Social Innovation Lab

Diese acht Projekte aus Freiburg wollen sozial etwas bewegen

Gina Kutkat

Bei der Social Innovation Night im Kreativpark Lokhalle standen am Mittwoch acht Projekte aus Freiburg im Rampenlicht: Skaten für seelische Gesundheit, eine Plattform fürs Raumteilen oder Hilfe für Menschen in Krisensituationen.

"Bei Innovation denkt man nicht sofort an etwas Soziales", sagt Hendrik Epe, Moderator der fünften Social Innovation Night in Freiburg. Zum ersten Mal findet diese in der Lokhalle am Alten Güterbahnhof statt. Der Abend soll den Fokus auf soziale Innovationen legen. "Denn technologische Innovationen bekommen viel Aufmerksamkeit, soziale hingegen nicht", sagt Jella Riesterer. Sie gehört zum Team des Social Innovation Lab, das den Abend organisiert hat. Das Lab ist vor neun Monaten als sozialer Zweig des Gründungszentrums Grünhof gegründet worden.


Es ist kalt und zugig in der Lokhalle, die Heizstrahler erreichen nicht alle der rund 100 Zuschauerinnen und Zuschauer, die auf einer Fläche hinter den Überseecontainern sitzen. Vor Aufregung etwas wärmer ist den Menschen auf der Bühne: In zehnminütigen Impulsvorträgen stellen sie die Projekte vor, an denen sie in den letzten neun Monaten im Social Innovation Lab gearbeitet haben. Sie haben das Sozionauten-Förderprogramm durchlaufen, also einen kostenfreien Co-Working-Platz im Kreativpark Lokhalle erhalten, an Workshops teilgenommen und eine individuelle Beratung erhalten.

Ideen für eine zukunftsfähige Gesellschaft

Es geht um Ideen, die der Gesellschaft helfen sollen, zukunftsfähig zu sein. Innovationen, die einen sozialen Gedanken im Kern tragen und etwas verändern können. Wie zum Beispiel EyeCaptain: Das Team hat eine auf Blickbewegungen basierende Rollstuhlsteuerung entwickelt. "Mit einem Eyetracker erfassen wir, auf welchen Bereich seines Tablets jemand blickt", sagt Maximilian Besold. Dadurch lässt sich der Rollstuhl mit den Augen steuern. Zusammen mit seinen drei Teammitgliedern plant er weitere technische Hilfsmittel für Menschen mit starken Bewegungseinschränkungen zu entwerfen. Das Team von Imachs ist schon einen Schritt weiter: Ihre gleichnamige App ist seit November 2018 auf dem Markt, knapp 1000 Menschen in Freiburg nutzen das Angebot. "Unser soziales Netzwerk beruht auf Fähigkeiten, die man mit anderen teilen kann", sagt Rachid Mahdi.

Eine gute Idee hatten auch Magdalena Langer und Finn Hees mit Roomsharing. Ihre Plattform soll Raumsuchende und Raumgebende zusammenbringen. Kein zweites Airbnb, aber so ähnlich: "Wir möchten Initiativen und Vereinen helfen, Räume zu finden", sagt Hees. Die beiden denken an Cafés, Büros oder Tanzstudios, die außerhalb der regulären Öffnungszeiten von anderen genutzt werden können. Aktuell entwerfen die beiden einen Prototypen. Auf viel Interesse stößt die Skaterin und angehende Gestalttherapeutin Sophie Friedel mit ihrem Projekt Drop In & Ride Out. Sie bietet therapeutische Skateboardkurse für Kinder und Jugendliche an. "Skatewellness für die Seele" nennt sie das; ihr nächster Kurs startet in den Osterferien.

Drei Projekte aus Wohlfahrtsorganisationen

Schon mitten drin in der Arbeit ist der Verein Bildung für alle. Er ermöglicht im Raum Freiburg kostenfreie Deutschkurse für Geflüchtete, 250 Erwachsene werden derzeit von Ehrenamtlichen unterrichtet.

Neben den Start-Ups sind auch drei Projekte aus Wohlfahrtsorganisationen dabei, die schon länger bestehen. Der Verein Ask, der Menschen in Krisensituationen niederschwellig berät, die Akademie Hofgut Himmelreich, die ein Bildungs- und Beratungsprogramm für Menschen mit Behinderung entwickelt hat und das Weltenhaus in Müllheim der Diakonie Breisgau Hochschwarzwald: Ein Projekt, in dem sich Langzeitarbeitslose verwirklichen können. Innovationen gibt es eben auch im sozialen Bereich.

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