Die super-arrogante Saisonvorschau 2010/2011

Dirk Philippi

Pünktlich zum Saisonstart der 2. Eishockey-Bundesliga erscheint mittlerweile seit 1997 die oft kopierte, aber nie erreichte super-arrogante Saisonvorschau. Von Freiburg aus haben die Autoren Zico Esteban Gonzales und Bernd Flimmer besten Blick für ihre satirischen Manifeste über die Teams und Gesichter der neuen Spielzeit. Und wer Lust bekommen hat: Das Topspiel den 1. Spieltages steigt heute (20 Uhr, Eisstadion Freiburg) zwischen den heimischen Wölfen und dem Titelfavoriten aus Schwenningen.



Bietigheim Steelers

Allein auf sich gestellt sagt Trainer Brittig: „Jetzt Komma ich!“ Seit 2007 lässt sich Mr. „Most Hated“ im Friseursalon Schnabel am Fischerpfad die Haare glätten und färben und zerstört das Spiel dabei mit seinem Defensivfetisch, der so viel Spaß bereitet wie ein ostbulgarisches Stehklo – Hauptsache hinten dicht.  Den Ultras aus dem Ellental jedenfalls ist schon so langweilig, dass sie ihre Bügelwäsche mit ins Stadion nehmen. Nach dem DEL-Verzicht bereits klinisch tot, erwacht man nun zwar aus dem Komma, versprüht aber dennoch nur den Reiz von Tine Wittler in Netzstrumpfhosen.  Auch wenn man sämtliche DEL-untauglichen Spieler aus Landshut, die einen Führerschein besitzen und dem Trainer seinen Emo-Pony bereitwillig glatt streicheln, mit einer Porsche-Probefahrt locken konnte, gipfelt die Saison im neuen Pro7-Showformat  „Brittig versus Selivanov“. Als Paar wie Roland Koch und Sahra Wagenknecht oder Boris Becker und Verhütungsmittel macht der Russe zur Prime-Time den Anelka und zieht sich als veritabler Kunstschütze den Haarfärber ins Visier.

Prognose:
Der absolute Hammer ist, dass Oliver zur Genze den Latexdress um die Robitaille geschnürt hat und Biederheim-Bisschen erneut nicht ins Finale kommen wird.  


Fishtown Pinguins Bremerhaven

Vor Marko Suvelo, dem finnischen Asketen, der nichts trinkt außer purem Alkohol, tummelt sich eine Mannschaft, bei der bereits die Verteidigung eigentlich unbezahlbar ist. Da hilft der Infrastrukturausgleich von 1,2 Millionen Euro, den öffentliche Kassen den armen Krabbenfischern an die Nordseeküste spülen, auch nur über 58,7% des Etats hinweg. Im Sturm von „Bremerhaven21“ muss deshalb deutlich gespart werden, so dass hier Hilfsarbeiter von den Weser Stars Baltrum, dem EHC Ruhrkohle Dortmund, dem EC Pfaffenwinkel-Peiting und der Hauptstadt des innerdeutschen Auslands, Torpedo Nisky, gelistet werden. Die Verpflichtung von Turbo-Bräuner Carsten Gosdeck übernimmt RTL im Rahmen der Doku-Soap „Gunnar, die Super-Nanny“. Zu erwarten ist, dass der Trainer ansonsten dem Unterhaltungsbedürfnis der Fans zu Leidborg leben und eine ssolide sswedisse Defenssiv-Taktik zum Sstandard machen wird. Beschwerden unerwünscht. Außerdem hat der nölige Nordländer so ein dickes Fell, dass ihn ein lettischer Pelzjäger kürzlich in seinen Anhänger sperren wollte.

Prognose:
Gunnar macht den Calmund und wenn alles gut läuft, erleben die Fans das Halbfinale im neuen Sea-Live-Aquarium.  

Eispiraten Crimmitschau

Nach dem Abgang von Wayne Hynes ist das Team aus Süd-Gössnitz zwar leichter, mitnichten aber stärker geworden. Die Eispiraten spielen nicht nur ohne Verteidigung, sie haben auch keinen Goalie – davon aber sogar drei. Die Mannschaft, die Geschäftsführer René Ruderer sich zusammengeschaufelt hat, ist so billig, dass im Sahnpark die Tauben Brot nach den Spielern werfen und die Kabinenfeste durch kik-Partys ersetzt werden. Nachdem Peter Zwegat ein Engagement aufgrund der reizvolleren Aufgabe aus Dresden absagte, kürten der Vorstand um Ronny, René und Mandy als Wunschtrainer und Arge-Experten für das Comedy-Ensemble um Elroy, das Schmunzelmonster, den regionalligaweit bekannten Herrn Larry Suarez, weil dieser Ihnen zusicherte, erst nach Saisonende zu kommen. Dessen bislang größter Erfolg in seiner langjährigen Karriere als hochqualifizierter Eishockeylehrer ist nach der Vize-Meisterschaft im Gedichte-Vorlesen die Vertragsunterschrift im Sachsenland.

