Ein Album als Schritt in die Professionalität: Interview mit Lisa Oster von der Freiburger Band Crayven

Michael Höpfl

"All The Sordid Details", alle schmutzigen Details: So heißt das Debütalbum der Freiburger Metal-Band Crayven. Das stellt sie an diesem Samstag in der Mensabar vor. fudder-Autor Michael Höpfl hat sich mit Sängerin Lisa Oster unterhalten - über die Bedeutung des Bandnamens und Frauen im Heavy Metal.



Was bedeutet euer Bandname?

Lisa Oster [2.v.l.]: Craven ohne y gibt es als Wort. Das heißt Feigling. Crayven mit y ist dagegen ein Kunstwort ohne eigene Bedeutung. Ursprünglich hatten wir einen ähnlich klingenden Namen, zu dem auch schon alle Artworks für das Bandlogo und die Internetseite vorlagen. Doch kurz vor der Veröffentlichung hat uns eine Freundin darauf hingewiesen, dass eine andere Band diesen Namen bereits benutzt. So musste ein neuer Name her. Nach einer zwei Tage und Nächte langen Grübelaktion haben wir uns auf Crayven geeinigt.

Am Samstag erscheint euer erstes Album. Was bedeutet das für euch?

Das ist ein riesengroßer Schritt in die Professionalität für uns. Viele kleine und junge Bands scheitern ja oft an dieser Hürde, weil ein Album viel Zeit und viel Geld erfordert.

Inwiefern hat euch dabei geholfen, dass der Drummer ein eigenes Label hat?

Zu den Hauptaufgaben eines Labels gehört ja der Vertrieb. Wir brauchen das nicht, denn wir vertreiben unser Album selbst. Unser Drummer Christoph hat allerdings ein Studio, in dem wir unsere Songs eingespielt und aufgenommen haben. Dass er heute auch unser Drummer ist, kam sehr kurzfristig. Ursprünglich hatten wir einen anderen Drummer an Bord, der dann aber abgesprungen ist. Nachdem wir kein Glück mit den Bewerbern hatten, haben wir ihn gefragt, ob er nicht Lust hätte. Da er unsere Songs kannte, hat er "Ja" gesagt.

Der Titel eures Albums heißt "All The Sordid Details". Um welche schmutzigen Details geht es da?

[Lacht] Ich denke, man versteht den Titel des Albums erst, wenn man ihn zusammen mit den Texten und der düster-fantastischen Covergestaltung auf sich wirken lässt. Das Album ist sehr autobiografisch. Ich denke, das ist bei vielen Künstlern der Fall. Wenn sie älter werden, haben sie einfach irgendwann Geschichten aus ihrem Leben zu erzählen. Dann ergibt sich der Stoff, über den man schreiben und singen kann, von ganz alleine. Unsere Songs handeln von Liebe, Mut und den üblichen Tragödien des Lebens. Wir haben aber auch Fantasy-Texte. Was dort passiert, ist meist frei erfunden.

Wie kann man euren Musikstil am Besten beschreiben?

Wir verbinden verschiedene Stile. Wir haben auf der einen Seite klassische Rock- und Metal-Elemente, die verzerrten Gitarren und das harte Drumming zum Beispiel. Auf der anderen Seite haben wir Klassik-Elemente, zum Beispiel durch meine Geige. In letzter Zeit kam auch Elektronisches dazu. So fällt die Einordnung natürlich noch schwerer. Deshalb liegen wir wohl irgendwo zwischen Alternative Rock und Melodic Nu Metal.

Liegen deine musikalischen Wurzeln in der klassischen Musik?

Ich habe schon als Kind viel Musik gehört und gemacht. In der Schule habe ich Geige im Orchester gespielt und im Chor gesungen.

Es gibt nicht viele Frauen, die in der Heavy Metal-Szene aktiv sind.

Das stimmt. Leider. Ich denke aber, dass Bands wie Nightwish oder Evanescence nicht berühmt geworden sind, weil sie Sängerinnen haben. Sie machen einfach gute Musik. Es zählt nicht die Frau in der Band, sondern die Qualität. Wenn sie keine gute Musik machen, wären sie nicht bekannt, egal ob Frau oder Mann. Ob man als Musikerin oder Band berühmt wird, hat ja auch viel mit Glück zu tun. Zur rechten Zeit am rechten Ort sein, die richtigen Kontakte haben, und so weiter.

Wie geht es weiter?

Das ist bei uns nicht so fest geplant. Wir haben gerade erst mal ein bisschen damit zu tun unsere Geldbeutel wieder aufzufüllen. Das Album zu produzieren, war nämlich ganz schön aufwändig. Ich glaube, wir sind alle realistisch genug, dass wir nicht davon ausgehen jemals von der Musik leben zu können. Bis auf Christoph, der Produzent ist. Jetzt konzentrieren wir uns auf Konzerte, bewerben uns bei Veranstaltern, schreiben Locations an und gehen Ausschreibungen nach, um unser Album auch vor Publikum spielen zu können. Außerdem haben wir alle noch ein zweites Standbein. Ich habe Jura studiert und bereite mich gerade auf mein zweites Staatsexamen vor. Die Musik ist da ein sehr guter Ausgleich mal etwas anderes machen zu können und auch einmal weg zu kommen. Oder umgekehrt. Das Studium ist ein guter Ausgleich zur Musik.

Wir haben auch schon wieder neue Songs geschrieben. Aber ein neues Album ist derzeit nicht geplant. Jedenfalls nicht mehr in diesem Jahr.

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Was:
Konzert mit Crayven
Wann: Samstag, 4. Juli 2015, 20 Uhr
Wo: Mensabar [Foto: Crayven / Promo]