Ein Abschiedsbrief an Schmitz Katze – und eine Liebeserklärung

Laura Maria Drzymalla

Sie hat dort Freunde gefunden und eine große Liebe: Für fudder-Autorin Laura Maria Drzymalla war der Club an der Haslacher Straße ein zweites Wohnzimmer. Jetzt ist die Katze pleite – und Laura fragt: Wohin mit uns?


Liebe Katze,

ein paar Worte für Dich im Gegenzug dafür, was Du die letzten Jahre für uns getan hast.

Ich wohne in Deiner Straße – tatsächlich muss ich nur einmal außer Rand und Band bei Rot über die Kreuzung turnen, um vor Deinen Pforten zu stehen. Vor den zwei Katzengesichtern, die ein drittes freundliches Gesicht beherbergen, das mir fröhlich für ein paar Mäuse einen Stempel auf mein Handgelenk drückt und mich in mein zweites Wohnzimmer eintreten lässt. In unser aller Spielzimmer, das wir schon die ganze Woche über sehnsüchtig von Weitem anstarren.

Deine überdachten Couchen lassen uns das Draußen fühlen als wären wir wie Drinnen. Wie Zuhause – ein bisschen auch wie in Sicherheit.

Du bist nicht nur ein Club für mich. Du bist weit mehr als nur zwei Räume unter einem Dach, unter dem freie Wilde zu lauter und tosender Musik tanzen. Mit dem Eintreten in Deine Tore nimmst du uns Verantwortung ab und gibst uns Losgelöstheit. In Deinem Hof brennen zwei Lagerfeuer für uns, Deine überdachten Couchen lassen uns das Draußen fühlen als wären wir wie Drinnen. Wie Zuhause – ein bisschen auch wie in Sicherheit.

Die Realität haben wir auf am Eingang abgelegt, hier drin brauchen wir sie nicht. Und während wir draußen rauchen dürfen, uns von einem singenden Koch Kartoffelecken frittieren lassen, Menschen beobachten und ins Nichts hinein sinnieren, hören wir immer den treibenden Bass deiner Tanzflächen.

Bemerken, wie unsere Füße immer mitwippen. Wir wissen, wo unsere Lieblingsmenschen stehen – vorne rechts an der Box. Wo sie die Augen zuhaben und die Musik spüren wollen, wo wir alle stampfen, uns wiegen und trotz des schnellen Wummerns in den Stroboskoplichtern bewegen können wie in Zeitlupe. Wo die DJs grinsend ihre Platten wechseln und uns wahre Freuden bescheren, weil sie das Lied spielen, das sich anfühlt, als wäre es nur für uns.

"Bei Dir habe ich Freunde und auch eine große Liebe entdeckt. Wenn Du nun gehst, dann wissen wir ehrlich nicht, wohin mit uns."


Es war immer zu heiß bei Dir – wir haben liebevoll Schwitz Katze zu Dir gesagt. Die Hitze hat uns selten etwas ausgemacht, wir vergessen sie beim Rumstreunern, Tanzen und zu viel Joster trinken. Und auch wenn wir geschwitzt haben, hat es uns nicht viel ausgemacht... Dann hat der Glitzer auf den Wangen nur umso besser halten können. Bei Dir war es mir egal, wie ich aussehe, denn auf Deinem Boden habe ich mich nie verurteilt gefühlt. Ich war wie unter Gleichgesinnten – nie warst Du bedrohlich zu mir.

Und wir waren nicht immer brav. Wie oft habe ich klammheimlich und mit pantherhafter Agilität versucht, trotz des Rauchverbots meine Zigarette oben im Wohnzimmer zu rauchen... Ihr habt mich fast jedes Mal erwischt und getadelt – nie habt Ihr mich rausgeworfen.

"Wenn Du nun gehst, dann wissen wir ehrlich nicht, wohin mit uns."


Nur wenn um fünf Uhr die Lichter angingen, wurden wir patzig wie kleine Kinder, die vom Spielplatz runter müssen. Weil wir eine Stunde Pause machen mussten, bevor wir wieder ins Meer des Hedonismus hüpfen durften. Die Zeit bis zum Frühsport verbrachten wir oft an der Dreisam oder in meinem WG-Zimmer um die Ecke. In meinem kleinen Raum, der auf einmal von fünfzehn fremden Menschen gefüllt war, weil jeder noch jemanden mitgebracht hatte – niemand wollte Eure zweite Runde auslassen, niemand wollte sich schon ins Bett legen, obwohl die Musik im Kopf noch weiterlief.

Wir kamen trotz des Lärms bei Dir zur Ruhe. Wir durften viel bei Dir lachen und auch schmunzeln – Deine Afterhour war oft wie ein russisches Roulette, bei dem wir nie wussten, welche Traumtänzer auf Deinen Brettern sich in den paar Stunden noch komplett abschießen. Dein Name, liebe Katze, trägt sich durch einen Großteil meines Telefonbuches: Tolle Menschen, die ich dort kennengelernt habe, heißen allesamt Katze mit Nachnamen. Du bist nicht nur eine Abladestation von alkoholgetränkten Herzen – du bist auch immer ein Ort der Begegnung. Bei Dir habe ich Freunde und auch eine große Liebe entdeckt. Wenn Du nun gehst, dann wissen wir ehrlich nicht, wohin mit uns.

Wenn Du gehst, werden wir es deutlich merken und später erzählen müssen: "Weißt Du noch, die Katze damals?" Liebe Katze, ich hoffe, Du lässt das Mausen nicht!