Doppeljahrgang: Probleme und Vorteile aus Sicht der Schüler

Selina Haberstroh

Die Freiburger Gymnasien haben in diesen Wochen eine organisatorische Mammutaufgabe zu bewältigen: Durch die Umstellung vom neunjährigen (G9) zum achtjährigen (G8) Gymnasium machen 2012 erstmals zwei Jahrgänge auf einmal Abitur. Welche Konsequenzen hat das für die betroffenen Schüler? Fünf von ihnen berichten uns von ihren ersten Erfahrungen im Doppeljahrgang.



Kim Laura Schulz, St. Ursula-Gymnasium, G9 Jahrgang

"Wir sind 220 Leute in der Stufe. Bei uns sind die Leistungskurse (Mathe, Deutsch etc) in G8 und G9 getrennt, so dass die Lehrer in den schriftlichen Abifächern individuell auf die Schüler eingehen können. Das finde ich gut. Zum Glück haben wir auch genug Bücher und Räume. Außerdem haben die Stundenplan-Planer das Wunder vollbracht, dass kein Schüler länger als bis um 15.15 Uhr Unterricht hat. In den vergangenen Jahren gab es viel Ablehnung der G-Neuner den G-Achtern gegenüber, aber da wir jetzt in den meisten Fächern gemischt sind, hat sich das beruhigt.

Ich hoffe, dass wir am Ende der Schule von einem Abijahrgang und einer großen Gruppe sprechen und nicht mehr von zwei getrennten Gruppen."



Anna Meier, Droste-Hülshoff-Gymnasium, G8 Jahrgang

"Wir sind 180 Schüler in der Kursstufe 1. Es kam zu einem Bücherengpass, einige Bücher mussten nachbestellt werden. Mein Religionsbuch bekam ich erst zwei Wochen später. Auch die Räume sind knapp. Gemeinschaftskunde habe ich zum Beispiel in einem Werkraum, in dem es nur Hocker und Werktische gibt.

Die Schule hat bei uns extra ein Frühstück organisiert, damit man die anderen Schüler besser kennenlernt. Dennoch, es dauert, bis Freundschaften entstehen. Deshalb verbringt man die Pausen bislang wie gehabt mit den Leuten aus seiner alten Klasse.

Ich finde es gar nicht schlecht, in so einer großen Stufe zu sein. Es kamen alle Kurse zustande und die Auswahl der Kurse war viel größer, weil eben mehr Schüler da sind. Für die Lehrer stellt sich das Ganze allerdings problematischer dar, weil die Schüler unterschiedliche Lernniveaus haben. Es gibt Themen, die in G8 intensiver behandelt wurden als in G9 - und andersherum."



Till Gombert, Staudinger-Gesamtschule, G9 Jahrgang

"Wir sind 105 Leute in unserer Stufe, aufgeteilt in sechs Tutorenklassen. Die Stimmung in der Stufe ist bisher sehr gut. Man lernt viele neue, nette Leute kennen. Absurd sind nur manchmal die Kontraste zwischen den Schülern: ich werde bald 19 Jahre alt und eine Klassenkameradin ist gerade mal 16. Natürlich stört mich das nicht, aber es ist einfach seltsam. Probleme gibt es durch den Doppeljahrgang eigentlich keine. Ich finde, die Staudi hat das ganz gut im Griff - obwohl erst nach der zweiten Woche des Schuljahrs klar war, wer welchen Kurs letztlich besucht.

Die große Kursauswahl ist ein Plus. Ich besuche zum Beispiel den Modellkurs Literatur und Theater. Da sind wir 20 Leute. Ohne die Doppeljahrgangsgeschichte wäre der Kurs wahrscheinlich nicht zustande gekommen. Die Lehrer gehen mit der Situation gelassen um. Aber das große Chaos wird uns wahrscheinlich erst an den Universitäten und Hochschulen erwarten."



Michael Mayer, Wentzinger-Gymnasium, G8 Jahrgang

"Meine Stufe hat 191 Schüler, aufgeteilt in neun Grundkursen. Raumprobleme gibt es wegen des Doppeljahrgangs nicht. Da unsere Schule jedoch gerade umgebaut wird, ist alles ziemlich eng. Das größte Problem war die Organisation des Stundenplans.

Momentan ist bei uns in der Stufe auch fraglich, ob überhaupt Studienfahrten stattfinden können, weil wir so viele sind. Für die große Anzahl an Schülern ist es auch problematisch, einen Raum für den Abiball zu organisieren. Momentan denken wir da an den Europa-Park-Dome."



Miguel Wodraschke Osés, Friedrich-Gymnasium, G9 Jahrgang

"Wir sind 82 Leute in unserer Stufe, aufgeteilt in vier Klassen. Die Raumsituation ist manchmal problematisch, da wir in manchen Kursen in ziemlich kleinen Klassenzimmern sind und alles sehr eng ist. Auch die anonyme Stimmung unter den Mitschülern ist etwas bedrückend. Aber ich denke, das ändert sich noch. Es ist eben eine neue Situation für alle."

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