Prognose:
Kevin mit dem Saurette-Syndrom wird mächtig für Aufsehen sorgen und die iPhone-Besitzer im Vorerzgebirge bekommen kostenlos den App-Stieg.  

Dresdner Eislöwen

Dresden besticht optisch durch ein Logo, das aussieht, als ob ein Fünfjähriger beim Malen nach Zahlen vergeblich versucht hat, einen Weihnachtsstern zu kritzeln. Geschäftsführer Matthias Broda (entgegen der Marketingkampagne nicht die Putzfrau der NHL-Legende Walter Edward „Turk“ Broda) hat Lässig eine erneut drohende Insolvenz vorübergehend vermieden und müht sich nach Kräften, die leicht zu findenden Spieler ab und zu auch zu bezahlen, am besten mit Geld. Die zügellose Ausgabenpolitik seines Vorgängers Ziesche macht hier aber ein Sanierungskonzept bis zum Jahr 2018 erforderlich, bei dem spätestens ab 2017 gespart werden muss. Trainer Popiesch hat nach dem multiplen Tryout-Orgasmus eine ganze Reihe von Aufgaben: Aus Andre Mücke soll ein Eishockey-Elefant werden, aus Bastian Steingroß kein Kies, Bruce Becker hat sich deutlich von Heinz Becker zu unterscheiden und Martin Heider muss mehr zeigen, als dass er eine deutsch-tschechische Knie-Check-Maschine ist.

Prognose:
Fünf Westheller auf eine gepflegte Insolvenz noch vor Beginn der Play-Off-Runde, die so oder so ohne das Elbflorenz stattfinden wird.  

Hannover Indians

Valium-City macht wie gewohnt einen auf verruchtes Möchte-Gern-St.Pauli – nur ohne Möpse, dafür aber mit umso mehr Ritzen (…) in der Abwehr. Dies darf aufgrund der Verpflichtung eines Ostküsten-Fakirs allerdings nicht verwundern (da sind die Indians doch glatt dem Namen Zach auf den Leim gegangen). Desweiteren tummeln sich im Abwehrsieb Studien- und Schulabbrecher, deren Hauptqualifikation darin besteht, dass sie mit ehemaligen Eishockey-Urgesteinen verkalkt sind. Mike Schreiber jedenfalls ist körperlich so stabil wie ein tapeziertes Skelett. Im Tor dürfen die Tipi-Defender auch nicht auf einen Ower-Achiever zählen. In der Offensive aber leuchtet es dafür wie in Dieter Baumanns Kopf nach dem Zähneputzen: Richardson, Chamberlain und Sommerfeld klingen so bunt wie die Besetzungsliste eines Rosamunde-Pilcher-Streifens über Stützkufen-Skater. Einzig „The Body“ Elle Macpherson fällt aus diesem Beta-Programm heraus und sendet ab sofort im Fox-News-Channel. Bemerkenswert auch der Transfer von Deutschlands verschwendetestem Talent, das von den Celle Oilers kommt: Wenn Erfolg eine Krankheit wäre – Björn Bombis wäre immun dagegen.

Prognose:
Die größte Verstärkung der Indianer ist der Abgang von Josiah Anderson und wenn DJ sich wieder Dirk Joachim nennen lässt, bekommt er auch endlich die Gastrolle in der neuen Stromberg-Staffel.  

Heilbronner Falken

Im mittlerweile siebten Jahr unter Rico Rossi fragt man sich, wann genau die Heulbronner Falken das früher stigmatisierende Image des Halb-und-Fast-Pleite-Klubs eigentlich abgelegt haben. Fakt ist jedenfalls, dass die Kooperation mit den Mannheimer Adlern den Käthchen-Städtern im Laufe der Jahre sukzessive jegliches Skandal-Potenzial entzogen hat. Eine bedenkliche Entwicklung aus Sicht eines Autors, der sich früher gerne auf die operettenhaften Eskapaden des Duos Ernst Rupp/Marlies Kursana verlassen hat. Zu befürchten ist, dass zukünftig kein Falken-Crack eine Tochter hervor bringt, die einen ehemaligen ungarischen Fußball-Nationaltrainer zuerst verführt und dann in der Öffentlichkeit bloß stellt, wie dies Liljana Tchudinova mit Lothar Matthäus vortrefflich gelungen ist. Sportlich muss der Rennfahrer-Enkel Fabiano Carciola im Sturm ganz schön aufs Gas drücken, Axel Hackert will den Talent-Bruder geben und der Ritter Sport-Toni muss mehr sein als quadratisch und praktisch, denn Don Calcone wirkt doch schon etwas ausgeluigt. Für Dodo El-Sayed geht´s alleinig darum, zu beweisen, dass er wirklich nicht mit Prinzessin Di in der Kiste war.


