Ein Freiburger verschickt für Dich Rache-Pakete – mit Pferdekacke

Laura Maria Drzymalla, Jana Mack & Daniel Laufer

Pferdekacke ist sein täglich Brot, denn Rache ist sein Gewerbe: Georg Beckmann verschickt Pferdeäpfel per Post. Wir haben ein Paket bestellt – und den Freiburger gefragt, was der Mist eigentlich soll.



Das Paket könnte unscheinbarer nicht aussehen. Doch die Blechbox im Inneren, verziert mit einem Foto von Bundstiften, ist randvoll – mit Pferdekacke. Und ja: Sie stinkt.

Verschickt hat sie der Freiburger Georg Beckmann, bestellen kann man sie auf seiner Homepage namens "BioRache". Was man dort noch für einen Scherz halten mag, ist eine echte Dienstleistung. "Es wird mit Freude wahrgenommen!", sagt der Gründer.

"Das Ross hat das dann nebenher laufen lassen – jetzt verschicke ich ungefähr zehn Misthaufen pro Tag."


Die Idee kam Pferdebesitzer Beckmann im Jahr 2010, während einer Zigarettenpause bei der Arbeit. "Es war eine Spaßgeschichte nebenbei. Das Ross hat das dann nebenher laufen lassen – jetzt verschicke ich ungefähr zehn Misthaufen pro Tag."

Wahrscheinlich war ihm dabei nicht bewusst, wie gut diese Form der Vergeltung zu Freiburg und seinem grünen Ruf passt: Wenn schon Rache, dann bio, laktose- und glutenfrei! Und da seine Paket-Bomben nur Kacke enthalten und niemandem tatsächlich körperlich schaden, bewege sich Beckmann damit auf legalem Boden.

Edelmist vom Racheross

Die Kacke, die er verschickt, bezeichnet er selbst als Edelmist. Jede Bestellung wird frisch aus dem Pferdestall geordert und Rache-Ross "Iphrane" produziert drauf los – eine über 20-jährige Araber-Schimmelstute. Zusammen mit einer individuellen Notiz, die Beckmann ausgedruckt dem Paket beilegt, könnten Kunden Iphranes Exkremente unliebsamen Feinden zugeschicken lassen: etwa der Ex-Freundin ("Hier hast du, was du verdienst, du Miststück!") bis hin zum Vermieter ("Für den Mist zahle ich keine Nebenkostenerhöhung!"). Der oder die unglücklich Beschenkte wird wohl nichts Schlimmes ahnen, wenn er oder sie ein blumenbedrucktes Postpaket ohne Absender in Größe L mit den Maßen 45 x 35 x 20 cm erhält.

"Alles, was das Leben ist, sind die Träume nach Rache."

"Die möglichen Einsätze richten sich nach dem Grad der Wut", sagt Beckmann. Den Mist liefert er auch in Pizzaschachteln und Tupperdosen in Bananenform. Je nach Größe kostet eine Bestellung zwischen 7,90 und 39,90 Euro. Wer will, kann den Inhalt auf dem Paket auch schon mit kleinen Aufklebern ankündigen lassen.

"Alles, was das Leben ist, sind die Träume nach Rache", sagte nicht etwa Georg Beckmann – sondern der Maler Paul Gauguin – im 19. Jahrhundert. Vielleicht hat er damit ein bisschen hart übertrieben. Damals galt der Verzicht auf Rache als Tugend – aber hey, es gab auch weder das Internet, noch die Möglichkeit, Pferdeäpfel per Mausklick zu verschicken – anonym und legal.

Pferdekacke für den Frieden?

Hätte es sie gegeben, wäre daraus sehr wahrscheinlich eine Art Ehrensport unter Jungspunden entstanden. Goethe, der alte Haudegen, hätte es geliebt!

Dank Georg Beckmann müssen wir Vergeltung heute nicht mehr mit dem Lederhandschuh im Gesicht des Anderen austragen. Ist der Freiburger deshalb etwa ein bösartiger Mensch? Er sieht das nicht so, im Gegenteil: Pferdemist per Post, das sei schließlich eine friedliche Lösung für alle. "Diese Art des Rachenehmens ist auch ein soziales Ventil, weil es bösere Sachen verhindert!"

Ein besonders beliebter Rache-Anlass sei übrigens der Valentinstag. Wer hätte das gedacht?