Ein Gips für Teddy Sasha: Besuch im Teddybärenkrankenhaus der Uniklinik

Maike Sommer

Im Teddybärenkrankenhaus im Park der Uniklinik behandeln und operieren Medizinstudenten Plüsch-Patienten. fudder-Autorin Maike Sommer hat Kinder beim Besuch dort begleitet.

Teddybär Sasha ist verletzt. Bei einem Unfall hat er sich das Bein gebrochen. Sein Besitzer, der wie sein Teddy mit Vornamen Sasha und mit Nachnamen Kovalevy heißt, bringt ihn zu den Teddydocs Dr. ted Tessa Görne und Dr. ted Verena Schumacher.


Sasha hat seine Schwester mitgebracht. Auch ihr Plüschschwein, Anastasiya, ist schwer verwundet. Es hat sich die Wirbelsäule bis zum Ringelschwanz gebrochen. In dem Behandlungszelt der Teddyklinik erstellen die Medizinstudenten und -studentinnen Anamnesebögen für die Kinder. Darauf werden die Beschwerden der Patienten aufgeschrieben und es wird festgehalten, was passiert ist.

Röntgenbilder als Erinnerung

"Um festzustellen, ob die Knochen gebrochen sind, müssen wir die Patienten röntgen. Dafür gehen wir jetzt mit den Teddys in das OP- und Diagnostikzelt", erklärt Tessa Görne den Geschwistern. Die beiden Teddydocs röntgen die plüschigen Patienten und schenken den Kindern die Röntgenbilder als Erinnerung. Dabei bestätigt sich der Verdacht: Die Teddys haben gebrochene Knochen und müssen dringend operiert werden.

Im OP-Zelt bereiten sich Görne und Schumacher vor: OP-Kleidung, Mundschutz, ein steriler Arbeitsplatz sowie die richtigen Operationsinstrumente sind natürlich notwendig. Sasha und Anastasiya dürfen zuschauen und helfen, während ihre gleichnamigen Teddys eine Narkose-Spritze bekommen. Die gebrochenen Knochen werden anschließend geschient und gerichtet. Die Geschwister helfen beim Anlegen des Gipses und suchen sich einen roten und einen blauen Verband aus.

Rezepte für Tapferkeitstee und Gute-Besserung-Bonbons

" Wir werden eure Teddys jetzt wieder aufwachen lassen. Dann haben sie sich ein bisschen Ruhe und Streicheleinheiten verdient", sagt Verena Schumacher. Im Diagnostik-Zelt bekommen die kleinen Patienten anschließend Rezepte für Tapferkeitstee und Gute-Besserung-Bonbons verschrieben. Die können sich die Geschwister nach der Behandlung in der Apotheke abholen. Stolz und mit einem breiten Grinsen tragen Anastasiya und Sasha ihre eingegipsten Teddys nach Hause.

Das Teddybärkrankenhaus wird von den Medizin-, Zahnmedizin- und Pharmaziestudenten der Uni Freiburg organisiert und geleitet. In diesem Jahr jährt sich die Veranstaltung zum 14. Mal, erstmalig im Park des Uniklinikums anstatt im Stadtgarten. In drei Tagen haben bereits 600 Kinder ihre verletzten Teddys in die Klinik gebracht. Jedes Jahr lassen etwa 1000 bis 13.000 Kinder ihre Plüschgefährden von den Teddydocs verarzten. Dabei nutzen nicht nur einzelne Kinder mit ihren Eltern, sondern auch Kindergärten und Kindertagesstätten das Angebot.

Etwa 100 Teddydocs im Einsatz

Kindergartengruppen gehen zuerst in die Teddyschule, bevor die Patienten behandelt werden. Dort lernen sie den menschlichen Körper mit all seinen Organen kennen. Zur Demonstration haben die Organisatoren einen großen Teddybären mit einem Reißverschluss versehen und mit Plüsch-Organen befüllt. "Um zum Beispiel die Lunge zu erklären, können die Kinder Seifenblasen pusten. Sie lernen, dass sie zum Pusten Luft benötigen und für diese Luft ihre Lungen brauchen", sagt Organisatorin Tessa Görne.

