Diese Woche zeigt das Kommunale Kino die besten lateinamerikanischen Filme der vergangenen Jahre

Simon Voss

Im alten Wiehrebahnhof findet ab kommenden Mittwoch wieder das Cine Latino statt. Eine Woche lang laufen 17 Filme aus Lateinamerika. fudder hat mit Florian Fromm gesprochen, der das Festival betreut.

Florian, wie ist das Cine Latino entstanden?

Florian Fromm: Paulo de Carvalho hat das Festival gegründet. Der ist selbst Filmproduzent und ist als Brasilianer in Deutschland gelandet. Er hat damals beschlossen mit Hilfe seiner Kontakte in der Filmbranche brasilianische Filme zu zeigen. Angefangen hat er damit 1993 in Tübingen, später hat er dann in Stuttgart, Reutlingen und eben in Freiburg angefragt. Denn natürlich ist es einfacher, größere Filmproduktionen zu bekommen, wenn der Film nicht nur einmal vor 50 Leuten in Tübingen läuft, sondern vielleicht in Tübingen vor 200 Leuten, in Freiburg vor 90 Leuten und in Stuttgart vor 100 Leuten. Über die Jahre ist das Ganze immer größer geworden und wurde auf Filme aus ganz Lateinamerika ausgeweitet.

Und wie kam das Festival ins Kommunale Kino?

Freiburg kam Ende der 90er als Spielstätte dazu. Für den Versuch, das Festival auf andere Städte auszuweiten, bot es sich an, erst mal ein kleineres Kino zu nehmen. So kam Paulo auf das Kommunale Kino. Zumal wir nicht auf kommerziellen Erfolg angewiesen sind, man also auch mal ein bisschen experimentieren kann. Dann lief es tatsächlich so gut, dass man gemerkt hat, dass sich das vielleicht auch kommerziell rentieren könnte. Bis dahin hatte aber schon so ein enges Zusammenwachsen stattgefunden, dass das Cine Latino nicht mehr in einem anderen Freiburger Kino vorstellbar war.

Was ist das Besondere am Cine Latino?

Durch seine guten Kontakte hat Paulo de Carvalho die Möglichkeit, wirklich die Filme ins Kino zu holen, die er möchte. Bei kleinen Festivals krankt es ja manchmal daran, dass sie am Ende spielen müssen, was sie kriegen. Das ist beim Cine Latino eben nicht so. Wir können aus fast allen neueren lateinamerikanischen Filmen ein Programm zusammenstellen.

Eine Art Highlight ist es natürlich immer, wenn man Regisseure oder Produzenten von Filmen zu Gast hat, die gezeigt werden. Dieses Jahr werden bei vier Filmen die Regisseure beziehungsweise Produzenten anwesend sein.

Wie genau werden die Filme für das Cine Latino ausgewählt?

Die Auswahl kommt zum einen so zustande, dass Filmemacher selbst Filme einschicken. Und aus diesen Hunderten von Einsendungen wird gesichtet. Das klingt schön - nur Filme gucken von morgens bis abends, aber es ist wirklich eine krasse Arbeit. Man muss ja auch begründen können, warum man 99 Prozent der Filme nicht ins Festival aufnimmt. Aber ein großer Teil der Filme kommt auch über Sichtungen auf anderen Festivals. Alle Programm-Mitglieder fahren auf die großen Festivals wie die Berlinale und gucken, was es an guten neueren Filmen aus Lateinamerika gibt. Und gerade Paulo ist oft in Brasilien und schaut sich auch dort auf Festivals um. Häufig ist er dort schon im Gespräch mit Produktionsfirmen und Filmemachern.
Was: 25. CineLatino-Festival
Wann: 18. bis 25. April 2018
Wo: Kommunales Kino Freiburg
Eintritt (Eröffnungsfilm): 7 Euro; ermäßigt 5 Euro
Web: Das Cine Latino im Kommunalen Kino Facebook: Kommunales Kino Freiburg

Unter anderem werden gezeigt:

Los Nadie: Ana ist entschlossen, nicht das konventionelle Leben ihrer Familie leben. Stattdessen treibt sie sich mit ihren Freuden auf den Straßen herum, raucht Marihuana und führt Kunststücke auf. Der in Schwarz-Weiß gedrehte Film erzählt von einer Gruppe junger Punks, die im trostlosen Medillin vom Reisen und der Freiheit träumen.

Das Regidebüt von Juan Sebastián Mesa wurde unter anderem 2017 in Venedig mit dem Publikumspreis ausgezeichnet.

Los Nadie läuft am Montag, 23.04. um 19:30 Uhr auf Spanisch mit englischen Untertiteln.

Corpo Elétrico: Elias arbeitet als Assistent der Geschäftsführung in einer Großschneiderei, – ein aussichtsreicher Job, aber auch sehr anstrengend. Zum Ausgleich verbringt er seine Freizeit mit Kollegen, Liebhabern und Drag-Performern in Clubs und am Meer. Doch er muss sich entscheiden: Will er Karriere machen oder weiter ausgiebig das Nachtleben genießen?

Corpo Elétrico läuft am Samstag, 21.04. um 21:30 Uhr auf portugiesisch mit deutschen Untertiteln. Bei der Vorstellung ist der Regisseur Marcelo Caetano zu Gast.