Traditionen

Die Tanzgruppe Acutun bringt ein bisschen Lateinamerika nach Freiburg

Lisa Petrich

Die lateinamerikanische Tanzgruppe Acutun bewegt sich zu traditioneller Musik aus ihren Heimatländern. fudder hat sie beim Training besucht und über Traditionen im Tanz und ihr Leben in Freiburg gesprochen.

Wenn sich die Tanzgruppe Acutun dienstagabends in ihrem Proberaum im Mehrgenerationenhaus in Weingarten trifft, fühlt man sich wie in Lateinamerika. Natasha, die Leiterin von Acutun, empfängt mit einer herzlichen Begrüßung. Vier weitere Tänzer und Tänzerinnen sind bei der Probe dabei, insgesamt besteht die Gruppe aus zehn Latinos aus verschiedenen lateinamerikanischen Ländern.


Während des gesamten Trainings wird nur Spanisch gesprochen und es herrscht eine redselige, fröhliche Atmosphäre. Nach ein paar Aufwärmübungen und Dehnungen ziehen die Frauen ihre bodenlangen, farbenfrohen Röcke an und es geht los mit der Choreografie, die gerade für den nächsten Auftritt im März geprobt wird. Die Röcke fliegen bei schwungvollen Drehungen durch die Luft, während sich die Tänzerinnen anmutig und elegant zu Klängen aus Bolivien und Kolumbien durch den Raum bewegen.

Tanzen zu Kulturen und Traditionen

Natasha hat die lateinamerikanische Tanzgruppe Acutun ins Leben gerufen. Die 45-Jährige hat in Mexiko Erziehungswissenschaften studiert und schon früh angefangen, Tanz zu unterrichten.Vor 21 Jahren kam sie von Mexiko nach Deutschland.

Doch das Tanzen hat Natasha nie vergessen: In ihr wuchs der Wunsch, eine Tanzgruppe in Freiburg zu gründen, bei der sich Leute verschiedenster lateinamerikanischer Herkunft treffen, austauschen und gemeinsam zu ihren Kulturen tanzen können.Vor zwölf Jahren hat sie schließlich die Tanzgruppe Acutun zusammengetrommelt.

"Am Anfang war es allerdings sehr schwierig, weil alle aus der Gruppe keine professionellen Tänzer sind. Ich musste ihnen viel Disziplin beibringen", sagt Natasha. Doch damit hatte die 45-jährige Mexikanerin Erfolg. Ihre Tanzgruppe Acutun hat im Sommer fast jedes Wochenende einen Auftritt. Abgesehen von Freiburg ist Acutun schon in Heidelberg, Karlsruhe, Offenburg und Frankfurt aufgetreten.

Herausforderung und Stolz auf die Kultur zugleich

Der jüngste in der Truppe ist der 21-jährige Camilo. Er kommt aus Bolivien und hat dort Kommunikation studiert, jetzt macht er ein FSJ in einer Berufsschule, wo er Flüchtlingen Deutsch beibringt. Ihm macht das Tanzen großen Spaß, aber es ist auch herausfordernd, sagt er: "Jeder von uns hat seinen eigenen Rhythmus. Wenn ich etwas von meinem eigenen Land tanze, ist es ganz einfach für mich. Aber wenn ich zum Beispiel einen Mexikanertanz machen muss, fällt mir das sehr schwer, denn jede Kultur ist anders. Deshalb kann eine der Kulturen auch für mich etwas Fremdes sein."

Die Tänzerin Arianne aus Peru ist schon lange bei Acutun dabei und weiß, dass für einen gelungenen Auftritt sehr viel geprobt werden muss. "Jede Choreografie ist wie eine neue Herausforderung", sagt die 28-Jährige. Aber die traditionellen Tänze aus ihrer Kultur machen sie immer wieder glücklich: "Wenn ich etwas von meinem Land tanze, macht mich das richtig stolz. Ich weiß, dass es die Kultur aus meinem Land ist, und die kann ich hier in Freiburg und Deutschland tanzen und den Leuten zeigen."

Zurückkommen zur Kultur durch Tanz

"Acutun bedeutet Zurückkommen in der indianischen Sprache Mapudungùn aus Chile. Durch die Tänze kommen wir zurück in unsere Kultur", sagt Natasha.

Das wöchentliche Treffen zum Training bietet den Tänzerinnen und Tänzern auch Raum, um über ihre Erfahrungen in Deutschland zu sprechen. "Das Leben als Ausländerin in Deutschland ist manchmal sehr schwierig", sagt Natasha, "deshalb ist es gut, dass wir uns hier im Proberaum über unsere Probleme und Sorgen austauschen können. Das ist wie eine Therapie."

Farbenfrohe Trachten gehören zum Programm

Dass es in Lateinamerika ganz viele verschiedene Kulturen gibt, spiegelt sich nicht nur in den Tänzen, sondern auch in den Trachten wider. "Deswegen sind die Trachten sehr unterschiedlich, mal ganz große, lange Kleider und manchmal nur ganz wenig Stoff", sagt Natasha.

Sie näht die Trachten oft selbst. Die Stoffe und Kleider seien immer sehr teuer, und für ihre Auftritte bekämen sie meistens kein oder nur wenig Geld, erzählt sie, weil sie keine professionellen Tänzer und Tänzerinnen seien. "Es ist ein sehr teures Hobby", gibt sie zu. Aber auf dieses Hobby würde keiner der Gruppenmitglieder von Acutun verzichten wollen.

Die Deutschen schätzen ihre Auftritte

Natasha erzählt, dass die Leute immer sehr froh seien, wenn etwas aus Lateinamerika vorgeführt wird: "Die Deutschen schätzen unsere Auftritte sogar mehr als die Latinos!"

Die 30-jährige Valeria aus Mexiko fügt hinzu, dass ihr deutsches Publikum vor einem Auftritt immer etwas anderes erwartet. "Sie glauben, wir würden Salsa oder Mambo tanzen. Wenn sie dann merken, dass es etwas ganz anderes ist und unsere farbenfrohen Trachten sehen, sind sie begeistert."

Neue Tänzerinnen und Tänzer gesucht

Wenn sich jemand Neues der Tanzgruppe anschließt, ist es meistens jemand mit lateinamerikanischen Wurzeln. Das muss aber nicht zwingend der Fall sein, meint Natasha: "Das wichtige ist nur, dass man Spanisch spricht, weil in unseren Proben nur Spanisch gesprochen wird."

Auftritt am internationalen Frauentag im März

Den nächsten Auftritt hat Acutun am 16. März beim Fest zum internationalen Frauentag im Mehrgenerationenhaus EBW in Weingarten. Dieser Tag wird von mehreren Frauenvereinen organisiert, deshalb dürfen auch ausschließlich Frauen und Mädchen daran teilnehmen.

Wann weitere Auftritte stattfinden, kündigt Acutun im Voraus auf ihrer Facebookseite an.

Weitere Infos:
Was: Auftritt Acutun am Frauentag
Wann: Samstag, 16. März, 18 Uhr
Wo: EBW Mehrgenerationenhaus, Sulzburgerstraße 18

Eintritt: frei