Die Lust nach dem SC Freiburg ist zurück!

Veit Cornelis

Der SC Freiburg macht wieder Spaß! Auch unserem Autor Veit Cornelis! Wie er die Durststrecke durchgestanden hat und wie es ist, jetzt wieder Fußballblut geleckt zu haben, beschreibt er in diesem anrührenden Text:



Ich habe Blut geleckt. Die Gier nach Fußball ist zurück. Die harten Wochen, in denen man versucht hat, die VHS-Kassette mit den „Highlights der Saison 94/95“ in sein MacBook zu stecken, sind vorbei. Apple behauptet immer, sie können alles: Falschaussage! Im Anachronismus des Videos finden sich heute keine Möglichkeiten mehr. Zu wenig Möglichkeiten gerade Gesehenes direkt im Internet zu teilen. Und die „Highlights der Saison 94/95“ werden wohl niemals auf DVD oder in der iTunes-Mediathek auftauchen.


So saß ich die letzten Wochen mit dieser Kassette im Arm auf der Couch, kenne die Inhalte sowieso. Träumend. Bin aufgewacht! Liberec - Auswärtssieg! M'Gladbach - gut gespielt, knapp verloren!! Leverkusen - besseres Team!!!  Die Ausrufezeichen vermehren sich.

Ich habe Blut geleckt! Den Heimdreier vor Augen! Fußball, danke, dass du wieder da bist. Warst lange weg, nicht?! Aber jetzt lässt du uns nicht mehr alleine! Wir haben dich doch so gerne! Klingt wie die Mütter dieser Welt, die sich an Weihnachten freuen, den Studentensohn aus dem fernen Süddeutschland wieder am Kachelofen in der Lüneburger Heide zu haben.

Nicht nur zuhause bei Mama werden wir wieder Kinder. Ich war es am Mittwoch auch im Stadion. Habe mich - und das sage ich trotz Niederlage - gefreut wie Bolle. Gelson Fernandes gewinnt Zweikämpfe, Mathias Ginter mit starker Schusstechnik, Vladimir Darida mit Übersicht und feiner Technik! Wo habt ihr euch die letzten Wochen versteckt? Gerne mehr. Oder einfach auf VHS aufnehmen und immer wieder abspielen!

Couch, kein Cabrio, kein Bier

Und dann ... Ausblick: Es ist Juli. Deutschland hat gerade das WM-Halbfinale gegen Kamerun verloren. Volker Finke steht im Finale und wird vermutlich der nächste Nationaltrainer Deutschlands werden, da Jogi Löw gerade auf einer Pressekonferenz um eine Vertragsauflösung gebeten hat. Ich bin schlecht gelaunt. Wollte auf der Eschholzstraße den WM-Titel feiern. Hätte mir für den Autokorso extra ein Cabrio gekauft. Jetzt. Couch, kein Cabrio, kein Bier. Keine Eschholzstraßen-Fanmeile. Eistee bei 33 Grad Raumtemperatur. Was gibt's zu tun?

Mein Blick schweift zum Regal mit den Videokassetten. Im Anachronismus leben, heißt, VHS schauen. Ich entdecke die Kassette mit den „Highlights der Saison 94/95“. Kenne ich auswendig. Doch daneben steht sie. Noch jungfräulich und doch in der Ausstrahlung schon so stark wie Jeanne d'Arc. Darauf die Aufschrift: „Highlights der Saison 2013/2014“.

Ist noch nicht so lange her. Macht aber jetzt schon Spaß anzuschauen. Denn was zu sehen ist, ist besser als jedes Finale. Besser als jeder Titel. Man sieht Freiburgs Klassenerhalt nach einer bockstarken Rückrunde. Ich habe Blut geleckt.

Der Autor über sich selbst

"When saturday comes …" Mit diesem Gedanken gehe ich seit dem 3. Oktober 1992 regelmäßig ins Stadion an der Schwarzwaldstraße. Der damalige Heimsieg durch ein Tor von Oliver Freund hat die Liebe zu diesem Verein in die Wege geleitet. Ich hing am Zaun und ich erinnere mich an die Jubeltrauben auf dem Spielfeld und an eine enorme Jubelmaschine hinter mir auf der Gegengeraden des damaligen Dreisamstadions. Da ist es passiert ...

Ich war damals sieben Jahre alt, und seither haben sich Stadionnamen, Anstoßzeiten, Spielergehälter und der Bierkonsum im Stadion stark verändert. Und dennoch renne ich mit meinen Freunden jeden Samstag in den Norden des Stadions. Wir teilen Freude und Leid - eine Kombination, die wahrscheinlich vielen Nicht-Fans im Bezug auf Fußball ein ewiges Rätsel bleiben wird. Und genau das versuche ich zu beschreiben.

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[Foto: dpa]