Dieses Fußballteam hat 388 Gegentore kassiert - und gibt nicht auf

Benedikt Hecht

Die vergangene Saison ist für die D2-Juniorinnen vom SV Kollmarsreute nicht sonderlich gut gelaufen: in 22 Spielen machten sie nur sechs Tore - und kassierten 388. Wie das passieren konnte, und warum die Mädels trotzdem weiterspielen:



Große Augen machen die acht Mädchen im Alter von neun und zehn Jahren, als ihnen ihr Trainer Markus Gerteisen verkündet, dass die Presse heute nur wegen ihnen da ist. Und in diesem Moment wird schon eines deutlich: neun und zehn Jahre? Das ist eigentlich zu jung für die D-Jugend. Normalerweise sollten sie noch in der E-Jugend spielen. Doch da der Verband keinen weiblichen E-Jugend-Spielbetrieb unterhält, müssen sie bei den Älteren mitspielen. Darüber war Gerteisen zu Beginn nicht gerade glücklich.


27 Mädchen umfasst der gesamte Kader. Am vergangenen Freitag, beim letzten Rundenspiel gegen die SpVgg. Buchenbach, sind in Maria, Enya, Emilia, Maya, Rebecca, Mara, Nina und Chiara acht von ihnen dabei. Und alle sind mit Feuereifer bei der Sache. Raus auf die Ersatzbank? Keine will freiwillig dorthin. Alle acht wollen unbedingt spielen.

Markus Gerteisen erzählt, dass er den gesamten Kader in zwei Mannschaften aufgeteilt hat, damit alle mal spielen können. Mal die eine Mannschaft, mal die andere. Er stellt auch nicht nach Leistung auf, sondern schaut, dass alle möglichst gleichviel Spielzeit bekommen. Den Spaß am Fußball soll keine verlieren, nur weil sie nicht spielen darf. Zum Teil sind die Gegenspielerinnen einen Kopf größer. Und bis zu drei Jahre älter. Da werden schnell körperliche Defizite deutlich.

Sie spielen in der D-Jugend, weil es keine E-Jugendliga gibt

"Am Anfang war es unheimlich bitter", verrät eine anwesende Mutter, "doch die Mädchen motivieren sich selber untereinander. Immer wieder." Zur Halbzeit liegen sie gegen Buchenbach mit 0:3 zurück. "Ist noch nicht zu viel, oder?", fragt eines der Mädels in der Pause. Todesmutig stürzt sich Torhüterin Maria immer wieder dem Ball entgegen und macht damit mehrere gute Chancen von Buchenbach zunichte. Angst kennt sie keine. "Unsere Gegner sind von ihrer Leistung immer wieder hellauf begeistert", sagt Gerteisen, nachdem Keeperin Maria mal wieder einer allein auf sie zustürmenden Spielerin den Ball geklaut hat. Einige ihrer Gegner finden es toll, dass die jungen Mädels aus Kollmarsreute die Saison trotz der vielen Niederlagen durchgezogen haben. Vor allem Tabellenführer Schallstadt erwähnt Gerteisen hier lobend: "Die haben zwischendrin auch mal das Tempo rausgenommen."

In der Vorwoche, beim 0:30 gegen Rhodia Freiburg, verlief es etwas unglücklich. Da verletzte sich eine seiner Spielerinnen nach wenigen Minuten und musste zum Röntgen ins Krankenhaus. Da er auch nur acht Spielerinnen zur Verfügung hatte, gab es für den Rest in den 55 Minuten fast keine Wechselmöglichkeit. "Das war hart", so Gerteisen.

Seine Mädels bleiben trotz der Niederlagenserie und einer Saison mit durchschnittlich mehr als 17 Gegentoren pro Spiel hochmotiviert. Zweimal in der Woche trainieren sie, meistens sind mindestens zwanzig anwesend. Dass ihre Gegnerinnen viel älter sind, "ist etwas doof", sagt eine von ihnen nach dem Spiel. "Aber Hauptsache, man hat gespielt." Das große Ziel für die neue Runde ist klar: "endlich mal gewinnen". Am Freitag setzt es noch eine 0:10-Niederlage. Der Ehrentreffer bleibt den tapfer kämpfenden Mädels verwehrt. Doch sie sind zufrieden mit ihrer Leistung. Ans Aufhören denkt jedenfalls keine von ihnen.

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