Ein Tag an der Dreisam im Supersommer 2015

Alexander Schumacher & Gabriel Ohanowitsch

Wem man alles begegnet und welche kuriose Dinge man erlebt, wenn man einen Tag an der Dreisam verbringt, fanden die zwei fudder-Praktikanten Gabriel Ohanowitsch und Alexander Schumacher heraus. Ein kleiner Bericht über einen sonnigen Tag an Freiburgs Flüssle auf dem Weg von Betzenhausen nach Littenweiler.



Wenn die Sonne brennt und man am Schreibtischstuhl klebt hilft nur noch die Flucht nach draußen. Mit der Kamera unterm Arm sind wir losgezogen, um den Tag an der Dreisam zu verbringen. Die Route: Beginnend in Betzenhausen sind wir die Dreisam flussaufwärts entlanggewandert und wollten einmal sehen, wie sich im Sommer das Leben am Stadtflüssle anfühlt.

9.30 Uhr: Sportler und Pendler

Es ist gerade noch T-Shirt-Wetter, an der Dreisam bei Betzenhausen ist nicht viel los. Am anderen Ufer nutzen ein paar Jogger die Pause von der Hitze der letzten Tage. Frühschwimmer gibt es hier keine, das Wasser ist nicht sehr tief und fließt schneller als an den Stufen flussaufwärts. Das Wasser ist bräunlich, wahrscheinlich wegen der Baustelle an der Kronenbrücke. Auf dem Fahrradweg rauschen Pendler und Rennradfahrer vorbei. Keiner von ihnen sieht aus, als hätten sie Lust anzuhalten, nur ein Reiher posiert für uns im noch leicht feuchten Gras.

10.20 Uhr: Hagen

Weiter flussaufwärts, nicht weit vor der Ochsenbrücke, sitzt einsam Hagen am Flussufer und hält sich an seiner Zigarette fest. Neben ihm sitzen zwei Enten im Gras, doch Hagen beachtet sie nicht, sondern schaut aufs Wasser. Die Dreisam beruhigt ihn: „Ich bin hier, um die Ruhe zu genießen und ein bisschen zu entspannen. In einer halben Stunde habe ich nämlich einen Zahnarzttermin, da bin ich immer ziemlich aufgeregt.“ Normalerweise sei hier um die Uhrzeit schon richtig viel los, erzählt er und deutet auf den trüben Himmel.



10.45 Uhr: Eva

Kurz vor der Kronenbrücken treffen wir Rentnerin Eva, die gut gelaunt am Dreisamuferweg entlangläuft. Sie nutzt den kühlen Morgen, um sich etwas zu bewegen: „Ich hatte in den letzten Tagen sozusagen Hausarrest wegen der Hitze.“ Die Dreisam ist für Eva nur eine Zwischenstation, eigentlich ist sie unterwegs zum Schlossberg, um dort spazieren zu gehen.

12.30 Uhr: Die Hippies

Florian, Philipp, Janis und Paula faulenzen an der Dreisam in der Nähe vom Café Extrablatt und genießen die Sonne. Die vier studieren Umweltnaturwissenschaften, „aber wehe du nennst uns Hippies!“, scherzt Paula. Sie haben gerade eine Klausur überstanden und ruhen sich jetzt erst mal aus. Lange bleibt ihnen dafür aber nicht, denn heute war erst die zweite Klausur von sechs.



14.00 Uhr: Zurück an der Dreisam

Nach einer kurzen Mittagspause holen wir Bier und treffen Dieter, der vor dem Rewe sitzend Texte von „seinen“ schönen Frauen in einem Büchlein sammelt. Zurück an der Dreisam wird das Bier gleich kühl gestellt und wir nehmen neben Bäumen direkt am Wasser Platz. Wir entspannen uns und warten. Wer weiß, was alles passiert.

14.15 Uhr: Wonach riecht es hier?

Der Sonne stellen sich nun kaum Wolken in den Weg, und verfrühte Feierabendstimmung kommt auf. Das Dreisamufer vor dem Café Extrablatt findet immer mehr Entspannungslustige, die lesend oder biertrinkend die Beine ins Wasser baumeln lassen. Dabei lassen sie sich auch nicht vom hartnäckigen Geruch stören, der an eine seit Tagen offene Dose Thunfisch erinnert. Der Geruch kann die Stimmung nicht drücken, denn in die Dreisam kühlt beständig unser Bier und die Sonne färbt den Menschen gesunde Bräune ins Gesicht.

14.30 Uhr : Angriff der Enten

Anfangs ein süßer Anblick. Die Entenfamilie mit den beiden flauschigen Entenkindern schwimmt gemächlich die Dreisam auf und ab. Doch schon bald – vielleicht durch den Fischgeruch irritiert – nehmen die Enten unser vor sich hin kühlendes Bier in Angriff. Ernsthafter Schaden wurde nicht verursacht, witzig waren die bierinteressierten Kinderenten allemal. Das Bier bleibt unbeschadet, weswegen sich eine Fehde mit den Enten als unnötig erweist.