Prognose:
Heulbronn ist so langweilig geworden, dass es allen egal ist, was aus ihnen wird.  

ESV Kaufbeuren

Halbfetttrainer Lätta steht für gesunde Ernährung und kann deshalb nach ihrem 72er-Olympiaerfolg im Damen-Sprint erneut auf Elfie Schittenhelm zurückgreifen. Anton Saal, der mit der toupierten Klobürste als Haarhelm, konnte die Vertragsverlängerung mit einer größeren 1-Zimmer-Wohnung schmackhaft gemacht werden und auch Daniel hat noch eine Menge dazugelernt. Torhüter Vajs, Ersatz für den tragischen August, hat immerhin schon mal von Jaromir Jagr einen zweiten Bauchnabel geschossen bekommen und Rob McFeeters in Buron endlich seinen Traum von einem Pediküre-Salon verwirklichen können. Star-Transfer Scott Dobben, Zwei-Wege-Stürmer mit der Vereinshistorie einer Setlist für das amerikanische „Bauer sucht Frau“, spielt wie seine Freundin einparkt: nach vorne was, nach hinten was und raus kommt – nix.

Prognose:
Wenn niemand merkt, dass Petr Sikora in Wirklichkeit nicht Petr Sikora ist, sondern Mike Bullard mit Stützkorsett und Zahnprothese, dann kann man mit Krabats magischer Hilfe die Kinder auch für 2012 in der Zweitliga-Kita anmelden.  

Landshut Cannibals

In der sportlichen Wahrnehmung ist Landshut eine Frau – eine Nadja ohne „d“. Jahr für Jahr shoppt sie sich im unauffälligen Hosenanzug in die Endrunde, schaut kurz mal rein, dann wieder raus, und hofft, dass die ehemals berühmten Liebhaber der Stadt  ihr neue Kinder machen. Und bis auf Günter Oswald klappt das auch ganz ordentlich, nur dieser wartet noch entspannt auf die Geschlechtsreife. Ziehvater derer, die mit Morris durch den Ty-Out gekommen sind, war, ist und bleibt das tschechische Kamillen-Tee-Toupet.  Das Kamel nimmt die Dame an der Hand und geht auch mal mit dem Hundhammer spazieren. Einzig illustre Neuigkeit im schwammigen Treiben der Bayern ist die Verpflichtung des ersten Südafrikaners im deutschen Eishockey: Kevin Kapstadt kam auf die Vermittlung von Frank Elstner, der mittlerweile auch in Truntschkas Fänge geraten ist.

Prognose:
Trainer-Liebling Tobias wird bestimmt abstreiten, dass sein Bruder Peter als Spieler eine Extrawurst bekommt und wenn das Grünzeug im Tor auch im Winter wuchert, darf sogar geerntet werden.  

Lausitzer Füchse

Beim Robert-Bartlick-Ähnlichkeitswettbewerb hat Robert Bartlick den zweiten Platz belegt. Erster wurde ein explodiertes Vogelnest. Ohnehin beweisen die Füchse Dank des Dramaturgen Peter Handke auf dem Managerposten Verwandlungstalent: Pausenclown Sebastian Klenner geht in sein 34. Jahr als Spreewaldgurke, Johannes Heesters heißt jetzt Ervin Masek und um Steuern zu sparen hat Dirk Rohrbach seine Füchse als Hundestaffel angemeldet. Für den Angriff der polnischen Kolonie haben Handke/Rohrbach tief im Brennstoff-Restelager des Braunkohlekraftwerks Boxberg gewildert: Mike Forgie ist so feist, wenn man den aus der Ferne erspäht, sieht man die Erdkrümmung , und Hartmann & Szabo, die slowakisch-ungarische Ausgabe von Starsky & Hutch, stellen mit den Dienst-Planierraupen aus Reichwalde einen neuen Streckenrekord Görlitz-Bratislava auf.

Prognose:
Wenn Schöngeist Richard Hartmann („Holzschläger benutzen, ist wie Stradivari spielen“ – geil!) bei seinem altem Kumpel Ziggy Palffy gut aufgepasst hat und Ronald McDonald noch nicht der Lausitz-Koller packt, dann wird das Osteuropa-Talent über die Grenzen von Hoyerswerda hinaus für Aufsehen sorgen.  

