Interview

Dieses Musikvideo thematisiert die Darstellung von Vergewaltigungen – indem es Rollen vertauscht

Enya Steinbrecher

Eine Studentengruppe stellt im Musikvideo "See the light" eine Vergewaltigung dar. Die Täterin: eine Frau. Das Opfer: ein Mann. Das Aufbrechen des typischen Erzählmusters soll sensibilisieren, erklärt die Freiburger Produzentin Christine Duttlinger im Interview.

Die Intention eures Musikvideos "See the light" war, auf das Thema Vergewaltigung aufmerksam zu machen. Ist euch das geglückt?

Christine Duttlinger: Das ist es. Auf einem Horrorfilmfestival ist meiner Mitbewohnerin und Regisseurin Hanna Seidel aufgefallen, dass die Sensibilität beim Thema Vergewaltigung an Frauen fehlt. Als in einem Film zwei Frauen ihrem Vergewaltiger dasselbe antaten, verließen jedoch einige Männer den Raum. Daraufhin dachten wir uns: Warum ist es so herum für die Männer so ein großes Thema? Wir Frauen müssen die Bilder anders herum doch auch ertragen. In der Zwischenzeit haben wir oft die Rückmeldung erhalten, dass die Sensibilisierung funktioniert hat und viele Menschen zum nachdenken angeregt hat.

Wie lange hat die Umsetzung gedauert?

Christine Duttlinger: Wir haben den Film innerhalb eines Kurses gedreht und hatten daher nur sehr wenig Zeit und Geld zur Verfügung. Innerhalb von drei Tagen haben wir alles gefilmt. Dabei hatten wir hohe Ortswechselkosten und keine Zeit für einen langen Aufbau. Wir filmten nach dem Prinzip "Shoot and run".



Wie seid ihr an die Schauspieler gekommen?

Christine Duttlinger: Es gibt die Möglichkeit, die Schauspieler über ihre Agenten anzufragen. Leider konnten wir sie nicht bezahlen, doch glücklicherweise gibt es viele gute Schauspielerinnen und Schauspieler, die auch umsonst arbeiten, wenn das Konzept sie packt. Auch in diesem Fall hat das geklappt. Wir haben viel gecastet, denn wir wollten in der Rolle der Frau keine sexy Rachegöttin oder ähnliches, sondern eine normale Frau, wie man sie auch auf der Straße sieht.

Wie war das Feedback der Zuschauer?

Christine Duttlinger: Besonders im privaten Umfeld haben wir viele positive Rückmeldungen bekommen. Uns wurde häufig gesagt, dass unser Film die Leute zum Nachdenken angeregt hat, doch es gab auch negatives Feedback – vor allem im Internet. Die Leute fanden es eklig und haben gefragt, was das soll. Allgemein jedoch interessiere ich mich nicht sonderlich für die Kommentare im Internet – deswegen lese ich sie auch nicht mehr. Ich konzentriere mich auf die positiven Rückmeldungen, die mir gezeigt haben, dass unser Musikvideo ein kleiner Teil einer großen Debatte war, die längst geführt werden sollte.
Das Video wurde im Rahmen der Filmakademie Baden-Württemberg produziert. Die Musik stammt von der Band Meltdown.

Disclosure: Christine Duttlinger war zwar früher fudder-Mitarbeiterin, aber wir hätten über ihr Video auch berichtet, wenn dem nicht so wäre.