Typologie

Diese 8 Klimaanlagen-Nutzertypen gibt es auch in Ihrem Büro

Florian Kech

Klimaanlagen sind Spaltpilze der Gesellschaft. Ihre Gegenwart teilt das friedliche Büro in zwei feindliche Lager – mit unterschiedlichen Verhaltenstypen. Hier sind die acht wichtigsten.



1.
Der Eskimo
Mit jedem Grad Celsius, um die die Außentemperatur ansteigt, regelt er die Klimaanlage konsequent um zwei Grad herunter. Dabei beruft er sich auf den Vierten Hauptsatz der Thermodynamik, den der Hobbyphysikus selber erfunden hat. Auf diese Weise hat er bis Mitte August das Büro auf Iglu-Standard heruntergekühlt. Über sechzehn Grad kann man nicht denken, denkt er. Ab 17 Grad zeigt er ernste Anzeichen von Dehydrierung. Ab 18 Grad setzen Schwindel und Halluzinationen ein. Ab 19 Grad berichtet er über erste Nahtoderfahrungen. So wie die Eskimo-Sprache angeblich hundert verschiedene Begriffe für Schnee kennt, kennt der Büro-Eskimo hundert Argumente für den Dauerbetrieb einer Klimaanlage.


2. Die Frischluftfanatikerin
Anstelle eines "Guten Morgen" bevorzugt sie im Büro Begrüßungsfloskeln wie: "Hier riecht es wie im Affenstall!" Das macht sie unter den angesprochenen Kollegen äußerst beliebt. Ihr Problem ist neben der Hitze vor allem der Mangel an Sauerstoff, ihre größte Furcht gilt dem schleichenden Erstickungstod. Sie hängt dem technikfreundlichen Mythos an, die Klimaanlage würde die verbrauchte Büroluft filtern. Extremistinnen unter ihnen glauben auch an die luftreinigende Wirkung von Wunderbäumen und benutzen Raumsprays, wenn nötig, auch im Freien.

3. Der Kombinierer
Bei ihm kommt beides zusammen: das Streben nach Abkühlung und die Gier nach Frischluft. Sein Frischluftfanatismus ist allerdings gepaart mit einer latenten Technikskepsis. Was die Zufuhr unverbrauchter Luftmassen angeht, traut er der Klimaanlage nicht über den Weg. Der Interessenkonflikt führt über kurz oder lang zu einer gespaltenen Persönlichkeit. Diese Gefahr bannt der Kombinierer mit einem simplen Trick: Klimaanlage auf volle Kraft stellen und dabei alle Fenster aufreißen. Die Minuspunkte in seiner persönlichen Klimabilanz gleicht er durch den Gebrauch eines E-Bikes und E-Zigaretten wieder aus.

4. Der Zartbesaitete
Laufende Klimaanlagen sind für ihn gezielte Angriffe auf die Gesundheit. Von der Zugluft bekommt er Kopfschmerzen. Oft laufen seine unteren Extremitäten blau an. In dramatischen Fällen drohen Zehenamputationen wie bei Reinhold Messner im Himalaya. Um bei den Kollegen um Verständnis zu werben, hält er in den Pausen Fachvorträge über Migräne und chronische Sinusitis. Außerdem klärt er auf über die Armeen von Bakterien und Schimmelsporen, die über das Gebläse in die Räume ausschwärmen. Einigen Zartbesaiteten macht auch das Brummen der Anlage zu schaffen. Die Infraschallbelastung kann bei ihnen mittelfristig zu Aussetzern im vegetativen Nervensystem und Tollwut führen.

5. Die Nachgiebige
Obwohl sie unter der Zugluft mindestens genauso leidet wie ihr zartbesaiteter Bruder, beugt sie sich dem Mehrheitswillen. Ganz selbstlos und demokratisch. Der Schal, in den sie sich halsaufwärts einwickelt, erfüllt dabei eine Doppelfunktion. Er schütz vor Erkältung und dient als gut sichtbares Symbol für ihr persönliches Martyrium. Gezielt platziertes Hüsteln untermalt ihre Passionsgeschichte zusätzlich. Aus Mitleid lenken die Empathiebegabten unter den Kollegen gelegentlich ein – und drehen die Klimaanlage um maximal ein Grad hoch.

6. Der Schwitzbold
Erst wenn sich die Poren öffnen, fühlt er sich lebendig. Ohne Schweißflecken traut er sich morgens kaum aus dem Haus. Bei tropischen Temperaturen zitiert er im Büro gerne gut gelaunt die Band 2Raumwohnung ("36 Grad und es wird noch heißer …") und seinen ehemaligen Klassenlehrer ("Es sind schon Leute erfroren, aber noch niemand erstunken."). Klimaanlagen sind für ihn die überflüssigste Erfindung der Menschheit, genauso unnütz wie Deodorants.

7. Die Saboteurin
Wenn sie sich im Büro aufhält, geschehen rätselhafte Dinge. Die Klimaanlage setzt plötzlich aus, obwohl sie schwört, beim Vorbeigehen den Abschaltknopf nicht berührt zu haben; die Fernbedienung verschwindet spurlos und wird erst Tage später wieder gefunden, ohne dass sie eine Erklärung hat, wie sie in ihrer Schublade landen konnte. Auch zu dem Panzertape, womit über Nacht die Luftschlitze verklebt wurden, will sie sich ohne ihren Anwalt nicht äußern.

8. Der Mediator
Er vermittelt zwischen den verfeindeten Lagern, indem er einen Kompromiss aushandelt. Der sieht einen klaren Zeitplan vor, wann die Klimaanlage läuft und wann sie pausiert. Zur Sicherheit werden die Absprachen vertraglich festgehalten. Er ist so etwas wie der Blauhelmsoldat im Bürokrisengebiet, der von Anfang an das betriebsschädigende Potential des Klimakonflikts erkannt hat und präventiv eingreift. Von ihm hängt jetzt alles ab, jedenfalls nach seinem Selbstverständnis.