Kulturelle Teilhabe

Dieser Freiburger Verein bietet Kunst und Kultur für alle Menschen

Stefan Mertlik

Kunst als elitäres Kulturgut, das nur durch Bildung und Geld erlebbar ist – davon möchte der Verein Schwere(s)Los! Abstand nehmen. Mit unterschiedlichen Projekten gibt er Menschen aller sozialer Hintergründe die Möglichkeit, sich zu verwirklichen.

"Wir bewegen uns an einer Schnittstelle zwischen künstlerischem Anspruch und sozialem Aspekt", erklärt Michael Labres, der den Verein 2012 in Freiburg zusammen mit Maren Moormann gegründet hat. Mit niederschwelligen Angeboten wollen sie in die Gesellschaft hineinwirken. Gefördert werden sie dabei von Institutionen wie Aktion Mensch oder der Robert Bosch Stiftung.


Dennoch sieht sich Schwere(s)Los! als Kunstverein, wie Labres weiter ausführt: "Wir wollen nicht aus dem sozialen, sondern aus dem kulturellen Topf gefördert werden."

Keine Vorkenntnisse erforderlich

Die Angebote heißen "LebensKünstler", "Kunst am Haken", "Bettlerchor" oder "Theater Trinational". Sie alle bieten einen offenen Raum, der ein- statt ausschließt. "Ich treffe hier Menschen, die hätte ich im Alltag nicht kennengelernt", erzählt Jella von Malotki, die als Teilnehmerin die Angebote von Schwere(s)Los! wahrnimmt. Die Studentin habe früher zwar im Schultheater gespielt, Vorkenntnisse müsse man aber nicht mitbringen. Geld schon gar nicht, wie Michael Labres betont: "Man soll hier herkommen und es für sich machen, nicht weil man bezahlt hat."

Die bildende Künstlerin Maren Moormann legte 2007 mit der Künstlergruppe KunstHartz den Grundstein für Schwere(s)Los!. Damals suchte sie per Zeitungsannonce nach Gleichgesinnten, die vom Jobcenter ebenfalls vermittelt bekamen, dass sie endlich etwas "Richtiges" machen sollten: "Armut sollte das Thema unserer Kunst werden." Ein Jahr später stieß Schauspieler, Musiker und Theaterleiter Michael Labres hinzu, der kurz zuvor aus Graz nach Freiburg gezogen war. Zu zweit entwickelten sie ein breiter aufgestelltes Kunst- und Kulturprogramm, mit dem sie einen Förderantrag stellten.

"Was entstehen will, wird entstehen." Jasmin Kirschbaum, Sozialarbeiterin und Kunsttherapeutin
Nach vier anstrengenden Jahren kam der Ball ins Rollen. 2012 gründeten Moormann und Labres Schwere(s)Los!. Zwischen 2013 und 2015 erhielten sie erste Gelder für ein Kooperationsprojekt mit der Diakonie, der Caritas und der Freiburger Hilfsgemeinschaft. 2017 folgte die nächste erfolgreiche Antragsstellung, durch die auch ein Umzug in die jetzigen Räumlichkeiten im Kleineschholzweg möglich war. Ein leichtes Los hatten sie bei der Akquise von Fördergeldern nie, wie Michael Labres erzählt: "Einerseits sollen solche Anträge so konkret wie möglich sein, anderseits sollen unsere Angebote aber auch offen bleiben, damit Experimente möglich sind."

Eines dieser Experimente ist "strange – Das andere Freiburg!". Die Sozialarbeiterin und Kunsttherapeutin Jasmin Kirschbaum leitet das Theaterprojekt für Jugendliche und junge Erwachsene. Dabei tritt sie nicht als tonangebende Regisseurin auf, sondern lässt alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer eigene Idee beisteuern: "Was entstehen will, wird entstehen."

Tanz und elektronische Musik verbinden

Mittlerweile bietet das Team von Schwere(s)Los! nicht nur Kunst- und Kulturprojekte an. So organisiert der Verein beispielsweise Computer für Kinder von Familien, die Hartz IV beziehen. Auch für die Förderung von Einzelangeboten setzt sich der Verein ein. Sozialarbeiter und Musiker Maciej Szymczyk arbeitet in diesem Rahmen mit einem Rapper aus Benin zusammen, bei dem eine Schizophrenie diagnostiziert wurde. "Maciej kommt aus der elektronischen Musikszene, bringt durch seinen Background aber auch soziale Kompetenzen mit", betont Michael Labres.

Zusammen mit Tänzerin Lisa Hoffmann entwickelt Maciej Szymczyk momentan ein weiteres Projekt, das bald starten soll. Mit "Klangkörper" möchten sie Tanz und elektronische Musik verbinden. Was das konkret heißt, können sie noch nicht sagen: "Wir wollen es gerne offen halten, damit eine große Möglichkeit an Begegnungen zustande kommt", erklärt Lisa Hoffmann, die zu Schwere(s)Los! über ein Praktikum kam.

Ein Café auf Spendenbasis ist geplant

"Wer hier arbeitet, muss mit Konflikten innerhalb einer Gruppe umgehen und Räume für alle Menschen schaffen können", erklärt Maren Moormann. Da die Angebote kostenfrei sind, sinkt aber auch die Verbindlichkeit, was weitere Schwierigkeiten mit sich bringt: "Was wir aushalten müssen, ist, dass auch mal niemand kommt."

Auf die Frage, was mit Schwere(s)Los! in den nächsten fünf Jahren geschieht, hat Moormann konkrete Antworten. Im Kleineschholzweg seien sie noch recht versteckt, doch das soll sich ändern. Nach einem Umbau möchte sie die Räumlichkeiten um ein Café auf Spendenbasis erweitern. Auch durch die Fusion mit "Räume für Kunst und Therapie" sollen noch mehr Menschen angesprochen werden. Michael Labres fasst es zusammen: "Ich wünsche mir ein soziokulturelles Zentrum, in das alle Menschen mit ihren Projektideen kommen können."
Schwere(s)Los! e.V.