Period.Box

Ein Uni-Projekt will mit kostenlosen Tampons die Luxussteuer auf Hygiene-Produkte abschaffen

Katharina Federl

Auf vielen Unitoiletten in Freiburg gibt es seit kurzem kostenlos Tampons. Aktivistinnen und Aktivsten des Projekts Period.Box wollen damit mehr Aufmerksamkeit auf das Thema Menstruation lenken und die Luxussteuer abschaffen.

Wie Frauenärztin Dorothee Struck in ihrem Buch "Verhüten ohne Hormone" berichtet, menstruiert eine Frau etwa 450 bis 480 Mal in ihrem Leben. Bei etwa 15 bis 20 Tampons pro Zyklus – ungefähr dasselbe kann für Binden angenommen werden – verbraucht eine Frau in ihrem Leben im Durchschnitt über 8000 Tampons. Wenn man normale Marken-Tampons bei dm kauft, muss man mit 3,95 Euro für eine Packung mit 64 Tampons rechnen. Insgesamt gibt eine Frau also rund 500 Euro in ihrem Leben nur für Tampons aus, die sie auch wirklich benutzt – dazu kommen die, die sie verliert, an andere abgibt oder die noch nach ihren Wechseljahren Zuhause rumliegen. Auch sind die Kosten für Schmerzmittel oder Arztbesuche in der Rechnung noch nicht inbegriffen.


Auf Tampons lastet ein höherer Steuersatz als auf Blumen oder Kaviar

Die Kosten für Menstruationsprodukte sind insbesondere deshalb so hoch, weil in Deutschland ein Steuersatz von 19 Prozent auf ihnen lastet. "Der Steuersatz auf Tampons ist damit höher als auf Blumensträuße oder Kaviar", erklärt Marlene Pick, Mitorganisatorin des Freiburger Projektes "Period.Box". Das sei nicht nur unlogisch, sondern auch diskriminierend.

Die Umsatzsteuer oder Mehrwertsteuer von 19 Prozent gilt grundsätzlich für alle Produkte, die auf dem deutschen Markt angeboten werden. Ausgenommen sind Grundnahrungsmittel wie Brot und Milch, Bücher, Hotelübernachtungen, aber eben auch Blumen und Kunstgegenstände, auf die ein ermäßigter Steuersatz von sieben Prozent erhoben wird.

Warum müssen Frauen eine Luxussteuer auf Artikel zahlen, die essentiell sind, um mit der monatlichen Menstruation umgehen zu können? Würde der Steuersatz auf sieben Prozent verringert, könnte eine Frau etwa 50 Cent pro Packung Tampons sparen. Diese Problematik rückt immer weiter in den Fokus, auch in Freiburg. Im Rahmen des Kurses "Social Entrepreneurship" des Studiengangs "Liberal Arts and Sciences" am University College Freiburg (UCF) der Uni Freiburg wurde im vergangenen Jahr das Projekt Period.Box ins Leben gerufen.

"Wenn Toilettenpapier kostenlos ist, dann sollte es auch kostenlose Menstruationsprodukte geben." Marlene Pick
Vier junge Frauen, die zu diesem Zeitpunkt alle frisch aus dem Ausland gekommen sind, haben sich vereint, um gemeinsam gegen die soziale Ungleichheit und Ausgrenzung der Menstruierenden vorzugehen. "Ich war damals im Iran, dort wird beispielsweise gar nicht über Menstruation geredet. Dagegen ist es in Kanada oder den USA ein sehr großes Thema, das viele beschäftigt", erzählt Marlene, die seit 2015 in Freiburg lebt und sich schon vor dem Projekt viel mit Feminismus auseinandergesetzt hat.

Dm hat einen Einkaufswagen voller Tampons gesponsert

Nach Beendigung des Kurses haben die Vier in kurzer Zeit viele verschiedene Leute angeschrieben, unter anderem die Gleichstellungsbeauftragte der UCF und Pro Familia, die deutsche Gesellschaft für Familienplanung, Sexualpädagogik und Sexualberatung. Ihnen haben sie sich mit ihrem Vorhaben anvertraut, Tampons kostenlos auf Toiletten anzubieten. Marlenes Begründung: "Wenn Toilettenpapier kostenlos ist, dann sollte es auch kostenlose Menstruationsprodukte geben." Der deutsche Drogeriekonzern dm habe ihnen sofort einen großen Einkaufswagen voller Tampons gesponsert.

