Ein Rundgang durch das DDR-Museum

Asmus

Die DDR gibt es schon seit gut 16 Jahren nicht mehr, doch das Interesse an diesem untergegangenem Staat hält unvermittelt an. Bei Ossis wie Wessis gleichermaßen. Dennoch ist es erstaunlich, dass ausgerechnet ein Freiburger im Herzen Berlins das bundesweit erste Museum für DDR-Alltagskultur betreibt (siehe auch unser fudder-Portrait Honeckers Archivar). Asmus hat für uns einen Rundgang gemacht.



Seit dem 15. Juli lädt das DDR-Museum an historischer Stelle neben dem Berliner Dom und dem Palast der Republik dazu ein, Alltägliches und Kurioses aus dem Leben im realexistierenden Sozialismus zu erleben. Auf circa 400 Quadratmeter Ausstellungsfläche bieten unzählige Exponate vom Mottenpulver bis zum Trabbi einen Einblick in das ganz normale Leben in der DDR. Damit wolle man jedoch nicht eine wie auch immer geartete Ostalgie bemühen, oder gar das Leben in der Diktatur schönreden, sagt der Initiator des Museums, Peter Kenzelmann. Für Kritiker, die eine historische Auseinandersetzung mit der DDR, mit dem Mauerbau und der flächendeckenden Bespitzelungen im DDR-Museum vermissen, hat der er wenig Verständnis:



"Wer was über die Mauer wissen möchte, kann ins Mauer-Museum, wer was über die Machenschaften der Stasi erfahren will, kann ins Stasi-Museum gehen. Wir wollen in unserer Ausstellung zeigen, dass es trotz Repressionen einen ganz normalen Alltag gab."



Das Museum ist nach Themenbereichen aufgeteilt und überall in den in Plattenbauoptik gehaltenen Wänden laden Schubladen und Klappen zum Anfassen und Stöbern ein. So kann man mit einer Mischung aus Neugier und Voyeurismus in alten Brigadebüchern blättern und private Fotoalben von Jugendweihen und FKK-Urlauben wälzen. Im Themenbereich Musik kann man sich mit einem altertümlich wirkenden Kopfhörer verschiedene Ostrock-Interpreten anhören.

Vorbei an Winkelementen, Club-Colaflaschen und den Bauteilen eines Robotron-Computers gelangt man in einen Nebenraum, wo ein Plattenbauwohnzimmer mitsamt Küche und Durchreiche nachgebaut wurde.



Die Räumlichkeiten sind mit einer Tapete, über deren ästhetischen Wert sich streiten lässt, tapeziert und bis ins kleinste Detail mit Originalmobiliar ausgestattet. Die Hängeschränke der Küche sind mit Ost-Produkten bestückt, von denen der durchschnittliche Wessi noch nie etwas gehört hat. In der Schrankwand im Wohnzimmer steht ein kleiner Schwarz-Weiß-Fernseher auf welchem abwechselnd Karl-Eduard von Schnitzler über die Boshaftigkeit des West-Fernsehen resümiert und die aktuelle Kamera vom 10. Parteitag der SED und dort gefällten Beschlüssen für den Vier-Jahres-Plan 1981 bis 1985 berichtet. Das rote Telefon auf dem Beistelltisch neben dem Sofa wirkt mit seiner riesigen Wählscheibe seltsam fremd - nicht aber die Telefonnummer der Volkspolizei, welche in dem dafür vorgesehen Feld vermerkt ist: 110.

"Die meisten Exponate stammen tatsächlich aus Privatbesitz", sagt Kenzelmann, "viele Leute bringen uns Raritäten vorbei, die bisher ungenutzt in ihren Kellern herumlagen." Andere Stücke sind Leihgaben, vieles habe man aber auch auf Flohmärkten gefunden oder im Internet ersteigert. Durch diese authentischen Exponate bekommt die gesamte Ausstellung eine sehr private Note. Fast schämt man sich, wenn man die FDJ-Hemden, die Polyesterschürzen und die Jeans mit dem "Made in GDR"-Aufnäher in einem der Einbauschränke durchstöbert.



Das Prachtstück der Ausstellung ist ein Trabant P601 im klassischen Papyrusweiß mit himmelblauem Dach. Auch der Trabbi lädt durch eine Vielzahl von Details zum Entdecken und Mitmachen ein. Im Kofferraum findet sich Werkzeug, in der Ablagefläche vor dem Beifahrersitz ein DDR-Straßenatlas und eine Sonnenbrille. Wenn man es geschafft hat, sich hinter das Lenkrad auf den Fahrersitz zu klemmen, wird einem ein multi-mediales Spektakel geboten: Bei Betätigen des Gaspedals ertönt der charakteristische Zweitakter-Sound und sobald man den Zündschlüssel umdreht, startet auf einem riesigem Flachbildfernseher, der in dieser Umgebung wie von einem anderen Planeten wirkt, eine virtuelle Rundfahrt durch eine Leipziger Plattenbausiedlung.

Obwohl das Museum erst vor wenigen Wochen eröffnet hat, erforschen im Schnitt 350 Besucher täglich den Alltag in der DDR. Viele seien aus dem Westen und interessieren sich dafür, wie der Alltag in der DDR aussah, es kämen aber auch sehr viele aus dem Osten Deutschlands, die ihren Kindern und Enkeln zeigen, wie es früher aussah, sagt Peter Kenzelmann - und man merkt ihm an, dass es ihn freut, wie sehr das von ihm entwickelte Konzept angenommen wird. Dadurch, dass in der DDR viele Produkte standardisiert waren oder es nur eine Marke gab, ist der Wiedererkennungswert bei vielen Gegenständen enorm hoch. "Oh, guck mal, genauso eins hatten wir früher auch!", ist einer der meistgehörtesten Sätze in den Museumsräumen.

Genau dies ist die Intention des Museums. Die kleinen, alltäglichen Dinge zeigen, die das Leben in der DDR ausgemacht haben und sich nicht zu sehr mit Politik und Unrecht aufzuhalten. Doch gänzlich ausblenden wollen die Macher des Museums auch diesen Aspekt nicht. In einem kleinen länglichen Raum steht ein Tisch voller elektronischer Geräte und Aktenordner, an der Wand darüber überblickt ein Honecker-Portarit die Szenerie.

Wenn sich der interessierte Besucher auf den knarzenden Holzstuhl setzt, kann er im Schein der schwarzen Schreibtischlampe, die mit der Inventar-Nummer 9130228 als Volkseigentum gekennzeichnet ist, Abhörprotokolle der Stasi und handschriftliche Verträge ("Hiermit erkläre ich mich bereit, auf freiwilliger Basis mit dem MfS der DDR zusammenzuarbeiten.") nachlesen. Und wenn man den Kopfhörer aufsetzt, so kann man die Gespräche der Besucher in dem nachgebauten Plattenbauwohnzimmer belauschen.

Mehr dazu:

Was: DDR-Museum
Wo:
Berlin-Mitte, Karl-Liebknecht-Straße 1
Wann:
Montag bis Sonntag, 10 bis 20 Uhr, Samstags bis 22 Uhr
Web:
www.ddr-museum.de