Diese beiden Freiburger sind mit einem selbstgebauten Trike nach Schottland und zurück gefahren

Jana Katharina Luck

Verrückte Idee: Mit einem selbstgebauten Trike einmal von Freiburg nach Schottland fahren und wieder zurück. Jonathan und Noé haben genau das gemacht. Warum sie Navigationsprobleme hatten und kalte Füße der größte Feind auf Reisen sind.

2 Jungs, 5000 Kilometer, 50 Einzelteile, 1 Trike, 150 Kilo, 16 Wochen – das ist das Rezept für die Tour von Noé Henkes und Jonathan Morgenstern. Nach dem Abi dachten die beiden 19-Jährigen sich: Eine Radtour machen, das wärs. Aber miteinander reden wollten sie dabei! Weil nebeneinander auf dem Fahrrad zu fahren ja langweilig gewesen wäre, schraubten die beiden sich ein eigenes Trike zusammen, auch genannt "Cycletron" oder wie sie es nennen "Fat Fred".


Beide strampeln, einer lenkt, der andere schmiert dabei Brote. So die Idee. Nach vier Wochen Tüfteln, Schrauben und Basteln war das Gefährt gebaut und los ging die Tour, immer am Rhein entlang bis nach Amsterdam, mit der Fähre auf die britische Insel und von dort aus immer weiter nach Norden, eine Rundreise über Schottland und wieder zurück nach Freiburg.

Die beiden lernten sich an der Schule kennen

Technikbegeistert sind Noé und Jonathan sowieso, sie haben ihr Abitur an einer technischen Hochschule gemacht, der Richard-Fehrenbach-Gewerbeschule. Dort haben die beiden sich auch kennen gelernt, vor drei Jahren.

Baupläne für ein Rad, wie die beiden es im Kopf hatten, gab es im Internet. "Aber die waren uns zu aufwendig", sagt Jonathan. "Und zu teuer." 1.500 Euro hätte allein das Material gekostet – "das war uns zu viel", sagt Noé. Also musste ein eigener Plan her. "Teuer waren gute Hinterräder und die Nabenschaltung", sagt Jonathan.

Etwa 800 Euro gaben sie für ihr Gefährt aus

Mit insgesamt etwa 800 Euro war "Fat Fred" aber immer noch deutlich günstiger als zwei vollausgestattete Tourenräder. 70 Kilogramm Baustahl bestellten sie auf Ebay, die kantigen Stahlrohre verschweißten sie zum Doppel-Rad. "Wenn man schweißen kann, ist das eigentlich kein Problem", sagt Jonathan. "Und es ist eben learning by doing. Nach fünf Versuchen weiß man, wie es klappt."

Aufwendig sei es nur gewesen, ein Tretlager zu bekommen. "Wir haben wir das dann einfach aus zwei Fahrrädern ausgebaut", sagt Noé. Auch, passende Sitze zu finden, erwies sich als nicht ganz so einfach. Die Lösung: Zwei Gartenstühle, deren Metallrohre sich gut verbauen ließen. Die Plastikschalen boten eine gute Sitzfläche. "Wir haben eben einfach ein paar Sachen modifiziert und umgebaut", sagt Jonathan und grinst.

Wie reagierte ihr Umfeld auf den außergewöhnlichen Reiseplan? "Unsere Freunde und Familie fanden die Idee toll", sagt Jonathan. "Sorgen haben die sich nicht gemacht. Mein Dad hat vor 20 Jahren auch mal so eine Radtour gemacht." Das Zelt, in dem Jonathans Vater damals schlief, hatten die Cycletron-Jungs auf ihrer Tour auch im Gepäck.

