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Diese beiden Freiburger wollen Freiburgs erstes Zeitcafé eröffnen

Paula Teichert

Sie werden Zeitcafé oder auch Anti-Café genannt: Cafés, in denen nicht der Konsum berechnet wird, sondern die Zeit, die man dort verbringt. Zwei Freiburger wollen dieses Konzept nun nach Freiburg bringen – sie stehen noch ganz am Anfang.

Ein Café, ein Ort der Begegnung, des Austausches und der Kollaboration, ein Ort an dem man ins
Gespräch kommt, aber auch ganz in Ruhe arbeiten kann, ein Ort an dem sich ein jeder willkommen und zu Hause fühlt, ein Ort an dem man einfach sein kann und ein Ort an dem man natürlich einen richtig guten Kaffee bekommt – das wünschen sich Francesca Carlin und Lukas Bischof in Freiburg. Deswegen wollen die beiden einen ebensolchen Ort in Freiburg schaffen: Freiburgs erstes Zeitcafé.


Ein Zeitcafé, auch "Anti-Café" genannt – was ist das? Wie der Name verrät spielt die Zeit dort eine entscheidende Rolle. Denn anders als in einem normalen Café zahlt man nicht für die Getränke und das Essen, das konsumiert wird, sondern einzig für die Zeit die man hier verbringt – alles andere ist im Preis inklusive. Neben einem gemütlichen Café-Bereich soll es auch schnelles WLAN und mit Steckdosen ausgestattete Arbeitsplätze geben für Menschen, die gerne im Zeitcafé arbeiten wollen. Räume, die sich für Workshops, Seminare oder andere Veranstaltungen mieten lassen, soll es auch geben.

Die Idee der beiden stammt aus Moskau

Kennengelernt haben Lukas und Francesca das Konzept in Moskau, wo beide mehrere Jahre
lebten. Bereits 2011 eröffnete dort das erste Café dieser Art, das "Ziferblatt". Francesca, ursprünglich aus den USA, verbrachte viel Zeit im "Ziferblatt" um Theaterworkshops zu geben, um in Ruhe zu arbeiten und um Leute kennenzulernen. Lukas, gebürtiger Freiburger, zog es während seiner Promotion über die Governance postsowjetischer Hochschulsysteme in die russische Metropole und er schrieb den Großteil seiner Dissertationsarbeit im Moskauer Zeitcafé. Als die beiden vor einigen Jahren (Francesca erstmals und Lukas wieder) nach Freiburg zogen, fehlte ihnen in Freiburg ein ebensolcher Ort, der ihnen in der Ferne zu einem zweiten zu Hause geworden war. Und so war die Idee geboren, auch in Freiburg ein erstes Zeitcafé zu eröffnen.

Außer in Russland findet das Konzept langsam auch in vielen anderen Ländern Anklang und erreichte 2017 auch Deutschland. Im Berliner Stadtteil Wedding gibt es seit Juni 2017 das "Be’kech" — Deutschlands erstes Zeitcafé, und kurze Zeit später eröffnete mit dem "Klokke" auch in der Mannheimer Neckarstadt eine solche Lokalität. Wenn es nach Francesca und Lukas geht, soll Freiburg jetzt die dritte im Bunde werden. Lange allein blieben Francesca und Lukas auch in Freiburg nicht mit ihrer Idee. Sie begeisterten Freunde und Bekannte von dem Zeitcafé oder trafen auf Menschen die das Konzept bereits kannten und schnell überzeugt waren: So etwas braucht Freiburg auch! Mittlerweile zählt das Zeitcafé-Team zwölf Mitglieder. Alle sind hauptberuflich in unterschiedlichen Bereichen tätig und bringen so ganz verschiedene Kompetenzen und Erfahrungswerte mit. So sind einige von ihnen Social Media Experten, Texter, Gastronomen, Projektmanager, Graphiker, Webdesigner oder ITler.

Erst die Community, dann der Raum und das Geld

Für Francesca und Lukas stehen finanzielle Gedanken bei diesem Projekt nicht im Vordergrund. Sie wollen einfach einen zugänglichen Raum in Freiburg schaffen, an dem sich jeder willkommen
fühlt, an dem sozialer Austausch stattfinden kann, an dem es kulturelle Veranstaltungen gibt und
eine Gemeinschaft entsteht. Wichtig ist den beiden, dass sich diese Gemeinschaft bereits im Entstehungsprozess des Zeitcafés entwickelt und mit einbezogen wird. "Wir wollen erst eine Community schaffen, die sich für das Zeitcafé begeistert und es mit uns zusammen umsetzen will und dann den Raum schaffen der zu dieser Community passt."

Für den Moment ist das Zeitcafé Freiburg noch Zukunftsmusik und es gibt noch einige offene
Fragen wie beispielsweise die passende Räume oder die Finanzierung zu klären. Die momentane Wunschvorstellung von Lukas und Francesca ist es Anfang bis Mitte des Jahres 2020 die ersten Besucher im Zeitcafé begrüßen zu können. Wie viel eine Stunde im Zeitcafé kosten soll haben sie sich bereits überlegt: Fünf Euro für die erste Stunde, drei Euro für jede folgende Stunde und für alle die länger bleiben möchten soll es eine Obergrenze von 15-20 Euro pro Tag geben.

"Solange es eine Community gibt, die diese Idee gut findet und in Freiburg umsetzen möchte, wird es klappen."

Doch auch wenn es mit Raumen und Finanzierung bis 2020 nicht klappen sollte, Sorgen, dass es mit dem Zeitcafé nichts wird, machen sich die beiden nicht: "Wir sind hier, wir wollen diesen Ort schaffen und wir haben Zeit. Solange es eine Community gibt, die diese Idee gut findet und in Freiburg umsetzen möchte, wird es klappen."

Das wollen die beiden nun herausfinden. Für alle, die gerne mehr über das Zeitcafé erfahren wollen oder mitwirken möchten, findet am 23. Juni von 17.30 bis 20 Uhr ein Community-Event im Waldsee statt. Bei diesem Event stellt das Team allen Interessierten seine Idee genauer vor und will in einem "World-Café" gemeinsam mit den Besuchern Gedanken dazu entwickeln, wie das Zeitcafé in Freiburg aussehen könnte. Weitere Infos gibt es auf der Webseite, Facebook, Instagram oder Twitter.

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