Im Herbst 2018 kam es dann zu mehreren Planungstreffen: Brandschutzfragen mussten geklärt und die Boxen konkret gestaltet werden. Die Vorsitzende des Gebäudedezernats, die für das Gebäudemanagement zuständig ist, sei erst skeptisch, nach dem ersten Gespräch mit den Aktivistinnen jedoch "total euphorisch" gewesen. Schon zu Beginn des Wintersemesters 2018 konnte eine Prototyp-Box im KG I aufgestellt werden. Neben Tampons enthielt diese auch ein Post-it-Block. "Auf dem wurde sehr viel positives Feedback hinterlassen. Das hat uns total gefreut", erinnert sich Marlene.

"Die Beschäftigung mit dem Thema bedeutet gleichzeitig eine Wertschätzung gegenüber dem weiblichen Körper." Johanna Quinten

Viel positives Feedback gibt es auch von Johanna Quinten, Mitarbeiterin des Frauen- und Mädchengesundheitszentrums Freiburg. Seit dreieinhalb Jahren ist sie mitverantwortlich für den Präventionsbereich. Auf einem von ihr geleiteten Infoabend zum Thema Verhütung und Sexualität hat sie einige der Aktivistinnen kennengelernt. Seither unterstützen sie und ihr Team das Projekt ideell: "In den Boxen liegen auch unsere Flyer, damit junge Frauen bei Fragen oder Anliegen direkt einen Kontakt haben", sagt die gelernte Gesundheitspädagogin und Sozialarbeiterin.

Johanna betont, dass Menstruation schon seit Gründung des FMGZ vor 30 Jahren einer der Grundthemen sei: "Die Beschäftigung mit dem Thema bedeutet gleichzeitig eine Wertschätzung gegenüber dem weiblichen Körper", betont sie. In erster Linie fungiere das FMGZ als Beratungsstelle, jedoch bestehe eine der Aufgaben auch darin, sich politisch einzusetzen und solche Projekte wie die Period.Box zu unterstützen. "Ich finde es klasse, dass mit dem Projekt ein größeres Bewusstsein für das Thema geschaffen wird", lobt die 26-Jährige.

In Schottland sind Tampons und Binden bereits kostenlos

Das Projekt will nicht nur ein größeres Bewusstsein schaffen, sondern auch zwei konkrete Forderungen durchsetzen: Zum einen soll das Thema Menstruation sichtbarer und ein wichtiger Teil des Unialltags werden. Marlene kritisiert die derzeitigen Umstände: "In unserem Studium dürfen wir zwei Mal pro Semester fehlen, sonst fallen wir durch. Da kann ich nicht einfach sagen, ich bleibe wegen meiner Periode heute mal Zuhause." Dabei sei es sehr wichtig, über Menstruation reden zu können und seine Schmerzen und Bedürfnisse nicht verstecken zu müssen. Zum anderen fordern die Aktivistinnen mindestens eine Abschaffung der Luxussteuer. Tampons sollen zugänglicher für die werden, die sich keine Menstruationsprodukte leisten können. "Period Poverty" ist ein weltweites Problem, dem Länder wie Schottland bereits entgegengewirkt haben, indem überall kostenlose Tampons und Binden bereitgestellt werden.

Daran will das Projekt sich ein Beispiel nehmen. Seit Juli stehen in rund 20 Boxen auf Toiletten im KG I, KG III, der Alten Universität, im Institutsviertel und an der Uniklinik kostenlos Tampons zur Verfügung, auch bei den Männern, die damit ebenso wie Frauen auf das Thema aufmerksam werden sollen. Mittlerweile besteht das Period.Box-Team nicht mehr nur aus vier Organisatoren, sondern aus einem großen Kollektiv von Studierenden mehrerer Fachschaften. Ausgewählte Vertreter entscheiden, auf welchen Toiletten die Boxen aufgestellt werden und füllen diese immer wieder auf. Für die Zukunft sollen noch weitere Boxen in anderen Fachschaften sowie in Freiburger Cafés aufgestellt werden.
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