Dieser Freiburger hat den Frühling in 360° Grad-Videos eingefangen

Felix Klingel

Als Erinnerung an Freiburg hat Jan Raiber 2018 den Frühling in der Stadt dokumentiert. Herausgekommen sind interaktive Stimmungsbilder von verschiedenen Orten, die richtig Bock auf den Frühling 2019 machen.

Jan, warum hast du den Frühling in Freiburg eingefangen?

Die ursprüngliche Idee kam, weil ich vergangenes Jahr aus Freiburg wegziehen wollte. Ich hatte die Stadt aber ins Herz geschlossen und gemerkt, dass ich einige Orte gar nicht so richtig gut kenne. Dann fing es plötzlich zu blühen an und ich habe Lust gehabt, das aufzunehmen und ein paar Orte besser kennenzulernen. Quasi als Erinnerung zum Anschauen.

Freiburg im Frühling mit dem Fahrrad in 360 Grad



Was für Bilder wolltest du einfangen?

Mir ging es darum etwas von der Stimmung einzufangen. Die hängt natürlich immer von den Leuten ab. Also habe ich nicht nur Bäume oder Pflanzen gefilmt. Es ging mir darum, ein Gefühl zu übertragen: Was ist da für eine Stimmung an genau diesem Ort.

"Teilweise waren Leute entrüstet über die Vorstellung, dass die Kamera in alle Richtungen filmt."

In den Videos sieht man immer wieder Menschen, die mehr oder weniger mit der Kamera interagieren.

Ja, das war sehr interessant, da mich die Leute teilweise auch angesprochen haben. Es ging dann öfter um die Frage der Privatsphäre. Teilweise waren Leute entrüstet über die Vorstellung, dass die Kamera in alle Richtungen filmt. Ich musste mich also erst einmal erklären und mich auf die Diskussion einlassen. In gewisser Weise finde ich das gut, dass die Leute da so wachsam sind. Alle die in den Videos nah an der Kamera und zu erkennen sind, habe ich angesprochen und gefragt, ob es in Ordnung ist, dass sie im Video sind.

Teilweise steht deine Kamera komplett alleine – hattest du nicht Angst, dass sie jemand klaut?

Ich hatte sie von weitem schon ein bisschen im Blick. Manchmal sieht man mich auch im Hintergrund, das ist also ein kleines Suchbild. In Freiburg gab es tatsächlich keine Probleme, aber ich war einmal auf einem Festival, da hat jemand versucht die Kamera umzuschmeißen.

Der Kanonenplatz aus der 360-Grad-Perspektive



Was fasziniert dich an 360° Grad-Videos?

Ich mag die Direktheit. Durch die Videos hat man das Gefühl vor Ort zu sein. Das habe ich mit dem klassischen Film lange versucht zu erreichen, also unverstellt und nah dran zu sein. Außerdem finde ich den Freiheitsgrad als Zuschauer reizvoll. Ich kann entscheiden, wo ich hinschauen will.

Was sind die Schwierigkeiten bei dieser Art zu filmen?

Es gibt Herausforderungen, wenn man damit ganze Filme machen möchte: Denn die 360° Grad Videos kann man nicht schneiden, wie einen normalen Film. Das ist einerseits total einschränkend, aber es hat auch etwas puristisches und direktes. Das ist eine Herausforderung, die Bildsprache funktioniert ganz anders. Das will ich ein bisschen erforschen und diese Reihe in Freiburg war ein erster Anfang dazu.
  • Freiburg im Frühling in 360° Grad: Playliste

Jan Raiber ist 39 Jahre alt und Dokumentarfilmer. Ursprünglich kommt er aus Leipzig, für ein Regie- Studium ging er dann nach Ludwigsburg und lebt seit vier Jahren in Freiburg. Die Pläne wegzuziehen haben sich allerdings zerschlagen: Er bleibt erst einmal noch in der Stadt.

Tipp: Die Videos am besten mit einer VR-Brille anschauen. Sie funktionieren aber auch am Bildschirm. Man sollte aber Kopfhörer nutzen, denn der Sound verändert sich je nach Blickrichtung.

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