"Die Toten kommen": Symbolische Flüchtlingsgräber mitten in der Freiburger Innenstadt

Tanja Hofmann

Mit Holzkreuz, Blumen und Kerzen: Seit dem vergangenen Sonntag liegen symbolische Gräber in der Freiburger Innenstadt. Darauf steht: "Die 23.000 Mauertoten", "Den Ertrunkenen" und "Borders kill". Was dahinter steckt:



Auf dem Rathausplatz, vor dem Stadtheater und an der Johanneskirche: Seit dem vergangenen Sonntag liegen mitten in der Freiburger Innenstadt symbolische Gräber. Einige Passanten bleiben am diesem Montag stehen, legen Blumen nieder und lesen das Schild, das auf den Gräbern steht:


"Hier liegen die 23.000 Opfer der europäischen Außengrenzen. Niemand von uns floh ohne Grund. Wir flohen vor Hunger, Krieg, Verfolgung."

Rundherum Kerzen und Blumen, die in der Erde stecken. Initiator der Aktion ist das "Zentrum für politische Schönheit" (ZPS), eine Berliner Künstlergruppe, die sich der "politischen Aktionskunst in Deutschland" widmet und immer wieder durch provokante Aktionen auf sich aufmerksam macht. Die Aktivisten wollen gegen die europäische Flüchtlingspolitik protestieren und die im Mittelmeer ertrunkenen Flüchtlinge würdevoll bestatten.

"Die Toten kommen"

Einige "Beerdigungen" fanden in den letzten Tagen bereits in Berlin statt, weitere sollen folgen. Unter dem Motto "Die Toten kommen" hat das ZPS gemeinsam mit Angehörigen die "menschenunwürdigen Grabstätten" der Toten geöffnet und die Leichen nach Deutschland transportiert.

Am vergangenen Sonntag machten die Aktivisten mit ihrer zweiten großen Aktion auf sich aufmerksam. Beim "Marsch der Entschlossenen" wurden auf der Wiese vor dem Reichstag in Berlin über 100 symbolische Gräber ausgehoben. Mittlerweile gibt es diese Gedenkstätten nicht nur in Berlin, sondern auch in München, Köln, Stockholm, Bern - und eben Freiburg.

"Das ist ein Weltproblem, das wir leider so schnell nicht lösen können", sagt der 73-jährige Manfred Dettmer, als er neben dem Grab auf dem Freiburger Rathausplatz stehen bleibt. "Die Wenigsten werden das verstehen", sagt er. Rita Habel (51) ist etwas verwirrt: "Den Begriff 'Mauertoten' verbinde ich erst mal mit etwas anderem".

Begeistert von der Aktion ist vor allem Uwe Schneider: "Es ist gut, dass so etwas auch in Freiburg gemacht wird. Es weckt Bewusstsein und man darf bei so einem Thema einfach nicht wegschauen", sagt der 24-jährige Freiburger. "Schließlich sterben die Menschen dort immer noch".

Wie die Stadtverwaltung mit den Gräbern umgehen wird, sei noch unklar, so Rathaussprecherin Edith Lamersdorf.

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[Foto: Tanja Hofmann]