Das größte Problem bei der Reise: die Kälte

Ende August ist "Fat Fred" fahrbereit. Die beiden strampeln los. "Am Anfang hatten wir ganz schön Muskelkater", sagt Noé. Denn: Die Fahrer liegen mehr im Trike, als dass sie sitzen. "Wir sind beide gute trainierte Radfahrer", sagt Jonathan. "Aber diese Tretbewegung war ungewohnt, mehr nach vorne als nach unten." Je nach Strecke legen die Freiburger Abiturienten zehn bis 100 Kilometer zurück. "Das lag sehr an der Beschaffenheit der Straße oder auch der Steigung natürlich", sagt Jonathan. "Und manchmal kamen wir einfach nicht voran. In einer Woche hatten wir ganze 20 Platten, 6 Schläuche haben wir verbraucht.

War das die größte Herausforderung auf der Reise? "Nein. Die Kälte war am schlimmsten, vor allem zum Schluss", sagt Noé. Jonathan nickt: "Am Ende haben wir immer kalte Füße gehabt." Manchmal seien sie dann eine Strecke gelaufen, um die Füße wieder etwas beweglicher zu machen.

Meistens übernachten sie im Zelt

Nachts schlagen die beiden ihr Zelt auf, irgendwo im Wald. Im Hostel schlafen sie nur selten. "Unsere Regel war: Wenn alles nass ist oder einer krank, dann gehen wir ins Hostel", sagt Jonathan. Geduscht wurde also meistens eiskalt, manchmal gab es ein heißes Fußbad - Luxus. "In Schottland konnten wir auch in Seen und Flüssen baden", erzählt Noé. "In England war das Wasser aber meistens zu schmutzig."

Zur Orientierung nutzen die beiden Offline-Karten. Aber: "Die waren wohl nicht komplett heruntergeladen." Beim Ranzoomen sahen sie zu Anfang nur die großen Straßen, keine Radwege. Noé: "Also sind wir mit dem Kompass gefahren. Immer nach Norden. Das hat meistens hervorragend funktioniert. Das Gefühl, von der Natur verschluckt zu werden, ist unbeschreiblich. Wie auch die Natur, gerade der Highlands, kaum in Worte zu fassen ist."

Beim aus dem Wagen herauswinken hat man sich gefühlt wie der Papst

Das schönste an der ganzen Reise, sagen die beiden, war die Gastfreundschaft der Leute. "Unser Trike hat immer Aufmerksamkeit erregt", sagt Jonathan. Die Menschen gucken neugierig, kommen näher, winken, rufen. "Ich habe mich manchmal gefühlt wie der Papst", sagt Noé und muss lachen. "Immer so aus dem Wagen herauszuwinken." Aber es blieb nicht beim Winken: "Viele haben uns eingeladen, auf ein Bier, eine heiße Schokolade oder am Nikolaus zum Beispiel auf ein richtiges Festessen mit der Großfamilie."

Diese Begegnungen seien es gewesen, die die Reise so besonders gemacht hat. "Auch die Mentalität der Leute, gerade in Schottland, hat mich fasziniert", sagt Jonathan. "Die ist total verschieden. Zum Beispiel haben sie ein völlig anderes Verhältnis zur Zeit, viel entspannter."

Als Musiker verdienten sie sich etwas Geld

Um sich die Reise zu finanzieren, versuchten sich Noé und Jonathan als Straßenmusiker. Geübt hatten sie das schon vorher - im Schultheater spielten sie in einer Band, und außerdem, sagt Noé, hätten sie sowieso immer musiziert, wenn es irgendwie ging. Mit zwei Ukulelen und einer Melodica spielten sie "immer die gleichen zwei, drei Lieder" – wenn die Zuhörer "Fat Fred" neben den Musikern sahen und von der Geschichte der beiden hörten, spendeten sie gerne etwas, sagt Noé.

Und jetzt? "Erstmal überwintern", meint Jonathan. "Ski fahren, Urlaub, sowas." Noé will dann Mediengestalter werden, Jonathan "irgendwas Technisches". Aber das habe noch Zeit. Bis dahin wollen die beiden "Fat Fred" zu einem Partymobil umbauen.