fudder-Interview

Die Pop-Art-Legende James Francis Gill stellt in Freiburg aus

Anika Maldacker

In den 60er-Jahren war er einer der wichtigsten Pop-Art-Künstler, dann zog er sich aus dem Kunstgeschäft zurück: Der texanische US-Künstler James Francis Gill. Anika Maldacker hat ihn im Carl-Schurz-Haus, das seine Kunst zeigt, getroffen.

Info

Das Carl-Schurz-Haus zeigt James Francis Gills Spätwerk bis 15. November in seinen Räumen. Die Vernissage zur Ausstellung mit dem Künstler selbst findet am heutigen Mittwoch, 9. Oktober, ab 19 Uhr statt. Der Eintritt ist frei.

Herr Gill, wieso sind die Leute noch 60 Jahre nach Aufkommen der Pop-Art von dieser Kunstrichtung beeindruckt?

Ich denke, die Leute sind von den kräftigen Farben und von Gesichtern fasziniert. Ganz besonders von Gesichtern, die sie kennen, mit denen sie Gefühle verbinden. Die Leute kamen oft auf mich zu, und fragten, ob ich die Beatles oder Brigitte Bardot malen könnte. Es war ein wenig wie früher, als Könige die Aufträge vergaben.

Sie haben auch politische Themen, wie den Vietnamkrieg in den 60ern, in Ihrer Kunst aufgegriffen. Welche politischen Themen beeindrucken Sie heute?

Es gibt viele Themen, die mich beschäftigten, wie dass so viele Menschen auf der Flucht sind. In meinem Gemälde "Political Prisoner" von ’68 ging es um die Idee, dass wir alle politische Gefangene sind, weil sich keiner aktiv dafür entscheidet, in welches Umfeld er hineingeboren wird. In den vergangenen Jahren habe ich mich aber lieber mit schönen Dingen beschäftigt. In einem neuen Werk beschäftige ich mich aber wieder mit Politik. Ich verrate nur den Namen des Werks: Armageddon.
James Francis Gill

Der Texaner James Francis Gill, 84, ist einer der letzten noch lebenden Mitbegründern der Pop-Art. Er lebte in den frühen 1960er-Jahre in Los Angeles und war mit vielen Hollywood-Stars bekannt. In den 70ern zog er sich überraschend aus der Kunstszene zurück. Jahre später wird er durch ein Magazin wiederentdeckt. Seit 2012 arbeitet er wieder kreativ. In seinem Alterswerk beschäftigt er sich weiter mit Pop-Art und mit den Ikonen seiner Jugend. Inzwischen interessieren sich wieder vermehrt Museen für seine Kunst.

Wieso ging in der Pop-Art diese große Faszination von Marilyn Monroe aus?

Fasziniert von ihr war ich erst, als ich die Fotografien im Life-Magazine von 1962, kurz nach ihrem Tod, sah. Damals hat mich das tragische Leben dieser Frau mitgerissen. Auch Andy Warhol sammelte Fotografien von Filmstars, auch von ihr. Ich habe überlegt – waren nur Andy und ich es, die von Marilyn Monroe fasziniert waren? Wir haben ja nicht voneinander abgeschaut. Aber nein, es gab auch einen japanischen Fotografen, der Fotos von ihr gemacht hat. Die 60er-Jahre waren anders als heute. Damals hat mich der wichtigste Galerist in Los Angeles, Felix Landau, gebeten, Bilder von Marilyn zu malen. Das hat sich alles 1962, dem Jahr in dem Marilyn starb, ereignet.

Ihre Kunstwerke wurden sehr früh im Museum of Modern Art ausgestellt, noch vor Andy Warhol. Wie kam das?

Damals war es ein großer Deal, im Museum of Modern Art ausgestellt zu werden. Das ist es noch heute, aber nicht so schwierig, wie in den 60ern. Felix Landau sah mein "Triptych" von Marilyn Monroe, damit ging er nach New York und dann zeigt das Museum of Modern Art eine Ausstellung mit meinen Bildern. Ich dachte immer, dass so etwas vielleicht passieren würde, wenn ich tot wäre.

Wie hat sich das auf Ihr Leben ausgewirkt?

Als das Life-Magazin nach Marilyn Monroes Tod einen Artikel über den wachsenden Kult über sie brachte, illustrierten sie den Artikel mit meinem "Triptych". Es war damals eine noch größere Ehre, im Life-Magazin veröffentlicht zu werden als im Museum of Modern Art. Daraufhin wurde ich von Filmstars wie Gregory Peck zum Essen eingeladen. Das war eine super Zeit, weil ich so viele Leute kennenlernte, die ich sonst nicht getroffen hätte.

Sie haben dieses Leben dann aufgegeben. Wieso?

Ich mochte das Land immer lieber als die Stadt. Irgendwann kam der Smog nach L.A., es gab immer mehr Smog in der Woche. Also habe ich mir gesagt, dass ich nicht in Los Angeles leben muss. Ich bin in den Norden gefahren, habe an der University of Oregon unterrichtet und eine Familie gegründet. Zuerst wollte ich weiter als Künstler arbeiten, aber ich habe gemerkt, dass es schwierig ist, nicht mehr vor Ort in den Galerien zu sein.

Haben Sie es bereut?

Nein, ich habe es geliebt. Ich habe begonnen unter anderem als Architekt zu arbeiten. Ich habe begonnen, mit dem Computer zu arbeiten. Die Malerei und die Kunst habe ich nie aufgegeben.

Gibt es eine Person aus der heutigen Zeit, die Sie gerne so darstellen würden, wie Marilyn Monroe?

Nein, ich kenne die heutigen Prominenten nicht so gut. Ich bevorzuge es, die Leute zu malen, die ich damals kannte. Ich habe mir kürzlich einen Artikel durchgelesen, über Menschen, die 2019 starben. Und es sind so viele, die ich kannte. Ich bin schon 85 Jahre alt. Nun habe ich mehr Ideen als Zeit.

Was raten Sie jungen Künstlerinnen und Künstlern?

Ich rate ihnen, dass sie lernen sollten, wie man malt. Erst, wenn man das gelernt hat, kann man überhaupt malen, was man malen will. Man braucht auch einen bestimmten Bestand an Gemälde. Ich war damals zur richtigen Zeit am richtigen Ort, das hilft natürlich auch.
  • Was: Kunst-Ausstellung von James Francis Gill: American Pop Art
  • Wo: Carl-Schurz-Haus, Foyer, Eisenbahnstraße 62
  • Wann: Mittwoch, 9. Okt., bis Freitag, 15. Nov., Mo-Fr 9-18 Uhr, Samstag 11-15 Uhr
  • Eintritt: frei