Die Zugvögel: Ein Verein gegen institutionellen Rassismus und globale Ungerechtigkeit

Maren Windfelder

Jährlich leisten über 8000 junge Deutsche einen Freiwilligendienst im Ausland. Im Gegenzug arbeiten aber nur weniger als 300 Freiwillige aus Nicht-OECD-Staaten in deutschen Sozialeinrichtungen. Das ist institutioneller Rassismus und eine globale Ungerechtigkeit - findet zumindest der 'Zugvögel'-Verein. Helfer des Vereins möchten deshalb in Zukunft mehr Freiwillige aus Entwicklungsländern nach Deutschland holen. Wie das gehen soll:



Die Freiburger Studentin Isabelle Röder findet das ungerecht: „Es ist kein Problem, wenn ein Deutscher zum Freiwilligendienst nach Vietnam geht und kein Wort vietnamesisch spricht. Aber es ist ein Riesenproblem, wenn ein Vietnamese zum Freiwilligendienst nach Deutschland kommen möchte und kein Wort Deutsch spricht.“ Die 22-jährige Soziologiestudentin möchte das ändern. Deshalb ist sie dem Verein 'Zugvögel - Interkultureller Süd-Nord-Austausch' beigetreten.


Die Zugvögel-Mitglieder möchten institutionellen Rassismus und globale Ungerechtigkeiten bekämpfen, indem sie Freiwillige aus Lateinamerika, Asien und Afrika zu sozialen Einrichtungen nach Deutschland vermitteln. Organisationen vor Ort, unter ihnen auch 'Weltwärts', wählen die Freiwilligen im Ausland aus, deutsch müssen sie nicht können. „Auch wenn deutsche Sprachkenntnisse für viele deutsche Einrichtungen ein Auswahlkriterium ist. Für uns ist es keins“, sagt Isabelle.

Der Zugvögel-Verein wurde erst Anfang Januar 2012 von ehemaligen Weltwärts-Freiwilligen gegründet, mittlerweile hat er 80 Mitglieder. Letztes Jahr sind mithilfe der Zugvögel junge Leute aus Ecuador und Ruanda nach Deutschland gekommen, dieses Jahr werden auch junge Freiwillige aus Nepal und Uganda dabei sein.

Insgesamt besteht der Verein aus zwölf verschiedenen Regionalgruppen – auch in Freiburg gibt es eine 15-köpfige Gruppe. Hier werden aber vermutlich erst ab September die ersten Freiwilligen untergebracht sein. Denn momentan sind die Freiburger-Zugvögel noch auf der Suche nach möglichen Einsatzstellen. „Die Einsatzstellen verhalten sich noch sehr gehemmt“, sagt Isabelle. "Sie sind es nicht gewöhnt, dass Freiwillige helfen möchten, die nicht perfekt Deutsch sprechen.“

Während des Aufenthaltes in Deutschland wohnen die Freiwilligen bei Gastfamilien. Außerdem werden sie von zwei Zugvögeln vor Ort betreut und nehmen an Willkommens-, Zwischen-, und Abschlussseminaren teil. Der Seminarschwerpunkt ist 'Globales Lernen': Teilnehmerinnen und Teilnehmer versuchen vom üblichen Schubladendenken (wie zum Beispiel 'Dritte Welt'-Denken) wegzukommen und stattdessen global und fair zu reflektieren. Diskutiert wird sowohl über Probleme der Globalisierung als auch über gemeinsame Chancen von Nord und Süd. Bisher ging es vor allem um Konsum und globale Ungleichheiten durch internationale Hierarchien.

Eines der Abschlussseminare fand Anfang des Jahres auch in Freiburg statt. Derzeit besteht die Freiburger Gruppe noch ausschließlich aus jungen Studentinnen und Studenten. „Das ist aber überhaupt nicht so gewollt“, sagt Isabelle. "Am liebsten wäre es uns, wenn auch jüngere und ältere Menschen unserem Verein beitreten würden.“  

Zugvögel e.V.

Lust mitzumachen? Die Treffen finden abwechselnd dienstags und sonntags statt. Um dich anzumelden, schreibe eine E-Mail an freiburg@zugvoegel.org

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