Ravensburg Towerstars

Die Trümmer Stars haben nach Jahrzehnte langer Drittklassigkeit, während der sie Eishockey-Deutschland mit Talenten versorgt haben, alles das, was sich andere vergleichbare Vereine wünschen, nämlich einen guten deutschen Torwart, solide deutsch-tschechische Verteidiger in gutem Eishockey-Alter, im Sturm treffsichere Kanadier, die sich für höhere Aufgaben empfehlen, einen namhaften und doch sesshaften Trainer und ein neues gut zu vermarktendes Stadion. Nur eigene Talente haben sie nicht mehr. Dafür aber sieht der weibliche Teil von Dolce&Cabana mittlerweile aus wie das Kind von Markus Söder & Dirk Niebel und Lukas Slavetinsky wie Dolph Lundgren, nachdem er ein Erdloch geraucht hat. Letztlich sind die Oberschwaben dann doch nur so etwas wie das Schwenningen für Arme bzw. das Freiburg für Reiche.

Prognose:
Wenn man den diesjährigen Kader betrachtet, muss man in der Abwehr nicht Gleich Schwarz sehen, sondern darf darauf vertrauen, dass Michal den einen oder anderen Vasi-Check setzt, Lukas den Slave zum Rhythmus tanzt und Raphael gegnerischen Stürmern des Öfteren den Kap-Zahn ziehen wird. Die Ausländer werden ihren Gegnern ordentlich die Leavitten lesen, auch wenn sie dadurch mit den Schiedsrichtern häufig im Kinch liegen. Tobias wird einige Samendinger im gegnerischen Netz versenken und bei Neuzugang Brian ist angesichts des Verletzungspechs zu befürchten, dass die Ravensburger mal mit ihm, Maloney ihn spielen werden. Titelfavorit!  

Starbulls Rosenheim

Wer Franz Steer und Norm Debacle im Team hat braucht 16:9-Augen, um das Mannschaftsfoto anzusehen. Der angebliche Sensationstransfer des ehemaligen NHL-KHL-DEL-Goalies, der zum Frühstück gerne drei Zentner Rindermett inhaliert, darf bei genauerer Betrachtung nicht weiter verwundern: Miracoli hatte aus höheren Ligen nur das Angebot als Hüpfburg auf dem Stadionfest der Kassel Huskies. Was Rosenheim außer Tradition („gääähn“) auch ist: Tim Kunes, der will, aber nicht kann, Florian Zeller, der kann, aber nicht will, und Alan Reader, der kann und will, aber nicht weiß, was. Lustig ist zudem die Abwehr des Aufsteigers:  Der Paderhuber Andreas ist so schnell, dass ihn in der Saisonvorbereitung nur die beinamputierte Bedienung aus dem P2 überholen konnte und Dominic Auger fehlt genau ein solches für den ersten Pass. Weniger amüsant dagegen das Fan-Bashing durch die Rosenheim-Cops Graue, Aicher und Diebald, die in Sachen Zuschauererwartungen den Realismus eines Tour-de-France-Starters mit Medikamentenphobie beweisen.

Prognose:
Co-Trainer Martin Reichel weicht bald von der Bande auf den Platz hinter Miracoli, weil er von dort das Ende der anfänglichen Euphorie nicht mit ansehen kann, und die spannendste Frage wird sein, ob Stephan Gottwald seine Haare wieder offen trägt.  

Schwenninger ERC Wild Wings

Der Titelfavorit! Aber warum? Weil Axel Kammerer endlich die anbiedernde Grinse-Maske abnimmt und er doch Hans Zach ist? Weil Andi Renz seine alte Form wiedergefunden hat (sie lag mit Schaufel und Eimer im Sandkasten in Köln-Porz)? Weil Radek Krestan so hyperaktiv ist, dass er sich in einer Telefonzelle verlaufen würde? Weil Marcus Götz beim schwedischen Dschungelcamp in der Disziplin „Kakerlakenlutschen“ rausgeflogen ist, nachdem er die Dinger aus Versehen beim Atmen durch die Nase zog? Der Typ ist so breit, wenn den der Schwenninger Schulbus rammt, fragt er, wer ihn gezwickt hat. Oder gar weil Stefan Wagner erwartungsgemäß eine Vertragsverlängerung als Milchbubi auf der Kinderschokoladenpackung bekommen hat? Vielleicht ein wenig von allem, aber definitiv haben die Schwaben zuletzt so viel richtig gemacht, dass sie zum Glück nur enttäuschen können. Und: Wenn man sich bei der Wahl zum Spieler des Monats rein optisch zwischen Pizza-Otto und Borken-Zecke entscheiden muss, ist das ungefähr so, wie wenn man sich von den Jakob Sisters die schönste raussuchen soll.

Prognose:
Für Spannung in der Liga sorgt die Tatsache, dass Axel Kammerer als Trainer noch nichts gewonnen hat, und es im deutschen Eishockey sowieso immer anders kommt als man denkt.

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