Start-Up

Dikkes Wassar: Dieser Freiburger macht Schnaps aus Tomatenpüree

Jana Luck

Jonas Lorscheid landete mit zwei Freunden in der Berliner Rockerkneipe "Clash" und trank zum ersten Mal einen Mexikaner: scharfen Tomatenschnaps. Seitdem lässt ihn das Getränk nicht los. Jetzt hat er damit sogar sein erstes Start-Up gegründet.

Die Geschichte dahinter

"Am Anfang stand gar nicht das Gründen", sagt Jonas Lorscheid, 27 Jahre alt, der "Dikkes Wassar" ins Leben gerufen hat. "Wir waren drei Kumpel in Berlin, die am Ende einer langen Nacht in einer Rockerkneipe gelandet sind." Dort tranken sie das erste Mal Mexikaner, einen Schnaps aus Tomatensaft oder -püree, scharfen Gewürzen und Alkohol wie Korn oder Wodka. Sie waren begeistert. "Der frische Geschmack tat gut nach dem vielen Biertrinken und hat gleichzeitig ein bisschen satt gemacht. Zu McDonalds mussten wir dann gar nicht mehr gehen." Alex Schmitt, Ewgenij Wolkow und Jonas mixten danach immer wieder Mexikaner für Partys, ihre Freunde waren begeistert. "Aber mal gelang es uns besser, mal schlechter. Wir brauchten ein Rezept." Als die perfekte Kreation gelungen war, beschloss Jonas: das hat Zeug für mehr als ein Hobby.

Das Produkt

So entstand "Dikkes Wassar". Die Rezeptur verrät Jonas natürlich nicht, nur so viel: der Schnaps besteht aus Tomatenpüree, reinem Trinkalkohol, Gewürzen wie Basilikum und Chili für die Schärfe. Jonas hat sich gegen Wodka oder Korn entschieden, weil dagegen der Geschmack der Tomate verliere. "Der Schnaps soll kicken durch die Schärfe und nicht den Alkohol." Eine Flasche wird 11,89 Euro kosten. Ab Mitte Dezember ist der Schnaps online bestellbar, wird dann auch in der "Elizabeth Bar" in Freiburg ausgeschenkt und im Einzel- und Großhandel vertrieben. Hierfür verhandelt Jonas aktuell noch mit Märkten und Supermarktketten.

Der Name

Der Schnaps sollte zuerst "Cojones" heißen, das ist Spanisch und bedeutet, naja, umgangssprachlich "Hoden", ist aber auch ein Schimpfwort. Jonas entschied sich aber doch, es mit einem neutraleren Namen zu versuchen. Der hat Geschichte: "Für die Azteken waren Tomaten damals nicht nur Nahrung, sondern vor allem eine wichtige Trinkwasserquelle", erzählt er. "Die Azteken nannten Tomaten auf ihrer Sprache Nahuatl "Xitomatl". Das lässt sich übersetzen als "Dickes Wasser". Der Name stand fest. Nur eintragen lassen konnte Jonas sein Unternehmen nicht damit. Der Grund: der Name sei eine Beschreibung. So wurde aus "Dickes Wasser" "Dikkes Wassar". Er finde den Namen so sogar noch besser, meint Jonas.

Der Gründer

Jonas Lorscheid ist in Freiburg aufgewachsen und zog mit 18 Jahren nach Berlin. Dort machte er eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann, blieb beim Unternehmen Metro für ein duales Studium und stieg schnell zum Abteilungsleiter auf. Nach Stationen bei weiteren Unternehmen wie Netto und Schiesser fand Jonas aber: das ist zu langweilig. "Es ging mir nicht ums Geld. Wenn ich das hätte haben wollen, wäre ich bei meinem Job geblieben: guter Verdienst, Firmenwagen. Aber ich wollte mehr, ich wollte Leidenschaft für das haben, was ich mache."

Dafür schuftet er aktuell noch am Wochenende bei einem Metro-Markt, füllt nachts die Regale auf. Damit finanziert er sich selbst. "Das ist schon hart, klar. Aber Anfang des kommenden Jahres will ich dann zu 100 Prozent im Start-Up arbeiten und mich auch so finanzieren." Ihm ist wichtig, dass die Idee nicht nur vom ihm kommt, sondern von den drei Freunden zusammen. Gegründet hat das Start-Up aber er allein.

Die Finanzierung

Die Produktentwicklung hat Jonas aus Erspartem bezahlt. Dann konnte er die Volksbank Freiburg überzeugen, sein Start-Up mit 70.000 Euro zu finanzieren. Entwickelt worden ist seine Idee im neuen Kreativpark am Güterbahnhof in der Brutbox, einem Förderprogramm der BZ.medien für Start-ups. Aktuell sucht er weniger nach Investoren als nach strategischen Partnern, die sich im Vertrieb und dem Markt gut auskennen.

Zukunftspläne

"Ich habe mich mit Felix Thönessen, dem ’Höhle der Löwen’-Coach, bei einer Messe unterhalten. Der sagte mir: Der Schwerpunkt auf zunächst ein Kernprodukt ist am sinnvollsten." Und genau so will Jonas es machen. Er startet mit dem Tomatenschnaps und will dann sein Sortiment ausweiten.

In Flaschen mit dem gleichen Design sollen dann weitere Schnäpse gefüllt werden, aber immer mit besonderen Geschmacksrichtungen: etwa Gurke. Smoothies mit Alkoholanteil sind eine andere Idee. Die Planungen dafür will Jonas Mitte des kommenden Jahres angehen. "Sich eine Range aufbauen" heißt das im Start-Up-Sprech: also eine größere Bandbreite an Produkten unter dem gleichen Dach.

Jonas’ Vision ist es zwar, dass das Unternehmen wächst. Dabei gehe es ihm aber nicht nur um Gewinnmaximierung. "Stattdessen will ich, wenn ich erst mehr Gewinn mache, das Produkt nachhaltiger herstellen, also etwa mit Tomaten aus regionalem Anbau." Sein Ziel ist es außerdem, 20 Prozent der Einnahmen in sauberes Wasser zu reinvestieren. Dafür kooperiert er mit einem Team von der Universität Kassel, das einen so genannten "Wasserrucksack" entwickelt hat, mit dem Wasser zu Trinkwasser gefiltert werden kann und der in Krisenregionen eingesetzt werden soll.

Tipps für Gründer

"Hüte dich vor FUC!", ist Jonas’ oberste Regel. FUC? "Das steht für "Frequently Unasked Consulting", also auf Deutsch "ständige unqualifizierte Ratschläge". Oft seien die zwar gut gemeint, sagt Jonas. "Wenn du jemandem erzählst, dass du ein Start-Up gründen willst, weiß jeder, wie du das am besten machen kannst. Es ist dabei aber wichtig, selbst zu wissen, was du willst und die Ratschläge zu filtern. Denn da ist oft auch ganz viel Bullshit dabei." Trotzdem sei es wichtig, viel zu fragen – bei Profis. "So bekommt man Kontakte und teilweise wirklich hilfreiche Beratungen. Gerade am Anfang wollen dir viele wirklich helfen. Das ist Gold wert."

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