Die Uni-Theatergruppe Schall & Rauch spielt "Fiesta" von Ernest Hemingway

Brigitte Rohm

Jazz, Swingtanz und Stierkampf: Ab Freitag zelebrieren Schall & Rauch eine ekstatische und apokalyptische "Fiesta" auf der Bühne. Das Ensemble hat sich für seine 10. Produktion einen Roman ausgesucht – über eine traumatisierte Generation, die den Moment feiert.

Ein Sommer in Paris und Pamplona in den 20ern. Eine Gruppe anglo-amerikanischer Auswanderer, die das Trauma des ersten Weltkriegs mit Musik und Alkohol betäubt, auf dem Trümmerfeld tanzt. Und eine studentische Theatergruppe, die diesen Stoff aus Ernest Hemingways Romanklassiker "Fiesta" (Originaltitel: "The Sun Also Rises") für die Bühne adaptiert hat: Schall & Rauch wollen ihrem Publikum damit sechs rauschende Abende bieten – von Freitag, 27. Januar bis Sonntag, 29. Januar und von Freitag, 3. Februar bis Sonntag, 5. Februar.


"Fiesta" sei einer ihrer liebsten amerikanischen Romane, sagt Maria-Xenia Hardt, die gemeinsam mit Tim Schönberger Regie führt. Aber die Begeisterung für Hemingways Stil ist nicht der einzige Grund, weshalb die Gruppe die Arbeit auf sich genommen hat, "in einem guten Flow" an nur einem Wochenende über 200 Romanseiten auf 70 Seiten Skript einzudampfen: "Es ist ein sehr gelungenes Porträt dieser "verlorenen" Generation, die noch traumatisiert ist vom Krieg, aber das unterdrückt", erklärt Hardt. "Sie wissen nicht so recht, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen, also trinken und feiern sie und hangeln sich von Tag zu Tag – und darin sind sie unserer Generation vielleicht gar nicht so unähnlich."

Ein Stück Weltliteratur, das von Exzess und Kater erzählt

Von Exzess und Kater erzähle das Stück – und von Stierkampf. Das Rätsel, wie der so ganz ohne Stiere auf der Bühne zu sehen sein wird, will die Regisseurin noch nicht lösen: "Das ist unser Betriebsgeheimnis." Ein anderes Highlight wird aber schon verraten: Das Ensemble bekommt für die 80-minütige Aufführung von der dreiköpfigen Jazzkombo Riccardo Belvedere und Band Unterstützung. Sie sorgt nicht nur für die passende Atmosphäre, sondern spielt auch Songs zum Tanzen ein: "Die Schauspieler mussten dieses Semester im Schweiße ihre Angesichts Swingtanz lernen", sagt Hardt.

Die Jubiläumsproduktion von Schall & Rauch verspricht also vor allem einen rasanten und atemlosen Abend. Aber die Wortgewalt des polarisierenden Schriftstellers kommt dabei nicht zu kurz: Bis auf wenige Sätze ist der gesamte Text original Hemingway.

Und das Werk beinhaltet auch Augenblicke des bösen Erwachens: "Die Abgründe tun sich in stillen Momenten zwischendurch auf, und man hat die Chance, diese ganzen krassen Leute verletzlich und gebrochen zu sehen", so Hardt. "Aber dann kommt die nächste Runde Absinth, und die Band spielt den nächsten Song, und das Tanzen geht weiter." Bis zum Sonnenaufgang.
Was: "Fiesta" von Ernest Hemingway, von der studentischen Theatergruppe "Schall & Rauch"
Wann: 27., 28., 29. Januar und 3., 4. und 5. Februar, je 20 Uhr
Wo: TheaterFISTung, Hörsaal unter dem Rektorat am Fahnenbergplatz, Friedrichstraße 39
Eintritt: 5 Euro, ermäßigt 3 Euro, Vorverkauf bei der Buchhandlung Schwanhäuser, Bertoldstr. 23