Dann werden die Kinder für die Diagnosen und Behandlungen von den insgesamt etwa 100 Teddydocs abgeholt. "Die Kinder entscheiden selbst, welche Verletzung oder Krankheit die Teddys haben. Häufig sind es aber gebrochene Beine, Fahrrad-Unfälle, Magen-Darm Grippen oder Bauchschmerzen – wegen zu vielen Süßigkeiten", erzählt Görne.
Außer dem Röntgengerät aus Papier gibt es im Diagnostikzelt außerdem ein gebasteltes EKG und einen Sonagraph.

Ultraschallbilder eines Teddyskeletts

Letzterer ist ein Leihgerät der Anästhesie und sogar, da er zum Unterrichten der Studenten genutzt wird, mit einem Teddy elektronisch verbunden. Er zeigt über den Computer ein richtiges Ultraschallbild. Die Kinder bekommen die Ultraschallbilder des Teddyskeletts und können sich an einer Pinnwand nachgestellte Bilder von gebrochenen und heilen Knochen anschauen. Nach dem Apothekenbesuch gehen die Kinder ins Zelt der Zahnmedizin und bekommen an einem Modell gezeigt, wie sie richtig Zähne putzen.

"Das Highlight für die Kinder ist die Elchrettung", sagt Görne. Dann ist in der Teddyklinik Großalarm: Ein großer Elch ist ohne Helm Fahrrad gefahren und gestürzt! Die Sanitäter holen ihn mit dem Krankenwagen ab und fahren ihn ins Krankenhaus. Dort muss er dringend operiert werden, da er eine schlimme Kopfverletzung hat. Zur Beobachtung muss er anschließend in der Klinik bleiben. Görne sagt: "Bei der Rettung sind echte Sanitäter und Krankenwagen der Klinik im Einsatz. Deswegen kann die Aktion nicht so häufig stattfinden."

Kinder lernen, weniger Angst vor der Behandlung zu haben

Teddykliniken gibt es in fast allen medizinischen Fakultäten in Deutschland und vereinzelten in anderen europäischen Städten. "Die Grundidee stammt aus Skandinavien. Dann hat Heidelberg das Konzept erfolgreich getestet und die anderen Universitäten haben es übernommen." Sagt Görne, welche die Veranstaltung bereits das dritte Mal organisiert und seit September mit den Vorbereitungen beschäftigt ist. Jährlich trifft sie sich in einem Kongress mit anderen Teddyklinik-Organisatoren zum Austausch.

"Die Vorbereitung ist sehr zeitaufwendig. Im Organisationsteam sind wir etwa zwanzig Studenten", berichtet Görne. Die Teddyklinik ist das einzige medizinische Projekt für Kinder in Deutschland, die Zielgruppe sind drei- bis sechsjährige Mädchen und Jungen. Die Kinder können den Ablauf in einem Krankenhaus oder bei einem Arztbesuch kennen lernen und haben im Ernstfall weniger Angst vor der Behandlung. Finanziert wird das Projekt durch Sponsoren und Sachspenden.

"Für die Zukunft wünschen wir uns neue Geräte, zum Beispiel ein Röntgengerät aus Holz und mit Lichtschläuchen statt Papier und vielleicht auch ein MRT. Toll wäre es, auch andere Disziplinen wie Pflegewissenschaften, Physio- und Ergotherapeuten einzubinden", sagt Görne.

Von den Eltern der Kinder und den Ärzten der Uniklinik erhalten die Teddydocs viele lobende Worte und Dank für ihren Einsatz.
Das Teddybärkrankenhaus 2017 läuft noch bis Samstag, 3. Juni. Die Sprechstunde ist von 9 bis 14 Uhr.

Freiburger Teddybären-Krankenhaus