eine Zeugin habe gegenüber der Polizei erklärt, dass der Angeklagte versucht habe, die Drogen über sie an Angestellte eines Freiburger Bordells zu vermitteln. Dieser Zeugin soll er zudem mehrmals angeboten haben, als Verkäuferin für sein Testosteron zu fungieren. Wie abgehörte Telefonate belegten, habe sie die Angebote jedoch stets ausgeschlagen.

Am nächsten Verhandlungstag soll eben diese Zeugin vor Gericht vernommen werden. Verteidiger Thomas Häfner bezweifelt bereits im Vorfeld den Wahrheitsgehalt ihrer Aussagen und beantragte ein Glaubwürdigkeitsgutachten – die Zeugin leide unter einer attestierten Borderline-Persönlichkeitsstörung. Richter Andreas Leipold stellte die Entscheidung zurück, da er erst einmal die Vernehmung abwarten möchte. Am 30. Juli geht der Prozess weiter.