Ein Po mit Komfort schluckt Energie

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, dass das Fahren mit einem gefederten Fahrrad anstrengender ist als das mit einem Standard-Drahtesel? Was man beim Fahren zu spüren meint, ist auch physikalisch nachweisbar. Und die zusätzliche Strampelanstrengung ist nicht nur wegen des höheren Gewichtes der vielen Federungen und Kolben so hoch.

Der Komfort eines vorne und hinten gefederten Fahrrades ist unbestreitbar: Sowohl Gesäß, als auch Arme und Wirbelsäule werden auf holprigen Kopsteinpflasterstraßen oder Bordsteinkanten im Vergleich zum ungefederten Holland-Rad deutlich geschont. Was auch luftgefüllte Gummireifen bedingt können, machen Stahlfedern und Hydraulikzylinder noch besser – sie nehmen die Kraftspitzen, die sonst von den Gelenken und Muskeln absorbiert werden müssten.


Diese Aufgabe nehmen sie problemlos wahr. Aber die Energie, die sie dabei aufnehmen und speichern, wird nicht wieder ins bewegte System "Fahrrad" zurückgegeben, sondern sie verpufft glattweg. Dabei rutscht die Energiebilanz ins Negative, schließlich wurde die Geschwindigkeit, mit der das Vorderrad auf die Bordsteinkante traf, mit der Kraft der Beine erreicht.

Und eben aus diesem Grund – und wegen der Gewichtsersparnis – hat kein Profistraßenradler irgendwelche Federungen an seiner Rennmaschine. Denn dieser geringe Komfort für den Popo müsste mit einer zusätzlichen großen Menge teurer Dopingmittel bezahlt werden.