Durch die Wüste (5)

David Lohmüller

Die beiden Nahostreisenden schildern diesmal unter anderem die Vorzüge des roten Meers, den Aufstieg auf den heiligen Berg Sinai und die Farben des Nils.



Sonnenaufgang auf dem Sinai

Nach einer gnadenlosen Odyssee sind wir nun im siebten Himmel - und das im wahrsten Sinne des Wortes. "Seven Heaven", so heißt nämlich unser Wohlfühl-Guesthouse, in Dahab/Ägypten, nur ein Steinwurf entfernt zum Strand des roten Meeres. Dort lassen wir die die Tage ein wenig die Flügel, oder besser die Flossen, hängen und wollen uns erholen von den Reisestrapazen der vergangenen Tage.

Hinzukommend zu sagenhaften Verspätungen unserer Fähre (satte 13 Stunden) von dem jordanischen Aquaba zur Sinaifestland in Ägypten hatten wir außerdem noch einen altbekannten Wegbegleiter getroffen, der einige Tage nicht von unserer Seite wich.

Es war "Montezuma", die alte Hupe. Ihn hatten wir irgendwo bei einem Essen zwischen Amman und Petra aufgeschnappt. Eigentlich hatten wir ihn noch gebeten, möglichst schnell wieder eigene Wege zu gehen, bzw. sich anderen Reisenden anzuschließen, aber er ließ sich zwei unschöne Tage lang nicht davon beirren, uns mit einer Menge "dünnen Gesprächen" und intensiven Sitzungen zu beschäftigen. Aber immer zur rechten Zeit am rechten Fleck, trafen wir in einer Apotheke Gott sei Dank noch einen weiteren altbekannten Genossen, unsere treue Seele "Immodium Akut". Die beiden verstanden sich nicht so gut. Und so sind wir mittlerweile beide wieder los. Maktub :-)



Jetzt muss ich leider schon wieder zum Schluss kommen, denn die Calamari brutzeln bereits in der Pfanne, der Mangoshake ist angerührt und die Sheesha bereit zur Verdampfung. Damit schließt sich dann auch schon wieder unser Tag, den wir schnorchelnderweise und mit den Korallenfischen um die Wette schwimmend verbracht haben.

Der heutige Tag sollte einmal mehr mitten in der Nacht durchstarten. Der Sonnenaufgang auf dem Berg Sinai, der bekanntermaßen als Ort der Offenbarung Gottes, vor allem der Gabe der Zehn Gebote gilt, stand auf unserer Agenda.

Gemeinsam mit 4 Zilliarden Pilgerern, die wir glücklicherweise allesamt auf der langen Besteigung des 2285 Meter hohen Gipfels überholen konnten, machten wir uns auf den Weg und kamen schließlich oben unter den Ersten an. Isomatte ausgepackt, Schlafsack obendrauf und hinein in die warme Tüte.

Was sich uns dann bis zum Erscheinen der roten Scheibe darbot, war unschlagbar. Ich glaube, ich habe noch nie einen derart vollen und satten Sternenhimmel gesehen.



Das Firmament hat förmlich gesprüht von den überreifen und alles durchglühenden Lichtern. Von Orion, Andromeda bis zu den Plejaden. Alle waren sie da und strahlten uns mit vereinten Kräften glücklich. Das Spektakel wurde gänzlich vollendet von den schweifenden und raketenähnlichen Sternschnuppen, die quasi im Sekundentakt über den Nachthimmel feuerten. Für mich persönlich war diese gute Stunde Himmelblick im wahrsten Sinne des Wortes das eigentliche Highlight des Tages bzw. dieser Nacht.

Aber auch der Sonnenaufgang war von besten Eltern. Hoch oben sitzend, auf das rot getränkte Bergpanorama herabblickend und die gemurmelten Gebete der Pilgerer im Ohr, bleibt uns dieser Ort gewiss als etwas ganz Besonderes in Erinnerung.

Pennen im Bus

Gestern fanden die ägyptischen Meisterschaften im "Schlafen auf einer 17-stündigen Busfahrt" statt. Mit ca 34000 Wendemanövern und Verlagerungen von Körperachse, -schwerpunkt und -extremitäten zum Finden der perfekten Einschlafposition, kam ich mit gefühlten sieben Minuten Gesamtschlaf auf einen achtbaren letzten Rang.

Raphael dagegen hat den Wettbewerb gewonnen. Gegen alle! Herzlichen Glückwunsch :-)



Aber die Niederlage hatte auch etwas Gutes. Nach nunmehr Wochen in Ocker und Staub hatte ich meine Augen weit geöffnet, als unser Bus aus der Wüste heraus und in die tropische grüne Schneise hinein fuhr, die der Nil längs durch ganz Ägypten reißt. Das Grün wirkt fast schon unwirklich und kitschig im ersten Moment, so als ob die Palmen und Felder mit optischen Geschmacksverstärkern bedingt würden. Das Faszinierende an der ganzen Szenerie ist der eindrucksvolle Kontrast, der die frischen Farben des Nils von den im Hintergrund liegenden Wüstenbergen abheben lässt.

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