Minimalistische Mode

Diese Firma hat nur ein einziges Produkt – sie behauptet, es sei das perfekte weiße T-Shirt

Julius Steckmeister

Zwei Modemacher aus Freiburg und Merdingen glauben, das ultimative weiße T-Shirt entworfen zu haben. Sie vermarkten es unter ihrem eigenen Modelabel Whytes.

Thomas und Nadia Escher haben ihren Traum verwirklicht: Mit der Firma Whytes hat sich das junge Paar den Wunsch nach einem eigenen Modelabel erfüllt. Derzeit vertreibt Whytes nur ein einziges Produkt, dieses aber mit einem sehr hohen Anspruch: Die beiden Gründer sind sich sicher, das perfekte weiße T-Shirt kreiert zu haben.


Das Basic der Herrenkleidung, das 100 Prozent in Deutschland produziert wird, hat es bereits in die Modewelt und Lifestyle-Magazine geschafft. Zugegeben, wenn man sich mit Nadia und Thomas Escher trifft, fühlt man sich irgendwie furchtbar schlecht angezogen. Das Paar macht in Mode, und das sieht man auch.

"Die Kreativität hat mir gefehlt" Nadia
Nadia und Thomas sind Style – man selbst ist bloß irgendwie bekleidet. Nadia Escher ist 34, in Tunesien geboren und in Freiburg aufgewachsen. Hier machte sie Abitur und studierte Betriebswirtschaftslehre, vermisste aber irgendwas im Job. "Die Kreativität hat mir gefehlt", sagt sie. "Zu 100 Prozent made in Merdingen" ist Thomas Escher. In der Tuniberggemeinde lebte er mehr als 20 Jahre. Zum Studium verschlug es ihn in die nicht wirklich weite Ferne: In Ravensburg studierte er Medien- und Kommunikationswirtschaft. 2008 lernten sich Nadia und Thomas Escher auf einer Weihnachtsfeier kennen.

Kein Jahr später wohnten die zwei in New York, "der geilsten Stadt der Welt", wie Thomas Escher betont. "Wir hatten beide keine Auslandserfahrung, das wollten wir dort nachholen."

Kein Zuckerschlecken in New York

Tatsächlich standen die zwei im Big Apple ohne Wohnung und ohne Job. Sie bezogen ein Hotel uns suchten unter Hochdruck nach einer dauerhaften Bleibe – in einer der teuersten Städte der Welt. "Nach einer Woche hatten wir die Wohnung, nach fünf Wochen beide Jobs", sagt Thomas Escher. "Gas geben" müsse man allerdings schon, sagt er über das Tempo der Weltmetropole.

"Es war kein Zuckerschlecken, aber eine Herausforderung, mit von der Partie zu sein", ergänzt Nadia Escher. Für ein Jahr war der New York-Aufenthalt zunächst angedacht – fast fünf Jahre wurden daraus. Die beiden arbeiteten, und Nadia Escher studierte nebenher Modedesign.

Muss im Kleiderschrank

"Schon bald, nachdem wir drüben waren, kam uns die Idee zu den weißen T-Shirts", erzählt Thomas Escher, für den der Klassiker, der einst schlicht ein Unterhemd war und durch James Dean Kultstatus erlangte, ein Muss im eigenen Kleiderschrank ist. Umso erstaunter war er, dass es ihm selbst im Internet nicht gelingen wollte, ein weißes T-Shirt zu finden, das seinen Ansprüchen genügte: weiß, formstabil, mit guter Passform und reellem Preis.

"Es gab nur billigen Schund oder extrem hochpreisige Designerware, aber kein Produkt in der Mitte", sagt Escher. "Bei uns hingegen zahlt man keinen Namen, sondern nur Qualität."

Rezept für das T-Shirt der T-Shirts

Aus dem hohlen Bauch kam das "perfekte weiße T-Shirt" jedoch nicht. "Wir haben etwa 400 Modeexperten weltweit befragt, wie das perfekte weiße T-Shirt auszusehen hat", berichtet Nadia Escher von den Recherchen. "Man muss die internationalen Meinungsmacher ansprechen. Ideen aus dem stillen Kämmerlein sind oft Rohrkrepierer", sagt Thomas Escher. Aus den Umfragerückläufern filterten die Zwei ihr Rezept für das T-Shirt der T-Shirts.

"Ein Schwerpunkt ist der Stoff", sagt sie. Ihres besteht aus gekämmter Baumwolle, der Pflanzenfaser Modal und etwas Elastahn für den Sitz. "So sind die Shirts figurbetont im Schnitt und leiern nicht aus", sagen die Zwei. Aufgeräumt haben sie auch mit dem Größenwirrwarr. "Wir haben 150 Männer im Englischen Garten vermessen und uns daraus eine eigene Größentabelle gebaut", berichtet Nadia Escher von langen Sommertagen in der Wahlheimat München.

22 Prototypen entwickelt

Zwei Jahre hat die Suche nach dem perfekten Stoff gedauert. Er soll nicht nur form-, sondern auch farbstabil sein. 22 Prototypen wurden entwickelt und 150 Waschtests unterzogen, bis die Firma Anfang 2016 mit dem "perfekten weißen T-Shirt" an den Start ging. Verkauft wird es hauptsächlich über das Internet und eine wachsende Zahl von Partner-Stores.

Leben können die beiden Eschers noch nicht vom Verkauf der Shirts. "Eventuell mal Oberhemden", antwortet Thomas Escher auf die Frage nach einer Vergrößerung der Produktpalette. Eine farbliche Erweiterung könne ein schwarzes Produkt sein, ergänzt er lachend.

Weitere Informationen unter http://www.whytes.co