Diese 11 Dinge fallen einem Luxemburger an Freiburg besonders auf

Frank Ohlhoff

Als unser Autor Frank vor zwei Jahren von Luxemburg nach Freiburg zog, befürchtete er keinen großen Kulturschock. Doch in der Stadt angekommen, bemerkte er schnell einige Eigenarten. Für fudder hat er sie aufgeschrieben.



1. Die vielen Fährräder

Man muss sich nur den Platz vor der UB anschauen, um festzustellen, welche Rolle Fahrräder im Alltag eines jeden Freiburgers spielen – und ich dachte immer so viele Fahrräder gäbe es nur in Amsterdam. In Luxembourg verlässt man sich selbst in den Städten meist auf das Auto oder den Bus. Dass man als Fußgänger in der Freiburger Innenstadt also besonders Acht auf diese Drahtesel geben sollte, habe ich bereits an meinem ersten Tag gelernt, als ich fast drei Mal von einem umgefahren wurde.

2. Die deutsche Bürokratie

Egal ob an der Uni, beim Einwohnermeldeamt oder als Hauptmieter in einer WG: Die deutsche Bürokratie hat mich schon so einige Male zur Verzweiflung gebracht. Dutzende Male wird man am Telefon weitergeleitet, weil niemand einem Auskunft geben kann und etliche komplizierte Formulare müssen ausgefüllt werden. Das Schwierigste an der Freiburger Uni ist nicht der Abschluss, sondern die Einschreibung.

3. Die günstigen Preise

Zugegeben: Freiburg ist verglichen zu anderen deutschen Städten sicherlich nicht das billigste Pflaster, vor allem hinsichtlich der Mieten. Aber wenn ich es mit meiner Heimat vergleiche, ist alles so viel günstiger. Luxemburg ist punkto Lebenskosten ein furchtbar teures Land und deshalb haben mich die relativ tiefen Preise für Mietwohnungen, Lebensmittel und sonstiges in Freiburg positiv überrascht.

4. Pfandflaschen

Ich musste immer wieder fluchen, wenn ich eine Pfandflasche aus der Mülltüte fischen musste, die ich versehentlich in die Tonne geworfen hatte. Das Pfandflaschensystem gibt es bei in Luxemburg nicht und deshalb brauchte ich einige Zeit mich daran zu gewöhnen die leeren Plastikflaschen aufzuheben um ein Mal im Semester mit einer riesigen Tüte zum nächstbesten Leergutautomaten zu pilgern, um somit den folgenden Einkauf zu finanzieren.



5. Deutsches Bier

Na gut, es grenzt schon an ein Klischee das deutsche Bier zu loben, aber es ist wirklich fantastisch. Vor allem die lokalen Schwarzwälder Sorten haben es mir angetan.

6. Die Wohnungssuche

Bisher habe ich mich nur zwei Mal in Freiburg auf Wohnungssuche begeben, aber ich hoffe es nie wieder tun zu müssen. Wochenlang werden WG und Wohnungsportale durchforstet, in etlichen Besichtigungen muss man sich Mitbewohnern und Vermietern zur Schau stellen und sie mit Sauberkeit, reichen Eltern oder anderen Qualitäten von sich überzeugen. Ich wurde schon im Voraus davor gewarnt dass es äußerst schwierig sei in Freiburg eine Wohnung zu finden, aber die Realität stellte meine Erwartungen dann doch in den Schatten.

7. Das gute Wetter

Der gute Ruf, den Freiburg als angeblich sonnigste Stadt Deutschlands genießt, war einer der vielen Gründe weshalb ich mich für diese Unistadt entschieden hatte. Denn zuvor hatte ich ein ganzes Jahr in Schottland verbracht und war nass-graues Wetter satt. Mein erster Freiburger Sommer erfüllte meine Erwartungen dann nicht nur, sondern übertraf sie bei weitem. Es gibt doch nichts Besseres als bei konstant gutem Wetter an der Dreisam oder am Seepark zu liegen.

8. Sonntags sind alle Läden geschlossen

Im nördlichen Teil Luxemburgs, wo ich aufgewachsen bin, sind alle Geschäfte sonntags offen, es war deswegen eine große Umstellung, dass in Freiburg alle Läden an diesem Tag zu sind. Mehr als ein Mal musste ich sonntags feststellen, dass ich nichts Essbares mehr im Haus hatte, weil ich vergessen hatte am Samstag, wie jeder gute Deutsche, meinen Hamstereinkauf fürs Wochenende zu erledigen.

9. Käsespätzle

Ich weiß nicht wie ich mein Leben bisher ohne diese schwäbische Köstlichkeit verbringen konnte, aber ich hoffe nie wieder darauf verzichten zu müssen. Denn Käsespätzle sind nicht kompliziert und stellen keine Fragen, Käsespätzle sind einfach nur für dich da.

10. Die Freundlichkeit der Menschen

Ich möchte wirklich kein schlechtes Bild von meinen eigenen Landsleuten zeichnen, aber Luxemburger sind zugegebenermaßen nicht die freundlichsten oder warmherzigsten Menschen auf diesem Planeten, vor allem nicht im Servicebereich. Dies ist mir erst wirklich aufgefallen, als ich nach Freiburg gezogen bin und erlebt habe wie vergleichsweise nett und zuvorkommend die Leute in dieser Stadt doch sind. Liegt vielleicht am Wetter …

11. Wie gut es mir hier gefällt

Die meisten Luxemburger, die im Ausland studieren, ziehen nach ihrem Abschluss wieder zurück in die Heimat, das war auch meine Erwartung als ich das Studium in Freiburg begann. Aber zwischenzeitlich hat sich der Plan geändert. Mittlerweile ist mir diese Stadt so sehr ans Herz gewachsen, dass es mir wirklich wehtun würde wegzuziehen.

Sagt das bitte nicht meinen Eltern, aber ich habe vorerst nicht wirklich das Bedürfnis nach dem Abschluss zurück nach Luxemburg zu ziehen. Und auch wenn mich einige Dinge in dieser Liste anfangs überrascht haben und ich mich an sie gewöhnen musste, so ist dann doch das Erstaunlichste immer noch der leichte ,,reverse culture shock" den ich jedes Mal erlebe, wenn ich ein paar Tage in meinem kleinen Herkunftsland verbringe.
Über den Autor

Frank Ohlhoff wurde 1996 in Luxemburg geboren und ist dort aufgewachsen. Das Fernweh brachte ihn 2015 nach seinem Sekundarschulabschluss für ein Jahr nach Schottland, bevor er sich für sein Studium der Geschichte in Freiburg niederließ. Mit 15 Jahren seinen eigenen Roman verfasst, war er schon immer vom Lesen und Schreiben fasziniert, und arbeitet seit 2018 als freier Mitarbeiter für fudder.