Ein Buchholzer Bauernhof verkauft die seltenen Ananas-Erdbeeren

Tamara Keller

Ihren Namen kannten wir aus Gerüchten, ihre tatsächliche Existenz war jedoch lange unbestätigt. Schließlich haben wir sie in Buchholz auf dem Bauernhof von Reinhard Rombach gefunden: die Ananas-Erdbeere.



Geht man die geteerte Landstraße hinter dem Buchholzer Bahnhof entlang, gelangt man zu einem kleinen Hof, der von Reben und Erdbeerfeldern umgeben ist. Der Vogelgesang vermischt sich hier mit dem gelegentlichen Rauschen herannahender Autos, nach einem warmen Sommerregen riecht die Luft sanft nach Erdbeeren - idyllisch liegt der Hof von Reinhard Rombach. Und hier wächst sie also, versteckt zwischen unzähligen Sträuchern verschiedener Erdbeersorten: die Ananas-Erdbeere.

Snow White ist der offizielle Name dieser Erdbeersorte, was unter anderem mit ihrem Aussehen zusammenhängt. Die Erdbeere ist nicht wie gewohnt rot, sondern - wie der Name schon erahnen lässt - schneeweiß. “Wenn sie etwas rosa schimmert, dann weiß man: Jetzt ist die Erdbeere reif”, erklärt der stolze Besitzer und Züchter Reinhard Rombach.

Es ist das erste Jahr, dass der Hof, den er zusammen mit seiner Frau von seinen Eltern übernommen hat, diese Erdbeere anbietet. Auf die Idee kam der 54-jährige, als er einen Vortrag von Dr. Klaus Olbricht besuchte. Herr Olbricht beschäftigt sich mit alten Erdbeersorten, die man durch Züchtung wieder anbaufähig machen kann. Die Geschichte der Ananas-Erdbeere reicht nämlich schon weit bis in das 18. Jahrhundert zurück. Damals war sie aber sehr kleinfrüchtig, wodurch sie heutzutage unrentabel im Anbau wäre.

Dr. Klaus Olbricht schaffte es, mit seinem Forschungsinstitut Hansabred und der Unterstützung des Vermehrungsunternehmens Vissers aus Holland, die Erdbeeren zu vergrößern. Dieses Phänomen gelang durch das Anpflanzen von verschiedenen Erdbeeren nebeneinander, welche dann durch natürliche Bestäubung eine neue Sorte erzeugten.

Nach dem Seminar zeigte Reinhard Rombach Interesse an der Erdbeersorte und bekam, wie auch andere Landwirte, von dem Institut der Züchtungsfirma die Lizenz zum Vermehren der "Snow White" auf seinem eigenen Acker. Per Paketdienst wurden ihm dann 400 Ableger zugesandt. “Der Transport war auf diesem Wege allerdings ein großer Fehler. Die Lagerung für die Pflanzen im Lastwagen war nicht gerade optimal”, erzählt Rombach.

Das ungewöhnliche Aussehen ist nicht das einzige außergewöhnliche an der Ananas-Erdbeere: Sie lässt sich nicht gut lagern, sondern ist vor allem zum Direktverzehr und zur Direktverarbeitung gedacht. Da der Erdbeerhof Rombach schon seit vier Jahren keine Großmärkte mehr beliefert und stattdessen direkt nach dem Pflücken die eigenen vier Erdbeerstände versorgt, passt die Ananas-Erdbeere aber sehr gut in das Direktvermarktungskonzept.

Der direkte Geschmackstest zeigt, dass die weiße Erdbeere gar nicht so stark nach Ananas schmeckt wie erwartet. Es ist eher ein Hauch von Ananas, gemischt mit ein bisschen Erdbeere und dem Wassergehalt einer Wassermelone. Der leicht wässrige Geschmack könnte daran liegen, dass die Snow White mittlerweile überreif ist. “Am Anfang hat sie nach einem Geschmackspool von Gewürzen geschmeckt”, beschreibt der Buchholzer Landwirt seine Eindrücke. Jemand aus seinem Bekanntenkreis hat genau die gleiche Sorte im eigenen Garten angepflanzt. “Bei ihm ist der Ananas-Geschmack stärker. Ich kann mir das nur damit erklären, dass ein anderer Boden einen anderen Geschmack hervorruft. Erdbeere ist eben nicht gleich Erdbeere.”

Bei den Kunden scheint die neue Erdbeere gut anzukommen. Zumindest wurden an den Verkaufsständen alle Kisten verkauft. “Die Ananas-Erdbeere ist vor allem für Kunden, die etwas Besonderes ausprobieren möchten. Sie ist halt ein Nischenprodukt”, erläutert der Landwirt. Eine Luxuserdbeere also. Der Preis ist aber gar nicht so luxuriös: 2,80 € zahlt man für eine Schale.

Und warum ist der Erdbeerhof-Besitzer so experimentierfreudig? Ihm kommt es vor allem darauf an, den Kunden etwas Neues zu bieten, und nie auf dem gleichen Stand zu bleiben, denn sonst habe man heutzutage in diesem Geschäft verloren. “Es ist einfach Kunst, jeden Tag immer die gleiche Qualität zu haben”, bemerkt Rombach mit einem Lächeln auf den Lippen.

Mehr dazu:

Was: Die seltene Ananas-Erdbeere "Snow-White"
Wo:
4 Verkaufsstände, jeweils in der Form einer Erdbeere:
  • Gundelfingen, Richtung Vörstetten, beim Reiterhof Engler gleich rechts nach der Brücke.
  • Denzlingen, Glottertalstraße, Nähe Bürgerhaus.
  • Kollnau, Gambrinuskurve.
  • bereits geschlossen hat der Verkaufsstand Buchholz, Parkplatz L 186.