Diese Freiburger Künstlerin verarbeitet Fledermausgeräusche in ihrer Musik

Bernhard Amelung

Noise, Drone, experimentelle Klänge: Das Label Grubenwehr veranstaltet an diesem Freitag ein Mini-Fest in der KTS. Mit dabei ist die Freiburgerin Rym die mit Fledermausgeräuschen arbeitet. Was Menschen von diesen Tieren lernen können, erzählt sie im Interview.

Wie klingt eine Fledermaus?

Rym Nouioua: Klack-klack-klack. Klack-klack-klack. Klack-klack-klack.

Wie bitte?

Rym Nouioua: Das Geschrei der Fledermäuse liegt im Ultraschallbereich. Das menschliche Ohr ist nicht dazu ausgelegt, sie zu hören. Für die Fledermäuse klingt es allerdings wie ein Klackgeräusch.

Wie muss man sich das konkret vorstellen?

Rym Nouioua: Sie stoßen Schallwellen über Mund und Nase aus, die im Frequenzbereich zwischen 25 und 150 Kilohertz liegen. Über ein Echolotsystem messen sie einerseits die Entfernung zum nächsten Objekt. So orten sie zum Beispiel ihre Beute. Andererseits kommunizieren sie darüber miteinander. Sie können darüber auch feststellen, ob sich in ihrer Nähe eine andere Fledermausart befindet.

Kann eine Fledermausart die andere verstehen?

Rym Nouioua: Dazu gibt es tatsächlich Forschungen. Die verschiedenen Arten können sich gegenseitig verständigen, zum Beispiel bei der Jagd auf Insekten. Sie weisen einander auf Jagdgebiete hin und teilen diese untereinander.

Für dein Kunstprojekt "Batsounds and Beats" machst du Fledermausgeräusche für das menschliche Ohr hörbar. Wie geht das?

Rym Nouioua: Ich arbeite mit Detektoren im Wald, mit einem sogenannten Batlogger. Das ist eine kleine Box mit Mirkofonen, die auf Ultraschallwellen ausgerichtet sind. Mit diesen kann ich das Geschrei der Fledermäuse aufnehmen. Danach jage ich die Aufnahmen durch ein Computerprogramm, das die Geräusche in hörbare Frequenzen umwandelt. Der physikalische Prozess erfolgt nach dem Überlagerungsprinzip. Muss ich das erklären?

Nein. Wie kommt man überhaupt an diese Tiere ran?

Rym Nouioua: Ich habe an der Uni einen Kurs zum Thema Fledermäuse und Fledermauserfassung belegt. Da habe ich ihren Lebensraum ermittelt, Jagdgebiete, Flugrouten, etcetera. Ich habe viel in der freien Natur gearbeitet, da ich es für falsch halte, wilde Tiere in einem Labor eingesperrt zu halten.

Wie bringst du die erfassten Fledermausschreie auf das Kunstparkett?

Rym Nouioua: Ich nehme die umgewandelten Töne wiederum auf, verwende sie unbehandelt oder verfremde sie. Aus diesem Material erarbeite ich dann meine Sounds für "Batsounds and Beats".

Worum geht dir dabei?

Rym Nouioua: Ich möchte die Wechselbeziehung von Menschlichem und Nicht-Menschlichem veranschaulichen und Berührungspunkte von menschlichem und tierischem Lebensraum schaffen.

Kannst du das näher ausführen?

Rym Nouioua: Ich nehme als Beispiel den Klimawandel. Veränderungen im Klima betreffen nicht nur den Menschen, sondern auch Tiere. Tiere nehmen solche Umweltveränderungen anders wahr als wir. Deshalb finde ich es wichtig, Ökologie zum Teil der Künste zu machen, um auch darauf hinweisen zu können.

Welche Erkenntnis hast du aus deiner Forschungsarbeit gewonnen?

Rym Nouioua: Fledermäuse sind viel sozialere Wesen als Menschen. Sie unterhalten sich untereinander viel komplexer und artübergreifend. Das finde ich eine schöne Erkenntnis. Menschen bleiben viel mehr unter sich. Daraus ziehe ich für mich, dass wir Menschen mehr miteinander kommunizieren sollten. Wir sollten aber auch noch stärker auf unsere Umwelt eingehen. Der Mensch soll nicht mehr so sehr im Mittelpunkt stehen.

Wie meinst du das?

Rym Nouioua: Die menschliche Wahrnehmung ist begrenzt. Wir können so viele Dinge nicht wahrnehmen und erfassen, die es aber auch noch gibt auf dieser Welt. Allein schon bei den Frequenzbereichen. Wir können vieles nicht sehen und hören. Dessen sollten wir uns stets bewusst sein.
Zur Person

Rym Nouioua, 25, hat an der Universität Freiburg Waldwirtschaft und Umwelt studiert. In ihrer Bachelorarbeit hat sie über Sozialruftöne von Fledermäusen geforscht. Zuletzt hat sie für das Graduiertenkolleg ConFoBi gearbeitet.

  • Was: Grubenwehr Freiburg w/ Nogood, Karnov, Grodock, Fahrtenschreiber, Die Hunde, Materialeinschüchterung, Rymgyn, Uenay
  • Wann: Freitag, 15. März 2019, 21 Uhr
  • Wo: KTS, Basler Straße 103, 79100 Freiburg

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