Econtrario: Eine Lern-Community für Juristen

Marius Buhl

Beim Müsli essen, in der Bahn und sogar auf dem Klo: Wäre es nicht schön, überall da Jura-Aufgaben zu lösen und mit anderen über Probleme zu diskutieren? Zwei Freiburger Juristen haben genau deswegen die Lern-Community "Econtrario" gegründet. Wie die funktioniert:



„Ab welchem Zeitpunkt schützt §211 StGB das Leben?“ Für Juristen ist das eine wichtige Frage, es geht schließlich um die Frage: „Mord oder nicht?“


Sie ist nur eine der Fragen mit denen Juristinnen und Juristen in der eLearning-Community Econtrario ihr Wissen prüfen können. Gegründet wurde die Website im September 2012 von zwei ehemaligen Freiburger Jurastudenten, Carl-Wendelin Neubert und Christian Leupold, die während der Vorbereitung auf das erste Staatsexamen bemerkten, dass sie selbst gerne eine juristische Lerncommunity nutzen würden.

„Wir wollten etwas ganz Neues machen, weil wir beim Lernen auf unser Examen mit Lehrbuch und Karteikarten allein nicht zufrieden waren“, sagt Carl-Wendelin Neubert, 28.

Mit Hilfe von Econtrario.de sollen  Juristen von morgen nicht nur im Seminar oder in der Lerngruppe die Feinheiten des Gesetzes lernen können, sondern über all da, wo sie gerade Lust auf Paragraphen verspüren und einen Internetzugang haben. Die Besonderheit: Die juristischen Fragen und ihre Antworten werden von den Nutzern selbst hoch geladen.

Auch die Begründer Leupold und Neubert sind aktive Nutzer der Community, in der Rangliste der meistbeantworteten Fragen rangieren die beiden Gründer mit Abstand an erster und zweiter Stelle. Leupold lernt so auch auf sein zweites Staatsexamen, dessen schriftlichen Teil er schon hinter sich hat. Neubert helfen die Fragen zwar nicht so sehr bei seiner Doktorarbeit, an der gerade schreibt, für das anstehende zweite Staatsexamen, das er nach Abgabe der Promotionsschrift plant, will er econtrario aber wieder aktiv nutzen.

Wenn sich Nutzerinnen und Nutzer auf der Seite registriert haben, müssen sie als ersten Schritt ihre Lerninteressen angeben und sogenannte Tags setzen: Patentrecht, Kriegsvölkerrecht, Strafrecht, was immer das Juristenherz begehrt. Danach bekommt man direkt die erste Frage auf den Bildschirm geliefert. Nutzer können dann die Frage beantworten, sie kommentieren, bewerten, sich die Fundstelle merken, die Frage in einen virtuellen Karteikasten legen, und sich mit anderen Usern über Probleme austauschen.

Diese Interaktivität ist Neubert wichtig: „Die Website lebt so von sich selbst, andere können deine Fragen beantworten, und du siehst schnell, wo Probleme sind und wo eher nicht. So etwas gibt es noch nicht bisher.“ Ein gutes Staatsexamen garantiere die Seite alleine aber noch lange nicht: „Dafür muss sich jeder hinsetzen und büffeln, Lehrbücher lesen, Fälle lösen. Unsere Seite soll eher eine ergänzende, abwechslungsreiche Vertiefung zu herkömmlichen Lehrmethoden sein.“

Den Ritterschlag bekam Econtrario von der Neuen Juristischen Wochenschrift: Sie machte die Lerncommunity zu einem „Link der Woche“. Für Neubert eine große Ehre: „Das hat uns natürlich sehr gefreut, das zeigt uns auch, dass unser Konzept eine Verbesserung ist und funktioniert.“ Nach einem Jahr verzeichnet econtrario rund 1400 registrierte Nutzer, die bisher 40.000 Antworten abgegeben haben. Eine davon erklärt, ab wann § 211 StGB das Leben schützt - nach herrschender Ansicht mit Einsetzen der ersten Wehe.

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