Dormez-vous, Frère Jacques?

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, was eines der vielfältigsten und trotzdem sehr unterschätzten Musikinstrumente ist? Sie hängt meistens sogar noch über der Orgel, der Königin der Instrumente, und ist trotz einfacher Art der Klangerzeugung in der Lage, fast genauso viele Töne zu erzeugen: Die Glocke.

Wer Friedrich Schillers Ballade über die Herstellung dieser Bronzemonster kennt, mag in Ansätzen nachvollziehen können, wie kompliziert der Guss einer Glocke ist. Aus mindestens drei Vierteln Kupfer und dem Rest Zinn wird ein rotationssymmentrischer Klangkörper gegossen, der dann seine Aufgabe erfüllen und zu jeder Stunde schlagen oder zu Gottesdiensten rufen soll.


Doch jede Glocke erzeugt nicht nur einen Ton. Neben dem Hauptton, der am dominantesten ist, schwingen noch je nach Qualität der Glocke bis zu vier Dutzend Ober- und Untertöne mit. Und die kann man auch hören, abhängig von der Position in der man sich relativ zur Glocke befindet. 

Da die Glocke bei der Tonerzeugung schwingt, nehmen wir bei jedem Gong ein anderes Klangspektrum wahr: Ist die Glockenöffnung auf den Zuhörer gerichtet, schickt dieser Trichter das gesamte obertonreiche Spektrum auf die Trommelfelle. Zusammen mit dem direkten Geräusch des Klöppels erklingt ein helles "Ding" (oder auch "Bim"). Wenn die Glocke zurückschwingt und ihre Öffnung vom Zuhörer abwendet, sind die Obertöne nicht mehr so dominant und auch das helle Klöppelgeräusch wird weggeblendet: Wir hören ein dunkles "Dong" (oder auch "Bam").

Deshalb macht eine Glocke stets ein Bimbam-Geräusch. Bruder Jakob hingegen sollte mehrere Glocken hören um aufzustehen, weshalb man ihm das Ding-Dang-Dong zusang.