Die Stimme aus der Straßenbahn

Meike Riebau

Tausende Freiburger hören seine Stimme täglich in der Straßenbahn. Aber wer ist der Mann, der von Breisach bis Gundelfingen alle Haltestellen zuverlässig durchsagt? Unsere Mitarbeiterin Meike hat ihn getroffen und sich von ihm erzählen lassen, wie er zu dem Job kam, welches seine Lieblingshaltestelle ist und wer sein größter Fan ist.



Die Freiburger Straßenbahnansage ist einzigartig. In welcher anderen Stadt wird man daran erinnert, doch bitteschön den Fahrschein zu entwerten (Brauerei Ganter), aufgefordert, ins Museum zu gehen (Oberlinden) oder werden einem sämtliche Umstiegsalternativen genannt (Hauptbahnhof)?


"Wie im Bio-Lehrfilm in der 6. Klasse" dachte ich anfangs. (Ihr erinnert euch: Filme wie "Der Mischwald - ein hochkomplexes Biotop".). Aber je länger ich hier wohne, desto mehr freue ich mich nach einer Reise auf "meine" spezielle Bahn-Ansprache. Die Bahnansagen gehören ganz selbstverständlich zum Leben der meisten Freiburger. Aber wer ist eigentlich der Mann, dem tausende Freiburger täglich mehr oder weniger aufmerksam lauschen?

Peter Haug-Lamersdorf heißt er. Seit anderthalb Jahren sagt er zuverlässig die Haltestellen von Breisach, wo es sogar eine Haltestelle mit dem Namen "Pizzeria" gibt, bis Gundelfingen an. Eigentlich ist er Schauspieler, spielt zur Zeit bei einem WM-Panoptikum mit und ist auch Mitbegründer der Freiburger "Historix"-Stadtführungen. Aber als er vor ungefähr zwei Jahren von der Ausschreibung der VAG erfuhr, wußte er, "das will ich machen". 10 Bewerber waren vor ihm abgelehnt worden.

Urspünglich wollte die VAG-Leitung einen Sprecher von außerhalb, "denn ich bin durch die ein oder andere Radiowerbung in der Gegend schon bekannt." Seine Bewerbungs-Aufnahmen gefielen der VAG aber so sehr, dass Peter Haug-Lamersheim zur "Voice of Freiburg" wurde. Im Gegensatz zu anderen Städten wie etwa Köln sind die Freiburger Ansagen im reinsten Hochdeutsch und dass, obwohl Peter Haug-Lamersdorf sogar aus Villingen-Schwenningen kommt. "Aber als Schauspieler kann ich eben nicht anders".

"Ein bisschen stolz bin ich schon", gibt er zu und grinst. Kann er ja auch sein. Wer kann schon von sich behaupten, so vielen Menschen täglich den Weg zu weisen? Peter Haug-Lamersdorf gehört zum Leben sehr vieler Freiburger, ohne dass diese es wissen. Obwohl seine vierjährige Tochter eifrig für die Verbreitung seines Star-Ruhms sorgt: "Sobald wir in der Bahn sitzen, erzählt sie allen Mitfahrern immer strahlend: Das ist mein Papa, der das erzählt".

Aber ansonsten sei er bis jetzt noch nie auf seinen Nebenjob angesprochen worden. "Meine Stimme klingt ja über Lautsprecher auch ganz anders als normalerweise, sehr kopflastig", meint er. Ehrlich gesagt, hätte ich ihn auch nicht wiedererkannt - seine Stimme klingt im Gespräch nicht besonders auffällig, weder besonders tief noch besonders hoch - er hätte sich in der Bahn mit mir unterhalten können, und mir wäre es nicht aufgefallen.

Bis heute übt Peter Haug-Lamersdorf, um die perfekte Ansage hinzubekommen. "Manchmal denke ich bei einer Haltestelle: Ach, das hier hättest du aber ein bisschen anders betonen sollen", aber in "90 Prozent der Fälle" sei er zufrieden.

Trotz anderhalb Jahren Bahn-Ansage kann er immer noch nicht alle Linienpläne, "wir nehmen ja alle Haltestellen alphabetisch auf". Aber die Studioareit mache ihm dennoch sehr viel Spaß. "Es ist ganz anders als Theaterspielen, man kann es kaum vergleichen." Das sei, als wenn man Streichholzbasteln mit Schreinerarbeiten vergleichen würde. Dass einzige, was er bedaure, seien die trockenen Texte. "Aber da lässt die VAG nicht mit sich reden", schmunzelt er.

Trotzdem versuche er immer "freundlich und kompetent" zu wirken. "Ich frage mich immer: "Wie würde ich gerne angesprochen werden?" Die Haltestelle "Eschholzstraße" sei für ihn die größte Herausforderung von allen Freiburger Haltestellen, "da muss man aufpassen, dass es nicht zischt". Und seine Lieblingshaltestelle? "Emil-Gött-Straße - da ist zuhause", sagt's und steigt in die Bahn. Er dreht sich noch einmal um: "Jetzt muss ich aber aufpassen, dass ich mich nicht beim Schwarzfahren erwischen lasse", grinst er.

Für fudder hat er eine Extra-Kostprobe seines Könnens gebracht und unsere schönsten VAG-Anagramme gesprochen. Morgen startet in dieser Sache übrigens die letzte Runde. Wenn ihr also noch Vorschläge habt, könnt ihr sie morgen in unseren Kommentaren posten. Wichtig: Es gibt etwas zu gewinnen.