15.15 Uhr: Der Fischebändiger

Plötzlich kommt Darko, und zeigt uns seinen Fisch. Er erzählt, es habe Stunden gedauert, bis er ihn erwischt habe. Anfangs wirkt der glibbrige Wasserbewohner in seiner Hand tot, doch er atmet. Eine kurze Schrecksekunde, als es aussieht, als würde Darko den Fisch auf den nächstbesten Stein schmettern, doch er legt ihn behutsam, beinahe zärtlich ins Wasser. Er habe ihn gezähmt, behauptet er. Skeptisch und verwirrt hören wir zu, als er erklärt, dass er den Fisch über dessen Schleimhäute gefügig gemacht habe. Wir glauben kein Wort, und sind umso erstaunter, als er den Fisch mit ein paar Patschern auf die Wasseroberfläche anlockt, nachdem er einige Meter fortgeschwommen war. Einfach so legt er sich auf Darkos Hand und bleibt dort ruhig liegen, lässt sich sogar aus dem Wasser heben und von Darko knutschen. Immer wieder macht er uns das Kunststück vor, und unsere Zweifel schwinden. „Am liebsten würde ich ihn mitnehmen“ gesteht er. „Für uns ist das hier nur die Dreisam, für die Fische ist das das Paradies. Ihn mitnehmen wäre nicht fair.“ sagt er – und geht erst mal pinkeln.



16.25 Uhr: Der Eisverkäufer

Wir ziehen zum Uferstück hinter der Ganterbrauerei weiter. Mittlerweile ist es ziemlich heiß geworden und unter den Rucksäcken kleben unsere verschwitzen T-Shirts. Hinter der Oberaubrücke halten einige Frauengrüppchen die Füße ins Wasser, Kinder plantschen in den kleinen Staustufen. Zwei Jungs sitzen bis zur Hüfte im Wasser und trinken Bier. Etwas weiter oben hat jemand einen Trichter aus Steinen gelegt, um den Strom zu verengen. Das Wasser fließt hier beachtlich schnell, ein kleiner Junge lässt sich auf einer gelben Luftmatratze treiben und quietscht vor Aufregung und Freude.

Da kommt Nicolas auf uns zu. Er trägt eine tragbare Kühltruhe an einem Schultergurt, hält zwei leere Pappeisbecher in der Hand und hat drei weitere Becher auf den Deckel der Truhe geklebt. So schleppt er sich von Gruppe zu Gruppe und preist sein Produkt, das Booja-Booja-Eis an. Als wir weiterziehen, sehen wir, dass er damit Erfolg hat: Immer wieder sieht man Menschen Nicolas' Eis löffeln. Kein Wunder, denn sein Eis ist vegan – und wir sind hier schließlich in Freiburg.

17.00 Uhr: Auf dem Bänkle

Eigentlich wollten wir ja direkt zur Dreieckswiese bei den Unisportanlagen laufen, aber dafür ist es uns jetzt doch viel zu heiß. Also setzten wir uns auf der Höhe des Awo-Wohnheims auf ein Bänkle am schattigen Uferweg. Hier ist es deutlich ruhiger als weiter unten, es ist fast niemand im Wasser, weil das Ufer steil abfällt. Die Radfahrer fahren hinter uns auf der Fahrradstraße, auf dem Kiesweg sind die meisten Leute Spaziergänger. Doch dann fährt ein Rentnerpaar auf Pedelecs an uns vorbei und der Herr murmelt uns im Vorbeifahren eine Beleidigung zu. Warum, können wir nur ahnen – dass wir am späten Nachmittag ein Radler trinken und auf der Lehne der Bank sitzen statt auf der Sitzfläche, erscheint uns nicht als ausreichender Grund für Beschimpfungen. Wir sind aber gar nicht dazu aufgelegt, uns länger darüber aufzuregen, denn dafür sind wir jetzt zu entspannt. Neben uns hält eine alte Dame mit Rollator an, um auf die Dreisam zu blicken.



17.30 Uhr: Die Dreieckswiese

Jetzt haben wir es doch noch bis zur Dreieckswiese geschafft – wie anstrengend so ein Tag an der Dreisam doch sein kann! Dabei haben wir noch nicht einmal eine Kühltruhe über der Schulter. Die Dreieckswiese selber ist noch nicht sehr bevölkert, ein paar Studenten sonnen sich, ein einzelner Verrückter macht von den Sportgeräten Gebrauch. Dafür ist zwischen den großen Felsquadern im Wasser umso mehr los. Inmitten der Badenden fällt ein gedeckter Tisch in der Dreisam auf. Ein weißes Tischtuch, eine Vase mit Rosen, Trauben, Oliven: Auf den ersten Blick sieht das nach einem Rendezvous in der Dreisam aus. Die junge Lehrerin, die uns ihren Namen nicht nennen will, erzählt uns aber, dass sie auf einen Junggesellinnenabschied wartet. „Bei der Hitze muss man ja irgendwie die Füße ins Wasser halten.“, sagt sie. Da hat sie recht!

Langsam ziehen die Badenden auf die Dreieckswiese um, grillen dort, balancieren auf der Slackline und genießen die Abendstimmung. Wir bleiben noch ein bisschen.

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