Portrait

Eine 21-Jährige ist die erste Waldarbeiterin im Todtnauer Forst

Dirk Sattelberger

Nadja Eichenseer ist die erste Forstwirtin im Todtnauer Stadtwald. Die 21-Jährige Leipzigerin ist für ihren Traumjob extra nach Baden-Württemberg gezogen.

Nadja Eichenseer schwingt die Motorsäge so locker aus dem Kofferraum, dass man kaum glauben mag, dass das Ding fünf Kilo wiegt. Gelernt ist gelernt: Die 21-Jährige hat eine dreijährige Ausbildung zur Forstwirtin im Schwarzwald hinter sich und weiß, wie man die schwere Maschine richtig anpackt. Bei einem Fototermin im Stadtwald macht Nadja Eichenseer trotz des körperlich anstrengenden Berufs einen ausgeglichen Eindruck. "Der Wald ist ein wunderschöner Ort", erzählt sie.


Nadjas Traumberuf: Forstwirtin

Nadja Eichenseer wuchs in Leipzig auf und ist extra nach Freudenstadt gezogen, um ihren Traumberuf zu erlernen. Die Bäume und die Berge haben es ihr angetan. Das merkte sie sehr früh bei mehreren Praktika in ihrer Heimat. Jeden Morgen ins Büro, das wäre nichts für sie. "Meine Familie fand das cool", erzählt sie über die Unterstützung für ihren Berufswunsch. Seit einiger Zeit ist sie nun angestellt bei der Stadt Todtnau. Sie ist nicht nur die erste Frau, die das Rathaus als Waldarbeiterin angestellt hat, sondern die einzige weibliche Forstarbeiterin im ganzen Landkreis Lörrach.

Der körperlich anspruchsvolle Beruf erfüllt sie, lässt sie durchblicken. Nadja Eichenseer freut sich, körperlich aktiv zu sein. "Und am Ende des Tages sehe ich, was ich geschafft habe", sagt sie. Zieht man die würzige Luft in Todtnau tief in seine Lungen ein, versteht man, warum die den Arbeitsplatz in freier Natur so schätzt. Seitdem sie Forstwirtin ist, sei sie nicht mehr krank geworden.

"In den Steillagen ist die Situation immer anders, das finde ich toll." Nadja Eichenseer über ihre tägliche Arbeit
Sobald sie den Helm aufzieht, die großen Ohrenschützer anlegt und ihre Kettensäge startet, wird es ernst. Mehrere PS treiben die scharfe Stahlkette an, mit der auch stramme Buchenstämme sicher ins Wanken kommen. Baum für Baum, Stunde um Stunde geht das so an einem typischen Arbeitstag. Mit ihren Sicherheitsschuhen stemmt sie sich fest auf den feuchten Waldboden, wenn sie die vibrierende Säge schwingt. Langweilig wird es Nadja Eichenseer nicht. "In den Steillagen ist die Situation immer anders, das finde ich toll." Auch die Vielfalt an Bäumen gefällt ihr; in ihrer alten Heimat überwiegen Laubbäume. Rund um Todtnau gibt es dagegen massig Fichten, Tannen und Douglasien.

Zur Arbeit einer Forstwirtin gehören freilich auch das Anbringen von Verbissschutz gegen Wildtiere, Holz sortieren, Gräben herrichten und Jungbäume pflanzen. Das Fällen liegt ihr aber mehr als das Anpflanzen neuer Bäume, antwortet sie auf eine Frage. Kaum hat sie es ausgesprochen, muss sie selber lachen, während sie die Säge auf ihrer Schuhspitze balanciert.

Sie ist eine von elf angestellten Forstwirten bei der Stadt Todtnau. Sie sind gesuchte Arbeitskräfte, berichtet Georg Dutschke vom Personalamt im Todtnauer Rathaus. Denn auf den vielen kleinen und steilen Flächen im Stadtwald – dem viertgrößten im ganzen Land – braucht man die Waldarbeiter, auch weil Vollernter diese Lagen nicht erreichen oder zu teuer sind. Der stundenlange Einsatz im Wald ist freilich Männerdomäne. Für Nadja Eichenseer aber kein Problem. Durch ihr Geschlecht habe sie weder Nachteile noch Vorteile erfahren, erzählt sie. In ihrer Rotte (so nennen sich die Einsatztrupps im Forst) fühlt sie sich respektiert. Man kann sich aufeinander verlassen. Holzernte ist Teamarbeit, auch aus Sicherheitsgründen.

Bei Schnee ruht die Arbeit im Forst

Um körperlich fit zu bleiben, bertreibt sie Yoga und Bogenschießen. Um Gesundheitsschäden durch die Arbeit mit der Motorsäge vorzubeugen, beachtet sie ergonomische Hinweise, wie man sie auch in der Ausbildung lernt. Beim Bücken den Rücken gerade lassen, die ausgeschaltete Motorsäge auf einem ausgestellten Oberschenkel abstützen zum Beispiel.

Nur im Moment sitzt Nadja Eichenseer quasi auf dem Trockenen: Weil in Todtnau teilweise Schnee liegt, ruht die Arbeit im Forst. Erfahrungsgemäß geht es erst Ende März oder im April in den tieferen Lagen weiter. "Ich freue mich schon drauf", sagt sie.